Freitag, Oktober 7, 2022

Familien kämpfen für Wäldchen als Treffpunkt ihrer Kinder

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Wer­ne. „Wir wol­len hier spie­len!“, „War­um ver­sperrt man uns Kin­dern den Weg?“ – Mit die­sen und noch wei­te­ren Pla­ka­ten sowie in gro­ßer Anzahl pro­tes­tier­ten Fami­li­en in der Hus­te­be­cke gegen die Anpflan­zung einer Hecke.

Die Grup­pe von Anwoh­nern fasst die­se Maß­nah­me an der Ecke Vin­zenz­stra­ße/­Ni­ko­laus-Groß-Stra­ße als dau­er­haft geplan­te Sper­rung des Wald­stücks auf, denn hier befin­det sich der ein­zi­ge brenn­nes­sel­freie Zugang.

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„Seit elf Jah­ren haben die Kin­der in dem Wäld­chen gespielt. Das hat nie einen Nach­barn gestört“, sagt Anni­ka Bruns. Das änder­te sich, als eini­ge Kin­der und Jugend­li­che das Ter­rain zur BMX-Stre­cke umfunk­tio­nier­ten und eige­ne klei­ne Hügel anleg­ten. Es kam zur Kon­fron­ta­ti­on mit weni­gen Anwoh­nern. Der Nach­wuchs gab nach und zog sich mit sei­nen Moun­tain­bikes zurück – auch weil das Errich­ten von bau­li­chen Anla­gen, wie bei­spiels­wei­se Erd­hau­fen, in städ­ti­schen Wald­ge­bie­tet nicht erlaubt ist.

Schon im März 2022 ließ die Ver­wal­tung durch den Bau­hof einen gro­ßen Baum­stamm als Weg­sper­re am Wald­ein­gang able­gen. Andrea Lam­bert betont: „Das Spie­len, ja sogar das ‚nor­ma­le‘ Rad­fah­ren, wur­de den Kin­dern aller­dings nicht verboten.“

Da stan­den die Pflö­cke und die Hecke noch: Fried­lich demons­trier­ten die Fami­li­en gegen die Maß­nah­me der Stadt Wer­ne. Foto: Wagner

Umso über­rasch­ter zeig­ten sich die rund 15 Anwoh­ner-Fami­li­en, als in der ver­gan­ge­nen Woche Mit­ar­bei­ter des Bau­hofs anrück­ten, um zusätz­lich eine Hain­bu­chen­he­cke zu set­zen, die bis zu zwei Meter hoch wach­sen kann. „Nach unse­ren Infor­ma­tio­nen haben wei­ter­hin Abgra­bun­gen statt­ge­fun­den, der Baum­stamm wur­de zur Sei­te gescho­ben und Dreck auf die Stra­ße getra­gen“, begrün­de­te Chris­ti­an Neu­ge­bau­er aus der Abtei­lung Stra­ßen und Ver­kehr die Maß­nah­me auf Nach­fra­ge von WERN­Eplus. Zwei Anwoh­ner-Fami­li­en hät­ten sich beschwert.

„Das ist an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen. Es gibt ja hier noch wei­te­re direk­te Nach­barn, die die­se Vor­wür­fe nicht bestä­ti­gen können.“

Anwoh­ne­rin Eva Overtheil

Das bringt wie­der­um Eva Overtheil auf die Pal­me: „Das ist an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen. Es gibt ja hier noch wei­te­re direk­te Nach­barn, die die­se Vor­wür­fe nicht bestä­ti­gen kön­nen.“ Die Kin­der hät­ten selbst schon „ihr“ Wäld­chen von Müll befreit. Für Anni­ka Schul­ze Aquack sei die Hecken­pflan­zung ein Signal, den Kin­der gänz­lich das Spie­len im Wäld­chen zu verbieten.

Andrea Lam­bert ist schwer ent­täuscht. Denn: „Uns wur­de Ende März ein gemein­sa­mes Tref­fen vor­ge­schla­gen, um alle Wün­sche und Anre­gun­gen vor­zu­tra­gen. Statt­des­sen wird die Pflan­zung einer Hecke ange­ord­net – über unse­re Köp­fe hinweg.“

Unbe­kann­te Kin­der sol­len nach Zeu­gen­aus­sa­gen die Hecke nur weni­ge Tage nach der Pflan­zung und kurz nach der Pro­test­ak­ti­on wie­der ent­fernt haben. Foto: Privat

Der fried­li­che Pro­test der Fami­li­en erleb­te am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag (23.06.2022) einen her­ben Rück­schlag. Unbe­kann­te – nach Zeu­gen­aus­sa­gen wohl Kin­der oder Jugend­li­che – ent­fern­ten Pflö­cke und Hecke. Die Eltern­grup­pe, die für das Wäld­chen als Treff­punkt ihrer Kin­der kämpft, distan­zier­te sich von die­sem „Eigen­tor“. Mar­co Overtheil bekräf­tigt: „Die­se Akti­on befür­wor­ten wir nicht und woll­ten sie auch nicht provozieren.“

Nach Aus­kunft von Chris­ti­an Neu­ge­bau­er wer­de nun erst ein­mal nicht sofort eine Neu­pflan­zung beauf­tragt. Und auch die kom­plet­te Sper­rung des Ein­gang durch die Hain­bu­chen­he­cke sei ein Miss­ver­ständ­nis gewe­sen. „Es wird natür­lich ein Stück frei­ge­hal­ten, damit die Kin­der pro­blem­los das Wäld­chen zum Spie­len betre­ten kön­nen“, ver­si­cher­te der Mit­ar­bei­ter des Kom­mu­nal­be­triebs Wer­ne (KBW).

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