Dienstag, Februar 7, 2023

Sonnenstrom und Frucht vom selben Acker – AGRI-PV macht’s möglich

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Wer­ne. Auf einer gemein­sa­men Flä­che Son­nen­strom pro­du­zie­ren und gleich­zei­tig Kar­tof­feln oder Getrei­de anbau­en – das macht Frei­flä­chen-Pho­to­vol­ta­ik in Ver­bin­dung mit land­wirt­schaft­li­cher Nut­zung mög­lich und inter­es­sant. AGRI-PV lau­tet das Kür­zel für die Mehr­fach­nut­zung von Flä­chen zur Gewin­nung rege­ne­ra­ti­ver Ener­gie und zur land­wirt­schaft­li­chen Produktion.

Die Stadt­wer­ke Lünen GmbH wird in Koope­ra­ti­on mit Bio-Land­wirt Vitus Schul­ze Weth­mar auf einer etwa 20 Hekt­ar gro­ßen Nut­zungs­flä­che AGRI-PV umset­zen. Das geschieht in enger Abstim­mung mit der Stadt Wer­ne, denn besag­te Flä­che befin­det sich auf deren Gebiet.

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Im Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung, Pla­nung und Wirt­schafts­för­de­rung (ASPW) infor­mier­ten Lin­da Lau­kamp, Lei­te­rin Kun­den­be­treu­ung und Ver­trieb bei den Stadt­wer­ken, und Vitus Schul­ze Weth­mar die Poli­tik über das Vor­ha­ben. Der Land­wirt wird sei­ne Flä­chen unter den auf­ge­stän­der­ten PV-Flä­chen wei­ter­hin nutzen.

Was sind die Vorteile?

Die Stadt­wer­ke brin­gen ihre Exper­ti­se in ener­gie­wirt­schaft­li­chen The­men ein und über­neh­men die grund­sätz­li­che Ver­ant­wor­tung. Mit im Boot sind wei­te­re Behör­den und pro­fes­sio­nel­le Part­ner. Die Flä­chen wer­den wei­ter­hin durch Vitus Schul­ze Weth­mar bewirt­schaf­tet und ste­hen auch nicht in Nut­zungs­kon­kur­renz zwi­schen dem heu­ti­gen Nut­zer und dem Betrei­ber der PV-Anlage.

Was kann die AGRI-PV Anlagentechnik?

Die Anla­gen sind mit einer akti­ven Rück­sei­te aus­ge­stat­tet und brin­gen so einen höhe­ren Ertrag. PV-Tra­cker sor­gen dafür, dass die Modu­le dem Son­nen­stand fol­gen kön­nen. Die höhe­re Auf­st­än­de­rung erlaubt dar­un­ter eine Bewirt­schaf­tung, die von aus­rei­chen­dem Licht­ein­fall und güns­ti­ger Ver­schat­tung im Som­mer pro­fi­tiert. Die Modu­le bie­ten einen öko­lo­gi­schen Mehr­wert bei sinn­vol­ler Bepflan­zung und einen Lebens­raum für Tiere.

Wel­che Nut­zungs­mög­lich­kei­ten gibt es?

Im kon­kre­ten Fall wird die Flä­che des Bio-Land­wirts für den Acker­bau genutzt. Mög­lich sind Dau­er­kul­tu­ren, eben­so wie ein- und mehr­jäh­ri­ge Kul­tu­ren. Hier wer­den Kar­tof­feln, Wei­zen Gers­te und Möh­ren abhän­gig vom Aus­wurf der Rodungs- und Ern­te­ma­schi­nen aus­ge­baut. Nutz­bar sind die Boden­flä­chen unter den Modu­len auch für Dau­er­grün­land sowie inten­si­ve oder exten­si­ve genutz­tes Wirt­schafts­grün­land. Auch die Bewei­dung mit Rin­dern, Geflü­gel, Scha­fen & Co ist möglich.

Mit wel­chem Ertrag wird kalkuliert?

Übli­cher­wei­se ste­hen 90 Pro­zent der Acker­flä­chen wei­ter­hin für die Land­wirt­schaft zur Ver­fü­gung. Etwa zehn Pro­zent sind Bio­di­ver­si­täts­flä­chen. Durch Mehr­fach­nut­zung der rund 20 Hekt­ar las­sen sich 15 Mega­watt peak (Mwp) erwirt­schaf­ten. Wäh­rend die Ach­sen­aus­rich­tung in Nord-Süd-Rich­tung ver­läuft, kön­nen sich die Nach­läu­fer-Modu­le in Ost-West-Rich­tung bewe­gen und so auch in den Abend­stun­den einen höhe­ren Ertrag lie­fern als fixe Anla­gen. Pro Jahr kom­men so 17 Mil­lio­nen Kilo­watt­stun­den (kWh) Solar­strom zusam­men. Die Nach­füh­rung erhöht den Ertrag gegen­über fes­ten Anla­gen um 20 Prozent.

Um wel­che Flä­chen han­delt es sich?

Die Gesamt­flä­che liegt süd­lich der Bahn­li­nie Dort­mund – Müns­ter und nörd­lich der Lüne­ner Stra­ße. Im Süd­wes­ten ver­läuft die Lan­gern­stra­ße und im Nord­os­ten die Stra­ße Am Ger­lings­bach. Die Pro­jekt­flä­che fällt unter die Län­der­öff­nungs­klau­sel EEG und liegt unter­halb der 55er Gren­ze für einen Boden­wert mit schwa­chem Ertrag. Wie Schul­ze Weth­mar im Aus­schuss auf Nach­fra­ge ergänz­te, lie­ge der Boden­wert sei­ner Flä­che bei 35.

Was ist zu beach­ten und zu prüfen?

Wie Lin­da Lau­kamp in ihrem Vor­trag abschlie­ßend fest­stell­te, sei­en EU-Recht und Öffent­li­ches Recht (z.B. Bau­ord­nungs­recht) zu prü­fen. Im Bereich Land­wirt­schaft ste­hen unter ande­rem Bewirt­schaf­tung, Kul­tur­aus­wahl, Ver­schat­tung sowie Be- und Ent­wäs­se­rung zur Prü­fung an. In Sachen Wirt­schaft­lich­keit kön­nen die Kos­ten der AGRI-PV-Anla­gen indi­vi­du­ell stark vari­ie­ren und änder­ten sich der­zeit nahe­zu täg­lich. Hier gilt letzt­lich die Einzelfallentscheidung.

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