Auf einer Fläche von rund 2,3 Hektar zwischen den Straßen Baaken im Norden und Bellingheide im Süden will ein Investor neben Einzel- und Doppelhäusern auch Reihen- und Mehrfamilienhäuser mit öffentlich gefördertem Wohnraum errichten. Foto: Gaby Brüggemann
Auf einer Fläche von rund 2,3 Hektar zwischen den Straßen Baaken im Norden und Bellingheide im Süden will ein Investor neben Einzel- und Doppelhäusern auch Reihen- und Mehrfamilienhäuser mit öffentlich gefördertem Wohnraum errichten. Foto: Gaby Brüggemann
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Werne. In einer digitalen Bürgerversammlung der Stadtverwaltung zum Neubaugebiet Baaken wurden jetzt die aktuellen Planungen vorgestellt. Bekanntlich sollen zwischen den Straßen Baaken im Norden und Bellingheide im Süden Einzel- und Doppelhäuser mit circa 75 Wohneinheiten entstehen.

Eine von vielen Bürgern nachdrücklich gewünschte Präsenzveranstaltung habe man corona-bedingt allerdings nicht durchführen können, erläuterte der Dezernent für Stadtentwicklung, Ralf Bülte, auf Nachfrage von WERNEplus. Der virtuelle Ersatz stieß gleichwohl auf viel Interesse. „In der Spitze waren 55 Teilnehmer dabei“, schilderte er. Abzüglich der Verwaltungsmitarbeiter und Gutachter waren somit mehr als 40 Bürger – Anlieger wie potenzielle Kaufinteressenten – digital zugegen, um sich über den Planungsstand zu informieren. Neben Ralf Bülte nahm Uta Leisentritt, Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, an der Videokonferenz teil.

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Die Pläne, direkt neben dem bestehenden Gewerbegebiet im Werner Westen ein Wohnbaugebiet zu entwickeln, hatten bei Anliegern Kritik und Befürchtungen ausgelöst, die in einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung eingebracht wurden. Diese bezogen sich unter anderem auf den Lärmschutz, auf zusätzliche Verkehrsbelastungen und die Entwässerungsproblematik an dem abschüssigen Gelände. Die Einwendungen wurden überarbeitet und werden den Stellungnahmen der Verwaltung in einer Synopse am 27. April (17.30 Uhr, Bürgersaal Altes Rathaus) im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung der Politik vorgelegt.

Für die Änderung des Flächennutzungsplanes werden vom 12. April bis 12. Mai die Träger öffentlicher Belange beteiligt. Den Offenlagebeschluss soll der Fachausschuss im Juni fassen, anschließend folgt die öffentliche Bürgerbeteiligung. Die Änderung des Flächennutzungsplanes muss die Bezirksregierung Arnsberg genehmigen, dafür sind drei Monate einzuplanen. Ende September, so der Dezernent zum Zeitplan, sollte mit dem Satzungsbeschluss dann voraussichtlich Baurecht geschaffen sein.

Lärmschutzwand mit Begrünung

Die Nachbarschaft zum Gewerbegebiet Baaken macht Lärmschutzmaßnahmen in dem Neubaugebiet notwendig, damit die gesetzlich verbriefte Wohnruhe für die künftigen Bewohner realisiert werden kann. Dazu muss die vorhandene fünf Meter hohe Garagenwand an der Grenze zwischen Gewerbegebiet und Neubaufläche um 1,50 Meter auf 6,50 Meter erhöht werden. Eine Lärmschutzwand aus Stahlblech, ebenfalls 6,50 hoch und 63 Meter lang, soll zudem den südwestlichen Bereich des Baugebietes vor Lärmemissionen schützen. Dies hatte bei Anliegern Proteste ausgelöst. „Die 6,50 Meter sind nicht schön, aber erforderlich“, sagte Ralf Bülte zu den Lärmschutzvorgaben. In der digitalen Runde hatte Akustik-Gutachter Rolf Erbau-Röschel darauf hingewiesen, dass Lärmschutz zwingend notwendig sei. Mit einer Begrünung mit heimischen Straucharten will man die Wirkung der Lärmschutzwand verbessern. Die Gärten der Anlieger seien in diesem Bereich sehr tief und eine Verschattung ausgeschlossen, ergänzte Bülte zu den örtlichen Gegebenheiten.

Regenrückhaltung steuert Entwässerung

Der Sorge der Anwohner, dass es durch die Flächenversiegelung auf der abschüssigen Fläche (Höhenunterschied sieben Meter) bei Starkregenereignissen zu Überschwemmungen kommen könne, begegnen die Planer mit der Anlage eines Regenrückhaltebeckens im Süden der Wohnbaufläche. Hier könne bei Starkregen Wasser aufgenommen und später gedrosselt wieder abgeleitet werden. Wie Hermann-Josef Abels von der NTS Ingenieursgesellschaft Münster in der Videokonferenz versicherte, seien Überschwemmungen der unten liegenden Gärten auch bei sehr starken Regenereignissen so nicht zu befürchten.

Verkehrsbelastung

Das Neubaugebiet wird verkehrlich über die Straße Baaken erschlossen. Zu den aktuell 900 Fahrten pro Tag werden künftig jeweils 200 Fahrten in und aus dem Gebiet hinzukommen, schilderte Gutachter Rolf Suhre von der NTS Ingenieursgesellschaft Münster die Berechnungen zur Verkehrsentwicklung. Eine Anbindung über die Bellingheide an die östlichen Siedlungsbereiche sei nicht erwünscht und verkehrstechnisch nicht unbedingt erforderlich. Die Durchlässigkeit für Radfahrer und Fußgänger zu den östlichen und südlichen Siedlungsbereichen werde aber möglich sein. Bei der Straße Baaken handele es sich um eine Wohnsammelstraße, die die zusätzlichen Fahrten aufnehmen könne, erläuterte Bülte.

Auf das Thema Artenschutz ging Nina Karras vom Büro Umweltplanung in Dortmund ein. Konflikte mit dem Artenschutz seien nicht zu befürchten, hatte sie in der Videokonferenz erklärt. Alle Gutachten zur Wohngebiet Baaken sind auf der Homepage www.werne.de unter Bauen und Wohnen einsehbar.

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