Grausame Bilder aus einer Viehsammelstelle in Werne erreichten bundesweite Aufmerksamkeit. Bei aller Empörung müssen nun die Ermittler/innen der Staatsanwaltschaft in Ruhe arbeiten dürfen, meint WERNEplus. Foto: SOKO Tierschutz
Grausame Bilder aus einer Viehsammelstelle in Werne erreichten bundesweite Aufmerksamkeit. Foto: SOKO Tierschutz
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Werne – Im Tierquäler-Skandal bei der Fleischerei Mecke erhärtet sich immer mehr der Verdacht, dass kranke und geschwächte Tiere aus der umstrittenen Viehsammelstelle an der Lünener Straße in den normalen Schlachtbetrieb gelangt und zu Lebensmitteln verarbeitet wurden, die in den Geschäften an Verbraucher verkauft wurden.

Das ARD-Magazin FAKT berichtete in seiner Sendung am Dienstagabend (17. August) über diese Vorwürfe, die durch Aussagen von Insidern belegt werden. Die Interviewpartner wollen anonym bleiben.

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Das Magazin FAKT hatte Ende Juli den Skandal bundesweit öffentlich gemacht, nachdem die Soko Tierschutz Videoaufnahmen aus der Viehsammelstelle vorgelegt hatte. Die Bilder zeigen, dass kranke und schwache Tiere brutal misshandelt wurden. Aufgrund der großen Resonanz war ein Kamerateam der ARD nun erneut vor Ort. Der Beitrag von Dienstag zeigt neues Videomaterial, auf dem Firmeninhaber Marko Mecke mehrfach in die Viehsammelstelle zu sehen ist. Auf einer Aufnahme nur wenige Meter von einem abgemagerten Rind. Die Tiersammelstelle war behördlich aber nur für Pferde zugelassen.

Mecke hatte nach dem Bekanntwerden des Skandals öffentlich beteuert, dass er von den Misshandlungen nichts gewusst habe, und seine Unterstützung bei der Aufklärung zugesagt. Die beiden auf den Videos gezeigten Mitarbeiter wurden unverzüglich entlassen. Mecke sagte, dass er nicht nah genug an den einzelnen Betriebsteilen seines Unternehmens dran gewesen sei. Die FAKT-Aufnahmen beweisen nun das Gegenteil. Für ein Interview stand der Firmenchef dem ARD-Magazin nicht zur Verfügung.

Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz betonte im Interview mit FAKT: „Transporter bringen Tiere am laufenden Band in die Metzgerei, die wenigsten kommen in die Schlachthöfe für Tierfutter. Die Kunden der Firma Mecke haben jetzt die Gewissheit, dass sie eine gute Chance hatten, auch Fleisch von Tieren gegessen zu haben, die krank und verletzt waren. Sogenannte illegale Schlachtungen.“

Befragt zur Rolle des Kreisveterinäramts in diesem Skandal, meinte Kai Braunmiller, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft für Tier- und Verbrauchschutz: „Der Konsument verlässt sich bei der Kontrolle auf die Behörde. Da muss so etwas auffallen. Ohne Wenn und Aber.“

Landrat Mario Löhr und sein Dezernent Uwe Hasche hatten am Dienstag (17. August) in einem Pressegespräch versichert, dass es bei allen Kontrollen in der Viehsammelstelle in Werne nie zu Beanstandungen gekommen sei. Er kündigte als Konsequenz aus den Vorfällen eine personelle Verstärkung des derzeit 42-köpfigen Kreisveterinäramtes an.

Die Betriebe der Schlachterei Mecke waren am vergangenen Freitag von der Kreisbehörde geschlossen worden. Geschäftsführer Marko Mecke und seinen Mitarbeitern wurde der Umgang mit Tieren untersagt. Der derzeit noch vorhandene Viehbestand wird unter behördlicher Aufsicht abtransportiert. 

In dem FAKT-Beitrag kamen auch der Landrat sowie der Werner Lebensmittelhändler Clemens Overmann zu Wort.

Heute (Mittwoch, 18. August) lädt die Soko Tierschutz ab 19 Uhr zum Bürgergespräch in den Kolpingsaal ein.

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