Landrat Mario Löhr sprach über Konsequenzen aus den Vorfällen einem Schlachtbetrieb und einer Tiersammelstelle in Werne. Foto: Volkmer
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Werne/Kreis Unna. Selten hat eine Pressekonferenz des Kreises ein so großes Interesse hervorgerufen. Medienvertreter aus der gesamten Region erschienen am Dienstagmittag im Kreishaus, um von Landrat Mario Löhr und Uwe Hasche, Dezernent für Gesundheit und Verbraucherschutz, über Konsequenzen aus den Vorfällen in einer Viehsammelstelle der Firma Mecke informiert zu werden. Der Geschäftsbetrieb der Mecke GmbH ist bekanntlich am vergangenen Freitag auf behördliche Anordnung eingestellt worden.

Wer Informationen über neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Tierquäler-Skandal oder gar eine Bestätigung für zuvor öffentlich geäußerte Mutmaßungen über weitere Vergehen Meckes erwartet hatte, wurde enttäuscht. Gleich zu Beginn stellte der Landrat fest, dass er keine der bisherigen Ermittlungsergebnisse bekannt geben werde. „Dafür sind andere zuständig. Zum Beispiel die Staatsanwaltschaft“, sagte Mario Löhr. Er wies aber vehement den Vorwurf zurück, das Kreisveterinäramt habe bei der Aufsicht der Mecke-Betriebe nicht ordentlich gearbeitet. Es seien die gesetzlich vorgeschriebenen regelmäßigen Kontrollen durchgeführt worden, nichts habe auf die von der Soko Tierschutz in Videoaufnahmen dokumentierte Tierquälerei hingewiesen.

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„Wir sind mehr als geschockt gewesen, als wir die Bilder gesehen haben. Eine solche Vorstellung habe ich bisher nicht gehabt“, sagte Löhr über die Videos, die brutale Misshandlungen von kranken und geschwächten Tieren durch Mitarbeiter der Viehsammelstelle zeigen. Löhr kündigte an, dass in dem Fall mit entsprechender Vehemenz recherchiert werde.

Die Soko-Tierschutz, die die Aufnahmen öffentlich gemacht hat, hatte die Arbeit des Veterinäramts scharf kritisiert. Löhr nahm dies zum Anlass, einen Einblick zu bieten, wie das Amt derzeit aufgestellt ist. Demnach arbeiten dort 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Löhr kündigte an, dass das Personal für diesen Bereich „im zweistelligen Bereich“ aufgestockt werde. „Man kann uns in keiner Weise nachweisen, dass hier grob fahrlässig gehandelt wurde“, sagte Löhr weiter. 

Der Landrat dankte der Soko-Tierschutz für die Veröffentlichung des Materials: „Wir haben leider als Behörde nicht die Möglichkeit, so zu agieren.“ Löhr kündigte zusätzliche Kontrollen an. „Ich will so etwas nie wieder erleben. Aber auszuschließen ist das einfach nicht.“

Dezernent Uwe Hasche erläuterte die vom Kreis erlassenen Ordnungsverfügungen. So sei Mecke das Schlachten, Zerlegen und die weitere Verarbeitung von Tieren sowie das in Umlauf bringen von Lebensmitteln untersagt worden. Die Auflösung des vorhandenen Viehbestands unter behördlicher Aufsicht sei überdies angeordnet worden.

„Es hat im Regelfall es keine Beanstandungen gegeben“, sagte Uwe Hasche bei der Pressekonferenz in Unna. Foto: Volkmer

Möglich sei dies geworden, weil zusätzliche belastende Unterlagen durch eigene Ermittlungen bewertet wurden. Nähere Details gab Hasche dazu nicht bekannt. Er widersprach auch der Kritik, der Kreis reagiere mit seiner jetzt erlassenden Verfügung viel zu spät. Eine frühere Schließung des Betriebes nur auf Grundlage der Video-Aufzeichnungen wäre nicht rechtssicher gewesen, sagte der Dezernent: „Alles, was wir vorher hätten machen können, wäre im Rahmen von Ordnungswidrigkeitsverfahren gewesen, für die es ein Bußgeld gegeben hätte.“ Die jetzige Verfügung habe aber nun Bestand, bis ein Verwaltungsgericht das Gegenteil bescheide.

Um solche Vorgänge künftig möglichst zu vermeiden, werde es nicht nur mehr Kontrollen des Kreises geben. „Wir werden die Eigenkontrollsysteme eines jeden einzelnen Betreibers auf ihre Wirksamkeit und ihre Effizienz überprüfen müssen“, stellte Hasche fest. Insgesamt gelte es, im Kreis 3580 Betriebe, die dem Schlachtbetrieb oder dem landwirtschaftlichen Betrieb nachgelagert seien, regelmäßig zu kontrollieren.

Die betroffene Viehsammelstelle in Werne sei in der Regel einmal im Monat kontrolliert worden. Im laufenden Jahr seien bereits neun Kontrollen in Werne durchgeführt worden, dabei sei jedes einzelne Tier einem Tierarzt vorgeführt worden sei. 2020 seien es trotz Corona elf Kontrollen gewesen. Im Zuge der Kontrollen seien auch die Unterstellbedingungen und die Verpflegung der Tiere überprüft worden. „Es hat im Regelfall keine Beanstandungen gegeben“, so Hasche.

Die Kontrollen hätten stets im Zusammenhang mit dem Transport von Pferden stattgefunden, für deren Unterbringung die Viehsammelstelle eine Genehmigung hatte. Andere Tiere hätten die Mitarbeiter des Veterinäramtes bei diesen Besuchen nicht vorgefunden. Es habe keine Auffälligkeiten gegeben.

Wie berichtet, findet am Mittwoch, 19. August, um 19 Uhr ein von der Soko Tierschutz organisiertes Bürgergespräch im Kolpingsaal statt, bei dem der im Pressegespräch anwesende Tierschützer Friedrich Mülln ein Statement zu den Erkenntnissen des Kreises Unna abgeben wird. 

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