Samstag, Juli 2, 2022

Eheleute Schumacher engagieren sich im Sozialkaufhaus in Herbern

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Her­bern (pbm/mek). Das gro­ße Schau­fens­ter gibt den Blick frei ins Inne­re des Sozi­al­kauf­hau­ses. Seit Mit­te Febru­ar kön­nen Men­schen, die von Trans­fer­leis­tun­gen leben müs­sen, in Her­bern bei Hubert Schu­ma­cher und sei­nem Team einkaufen.

Egal ob Kinder‑, Damen- oder Her­ren­be­klei­dung, Schu­he, Spiel­zeug, Glä­ser oder Geschirr. Für klei­nes Geld hal­ten die Ehren­amt­li­chen in ihrem zen­tral gele­ge­nen Laden­lo­kal eini­ges vor. „Und wir haben sogar eine Umklei­de­ka­bi­ne mit Spie­gel“, sagt Maria Schu­ma­cher nicht ohne Stolz. Das Ehe­paar enga­giert sich seit vie­len Jah­ren. Hubert Schu­ma­cher im Sozi­al­kauf­haus, Maria Schu­ma­cher in der Flücht­lings­hil­fe St. Lam­ber­tus Asche­berg und im Sozialkaufhaus.

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Das hat sei­nen Grund, denn ent­stan­den ist das ers­te Sozi­al­kauf­haus 2015 aus der Flücht­lings­hil­fe her­aus. „Als der ers­te Flücht­ling im April vor sie­ben Jah­ren bei kal­ter Wit­te­rung in kur­zer Hose vor mir stand, war mir klar, dass wir etwas tun müs­sen“, berich­tet Maria Schumacher.

Doch nach fünf Jah­ren muss­ten die Enga­gier­ten den Betrieb ein­stel­len. „Wir haben zwei­ein­halb Jah­re nach einer neu­en Loka­li­tät gesucht. Das war nicht ein­fach. In Her­bern sind wir fün­dig gewor­den“, freut sich Hubert Schu­ma­cher. Mit dem Umzug fand auch ein Wech­sel des Trä­gers statt. „Seit Jah­res­be­ginn ist der Cari­tas­ver­band für den Kreis Coes­feld unser Trä­ger. Das hat unter ande­rem den Vor­teil, dass wir nun von der Umsatz­steu­er befreit sind“, erklärt der 71-Jäh­ri­ge. Beglei­tet wur­de er von Vin­zenz Mer­s­mann, der den Bereich der Gemein­de­ca­ri­tas betreut. „Für uns war das Sozi­al­kauf­haus, das als ört­li­ches Ehren­amts­pro­jekt auf­ge­baut ist, auch Neu­land. Wich­tig ist allen Betei­lig­ten, dass das Ange­bot sei­ne Selbst­stän­dig­keit behält und mög­lichst viel Ver­ant­wor­tung vor Ort bleibt“, erklärt er. Und Schu­ma­cher fügt hin­zu: „Der Über­gang hat sehr gut geklappt. Für uns ist es eine gro­ße Erleich­te­rung, und es gibt uns das Gefühl von Sicherheit.“

Vin­cenz Mer­s­mann vom Cari­tas­ver­band für den Kreis Coes­feld hat Maria und Hubert Schu­ma­cher (von rechts) in vie­len Punk­ten bei der Eröff­nung des Sozi­al­kauf­hau­ses in Her­bern bera­ten. Foto: Bischöf­li­che Pressestelle/Michaela Kiepe

Knapp zwei Mona­te haben die Ehren­amt­li­chen die neu ange­mie­te­ten Räu­me reno­viert und anschlie­ßend wie­der Spen­den ange­nom­men. „Am ers­ten Ver­kaufs­nach­mit­tag sind wir über­rollt wor­den. Es gab so vie­le Men­schen, die bei uns ein­kau­fen woll­ten“, berich­tet Hubert Schu­ma­cher. Doch inzwi­schen habe sich alles gut ein­ge­spielt. Immer diens­tags und don­ners­tags öff­net das fünf­köp­fi­ge Team von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr den Laden. Doch Schu­ma­chers Ein­satz beschränkt sich nicht nur auf die Öff­nungs­zei­ten. „Zwi­schen 15 bis 20 Stun­den in der Woche kom­men wohl zusam­men. Aber es macht mir Freu­de, sonst wür­de ich es nicht tun“, sagt er schmun­zelnd und fügt hin­zu: „Mei­ne Frau arbei­tet im Moment noch mehr.“ Denn Maria Schu­ma­cher hat zur­zeit vor allem die Kriegs­flücht­lin­ge aus der Ukrai­ne im Blick. „Sie erhal­ten von uns eine kos­ten­lo­se Erst­aus­stat­tung“, berich­tet sie. Rund 50 Men­schen aus der Ukrai­ne sei­en momen­tan in Asche­berg. „Vie­le Frau­en mit klei­nen Kin­dern“, hat die 72-Jäh­ri­ge, die mehr als 30 Jah­re als Fach­re­fe­ren­tin beim Diö­ze­sanca­ri­tas­ver­band gear­bei­tet hat, beobachtet.

Seit Beginn ihres Enga­ge­ments tauscht sich Maria Schu­ma­cher auch mit den Behör­den wie bei­spiels­wei­se dem Sozi­al­amt über die Situa­ti­on der Flücht­lin­ge aus. „Es ist für uns und für die Mit­ar­bei­ten­den wich­tig zu wis­sen, wel­che The­men gera­de dran sind“, hat sie gute Erfah­run­gen vor allem beim Auf­bau eines funk­tio­nie­ren­den Netz­wer­kes gemacht. In der augen­blick­li­chen Situa­ti­on kom­men dem Ehe­paar die Erfah­run­gen aus der ers­ten Flücht­lings­wel­le vor sie­ben Jah­ren sehr zugu­te. Dank­bar sind sie, dass sowohl die Kir­chen­ge­mein­de als auch die poli­ti­sche Gemein­de ihre Arbeit unter­stützt. „Das zeigt uns, dass sie unser Enga­ge­ment wert­schät­zen und dahin­ter ste­hen“, betont Hubert Schumacher. 

Für das Ehe­paar bedeu­tet ihr Enga­ge­ment geleb­tes Chris­ten­tum. „Das wird oft unter­schätzt. Für uns ist die Nächs­ten­lie­be ein Kern­aus­druck unse­res Glau­bens. Papst Fran­zis­kus hat uns auf­ge­ru­fen, an die Rän­der der Gesell­schaft zu gehen und zu hel­fen“, erklärt Maria Schu­ma­cher. Doch bei allem Ein­satz gibt es einen Tag der Woche, der anders besetzt ist. „Der Mitt­woch ist für unser Ehren­amt tabu. Da sind wir als Oma und Opa ver­plant und genie­ßen es auch“, erklärt Maria Schu­ma­cher und erhält ein zustim­men­des Lächeln ihres Ehemanns.

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