Donnerstag, Februar 15, 2024

Inklusion in Werne: Wenig Interesse an Info-Abend im Stadthaus

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Werne. Genügt es für Werne, einen Inklusionsbeauftragten als Halbtagskraft einzustellen, und welche Aufgaben soll der neue Mitarbeiter zugewiesen bekommen? Um diese beiden Fragen drehte es sich am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung im Stadthaus der Lippestadt.

Eingeladen hatten die Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement, Senioren- und Behindertenarbeit (BEN) und der Behindertenbeirat. Unter dem Strich signalisierten die rund 15 Teilnehmenden der Veranstaltung, dass gerade in Werne die internen und organisatorischen Vorarbeiten bereits großteils erledigt sind, um dem neuen Mitarbeiter ein erfolgreiches Arbeiten möglich zu machen.

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Die beiden sachkundigen Redner des Abends waren die ehrenamtliche Inklusionsbeauftragte der Stadt Ennigerloh, Silke Krabbe, und der hauptamtliche Leiter der Inklusionsstabstelle bei der Stadt Bergkamen, Thomas Lackmann.

Krabbe machte gleich zu Beginn deutlich, wo sie die Grenzen der Ehrenamtlichkeit auf diesem Aufgabenfeld sieht: „Ich arbeite in meinem Hauptberuf 39 Wochenstunden.“ Was dann noch an Zeit übrig bleibt, investiert Silke Krabbe in den Ehrenamtsbereich: „Ich kann das nur, weil mein Mann inzwischen Rentner ist, und sich komplett um den Haushalt und den Einkauf kümmert.“

Zu diesem privaten Hintergrund kommt dann noch die Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Die einzelnen Ämter, so berichtet sie, hätten vom Bürgermeister die Anweisung, eng mit der Inklusionsbeauftragten zusammenzuarbeiten und sie nach Kräften zu unterstützen. Aus ihrer Sicht klappt diese Zusammenarbeit sehr gut. Krabbe sagt zu ihrer Motivation, die Aufgabe in Ennigerloh zu übernehmen: „Die Inklusion ist ein Stück weit mein Hobby.“

In Bergkamen hat Thomas Lackmann als Vollzeitmitarbeiter zwar auch die Unterstützung des Verwaltungsapparats. Aber er bekennt: „Es war zu Beginn meiner Tätigkeit allerdings notwendig, einige Verwaltungsmitarbeiter von Sinn und Wert meiner Arbeit zu überzeugen.“

Wie seine ehrenamtliche Kollegin hat auch der Bergkamener eine Fülle von Aufgabenfeldern zu bewältigen. Denn „Inklusion betrifft mehr als nur den schulischen Bereich.“ Beide haben übereinstimmend die Erfahrung gemacht, dass man beim Durchsetzen für bestimmte Ziele immer wieder „in die Wunde stoßen müsse“. Lackmann meldete Zweifel darüber an, ob eine Halbtagsstelle in Werne wirklich ausreichend sei.

Nur eine Handvoll Werner, allerdings alle aus dem politischen und gesellschaftlichem Umfeld der Behindertenarbeit, nutzten die Möglichkeit, sich über den Alltag der ehrenamtlichen Inklusionsbeauftragten Silke Krabbe zu informieren. Foto: Steinmüller

Jochen Höinghaus von der Koordinierungsstelle BEN und der für die Behindertenarbeit bei der Stadtverwaltung zuständige Dezernent Frank Gründken teilten diese Sorge des Bergkameners nicht. Im Gespräch mit WERNEplus erklärte Höinghaus: „Wir haben in Werne durch den seit zehn Jahren bestehenden Behindertenbeirat eine gut funktionierende Stütze für den neuen Inklussionsbeauftragten“.

Gründken verwies außerdem auf die Finanzen der Stadt Werne, die gegenwärtig nur eine Halbtagsstelle ermöglichten. Gründken: „Wir sind allerdings bestrebt, diese Stelle zeitnah bis spätestens zum Jahresende zu besetzen“. Die Ausschreibung werde gegenwärtig vorbereitet. Als Erfolge in jüngster Zeit listete Höinghaus die öffentliche Behindertentoilette am Busbahnhof und die Aufzugsmöglichkeit im Alten Rathaus auf.

Besonders Silke Krabbe warnte die Werner davor, sich bei der Auswertung der Bewerbungsunterlagen auf klingende Titel und Universitätsabschlüsse zu verlassen. Wichtig seien in diesem Amt der Bezug zu den Menschen, sowohl in der Vereins- und Wirtschaftswelt, als auch zu einzelnen Menschen mit Behinderung, sowie das persönliche Engagement für die Sache.

Übrigens sind Behinderte in Werne überhaupt keine Minderheit. Darauf wies Kurt Wörmann vom Sozialverband VDK hin. Alleine unter den rund 30.000 Bürgerinnen und Bürgern der Stadt haben 6.000 einen Schwerbehindertenausweis mit unterschiedlichen Graden der Schwerbehinderung.

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