Donnerstag, August 11, 2022

Feines Gespür: Mit Musik Hoffnung auf Heilung wecken

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Wer­ne. Gemes­sen an den coro­nabe­ding­ten Abstands­re­geln fand am Sonn­tag in der Mar­tin-Luther-Kir­che ein Kon­zert vor vol­lem Haus statt. Mehr als 50 Per­so­nen waren gekom­men, um die Sopra­nis­tin Dag­mar Borow­ski-Wen­sing und ihren Mann Dr. Hans-Joa­chim Wen­sing an der Orgel und am Pia­no zu hören. Das Kir­chen­mu­si­ker-Duo inter­pre­tier­te Wer­ke aus Barock, Klas­sik und Roman­tik mit einem Gespür für fei­ne Stim­mun­gen – und bis­wei­len mit einem Augenzwinkern.

Das zeig­te sich schon beim Blick ins Pro­gramm. „Es ist genug“: Mit die­sem musi­ka­li­schen Stoß­seuf­zer von Bach eröff­ne­te Dag­mar Borow­ski-Wen­sing den kurz­wei­li­gen Lie­der­abend. Und sprach damit sicher so man­chem Zuhö­ren­den aus dem Her­zen. „Wir alle seh­nen uns ja etwas mehr Frei­heit zurück“, sag­te die Sopra­nis­tin bei ihrer Anmo­de­ra­ti­on mit Blick auf die seit Mona­ten andau­ern­de Coronapandemie.

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Der Titel der Mozart-Arie „Ich weiß ein Mit­tel“ moch­te Hoff­nung auf Hei­lung wecken. Doch die pfif­fi­ge Zer­li­na aus der Oper „Don Gio­van­ni“ hat es mit die­sen Wor­ten eher auf Ver­füh­rung abge­se­hen. Borow­ski-Wen­sing for­mu­lier­te das kokett und mit fre­chen Tril­lern und Kolo­ra­tu­ren. Am Pia­no unter­strich ihr Mann das pul­sie­ren­de Herz­klop­fen der Arie.

Eine wei­te­re Mozart-Arie nahm, zumin­dest einem Wort­laut nach, Bezug zur aktu­el­len Situa­ti­on: „Tu vir­ginum coro­na“. Das Stück aus der Motet­te „Exsul­ta­te, jubi­la­te“ hat jedoch nichts mit einem Virus zu tun, son­dern besingt Maria, die „Kro­ne der Jung­frau­en“. Borow­ski-Wen­sing into­nier­te die ele­gan­ten Ton­fol­gen mit gelas­se­ner Zuver­sicht und dra­ma­tur­gi­schen Momen­ten des Innehaltens.

Innig und ein wenig ver­träumt modu­lier­te die Sopra­nis­tin eine der wohl berühm­tes­ten Hän­del-Ari­en, „Lascia ch’ío pia­n­ga“. Die wei­chen Melo­die­bö­gen die­ses Kla­ge­lieds aus der Oper Rinal­do ließ sie auf­blü­hen, ohne es an Prä­gnanz mis­sen zu lassen.

Nicht nur die unter­schied­li­chen Stim­mun­gen der vor­ge­tra­ge­nen Stü­cke brach­ten Abwechs­lung in das Kon­zert, son­dern auch zwei Zwi­schen­stü­cke, die Hans-Joa­chim Wen­sing auf der Orgel spielt. Die Suite über „Ave Maria Stel­la“ von Nico­las de Gri­gny leb­te vom kon­trast­rei­chen Spiel mit hel­len Spitz­tö­nen und tie­fen Lagen. Bis Wen­sing die Klang­mas­sen zum fina­len „Dia­lo­gue“ ent­schlos­sen auf­türm­te. Bei der Par­ti­ta über „Jesu mei­ne Freu­de“ von Johann Gott­fried Wal­ter lote­te Wen­sing die Klang­far­ben der Orgel facet­ten­reich aus.

Zum Schluss schlug das Duo hoff­nungs­vol­le und fröh­li­che Töne an. Fast über­schwäng­lich erklang „Mein gläu­big Her­ze“ von Bach; etwas zurück­hal­ten­der, aber den­noch von einer beschwing­ten Grund­stim­mung getra­gen, „Sin­ge See­le“ von Händel.

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