Aufgeteilt wird das Gebiet in zwei Bereiche: Nördlich der Nordlippestraße sollen 31 Hektar Fläche in Nachbarschaft zum Bauernhof Schulze Twenhöven entwickelt werden, südlich der Trasse 28 Hektar rund um das Anwesen des Heizungsbauunternehmens Plaß. Die östliche Begrenzung bildet der Hornebach, südlich endet das Gebiet ungefähr auf Höhe der Einmündung Butenlandwehr (Firma Höttcke). Luftbild: RVR 2019
Nur den nördlichen Bereich auf diesem RVR-Plan will die Stadt Werne als Gewerbegebiet entwickeln. Luftbild: RVR 2019
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Werne. Das von der Klima-Initiative „Natürlich!Werne“ kritisierte neue Gewerbegebiet an der Nordlippestraße soll nur zum Teil umgesetzt werden. Der Stadtentwicklungsausschuss wird sich in seiner Sitzung am Dienstag, 9. März (17.30 Uhr, Kolpingsaal) mit der Aufstellung des Bebauungsplanes und der Änderung des Flächennutzungsplans für die 31 Hektar große Fläche nördlich der Nordlippestraße und östlich der B 54 beschäftigen. Das geht aus der Vorlage für die öffentliche Sitzung des Ausschusses hervor. Insgesamt sind in der Regionalplanung 59 Hektar Fläche als potentielles Gewerbegebiet ausgewiesen. Bürgermeister Lothar Christ gibt am Nachmittag Erläuterungen zum Thema. Wir berichten weiter.

Ursprüngliche Meldung:

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Wer Arbeitsplätze schaffen will, muss Opfer bringen. Der Preis, den die Stadt Werne für die Erschließung des neuen Gewerbegebietes Nordlippestraße zahlen will, ist nach Auffassung der Klima-Initiative „Natürlich!Werne“ allerdings zu hoch. Sie fürchtet um die Erholungsqualität der Werner Bürger und sieht nachteilige Folgen für den Tourismus, wenn das „idyllische Tor zum Münsterland durch einen Riegel aus Beton und Großindustrie verdrängt wird“.  Mit den Klimaschutzzielen sei das Vorhaben ohnehin nicht zu vereinbaren, äußert sich die Initiative in einer erneuten Pressemitteilung.

Am Dienstag, 9. März (17.30 Uhr Kolpingsaal), wird sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Thema beschäftigen und den Startschuss für die konkreten Planungen des Projektes geben. Derzeit ist das Areal  am nördlichen Stadtrand in der Regionalplanung als Standort für ein interkommunales Gewerbegebiet ausgewiesen, die Änderung des Flächennutzungsplans und Aufstellung eines Bebauungsplans schaffen erst die Voraussetzungen für eine spätere Bebauung und die Vermarktung der Flächen. Mit dem Beschluss am Dienstag soll das offizielle Verfahren nun eingeleitet werden.

Die Fakten:

Was ist geplant?

Nachdem die Pläne der Stadt, ein Gewerbegebiet auf der südlichen Seite der Nordlippestraße gegenüber dem Autohof keine Zustimmung fanden, ist inzwischen eine Fläche unmittelbar am  Kreisverkehr B54/Nordlippestraße  als Standort in die Regionalplanung aufgenommen worden.  

Wie groß ist das Gebiet?

Insgesamt wurden 59 Hektar Fläche ausgewiesen. Aufgeteilt wird das Gebiet in zwei Bereiche: Nördlich der Nordlippestraße  31 Hektar Fläche in Nachbarschaft zum Bauernhof Schulze  Twenhöven, südlich der Trasse 28 Hektar rund um das Anwesen des Heizungsbauunternehmens Plaß. Wie aus den Unterlagen für die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses hervorgeht, will die Stadt aber nur die Planungen für die nördlich der Nordlippestraße gelegene Fläche vorantreiben. Die Verwaltung soll den Auftrag erhalten, die Voraussetzungen für ein möglichst umweltverträgliches und nachhaltiges Gewerbegebiet zu schaffen.

Warum dieses Gebiet?

Der Wirtschaftsförderung stehen in den vorhandenen Gewerbegebieten  im Stadtgebiet keine größeren Grundstücke mehr zur Verfügung. Nach den Ansiedlungen der Firmen Thermo-Sensor und Rollex im Wahrbrink West und RCS im Nordlippepark gibt es für die Vermarktung nur noch Restflächen. Die Stadt Werne hat deshalb schon seit Jahren auf die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen in der Regionalplanung gedrängt. Das vorgeschlagene Gelände ist Bestandteil des Teilplans „Regionale Kooperationsstandorte“ zum Regionalplan Ruhr, der noch in der politischen Abstimmung ist. Mit ihm sollen umgehend große zusammenhängende Gewerbeflächen planerisch gesichert werden, die sich für die Ansiedlung von flächenintensiven Betrieben eignen. Insgesamt beinhaltet der Teilplan 24 Gewerbestandorte in der gesamten Region Ruhr, in Werne ist noch das Gelände des Gersteinwerks erfasst, das nach der Schließung für eine Nachnutzung zur Verfügung stehen soll. Ebenso wie das Steag-Kraftwerk in Bergkamen-Heil.

Was sagt die Stadt zu den Plänen?

Bürgermeister Lothar Christ kündigte auf Nachfrage von WernePlus  für Montag, 8. März, ein Pressegespräch an, in dem er die Pläne und das weitere Verfahren erläutern wird.

Was sagt die Klima-Initiative „Natürlich!Werne“?

Schon im Vorgriff auf die Beratungen im Fachausschuss äußert die Initiative heftige Kritik an der Ausweisung des Gewerbestandortes.  Sie befürchtet, dass mit den Flächen in Werne der Bedarf von Unternehmen gedeckt werden soll, die im Ruhrgebiet keinen Platz mehr haben, regionale Handwerker bei der Ansiedlung aber leer ausgehen. Und durch die Industrieansiedlung werde ein lebendiges Naherholungszentrum, das nicht nur für den Klima- und Artenschutz wichtig ist, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region, zerstört.  So habe das Projekt negativen Einfluss auf den Tourismus und damit  auch auf die Attraktivität der Innenstadt. Aktuell arbeite der neue Klimaschutzbeauftragte der Stadt an einem zukunftsweisenden Entwicklungskonzept für die Stadt. „Würde der Stadtrat noch vor Veröffentlichung der Klimaschutz-Ergebnisse die Freigabe des Gewerbegebietes beschließen, wäre das ein harter Schlag für den Klimaschutz und die Lebensqualität in Werne“, so die Initiative.

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4 Kommentare

  1. Herr zur Bonsen wurde eingestellt, um ein Klimakonzept zur Senkung der Klimagase zu realisieren. Wird aber das riesige Industriegebiet (ca. 60ha nur für Betriebe ab 5ha) im Rahmen der RVR-Planung in Kürze vom Stadtrat genehmigt und dann besiedelt, hat Werne keine Chance, Klimagase insgesamt zu senken. Allein die Bebauung vernichtet die CO2-Speicherfähigkeit des Bodens, das Baumaterial bedeutet graue Energie (Herstellungsenergie). Vom Betrieb der Anlagen ganz zu schweigen. Dabei ist es ja nicht das einzige neue Gewerbegebiet: Amazon, aktueller Neubau, wo vorher Ikea stand, das Gersteinwerksgelände wird wohl auch noch neu genutzt und dann noch die Versiegelung durch die geplante Surveanlage usw.. Der Naherholungsbereich von Werne ist bald rundum verschandelt.

    Dabei verbraucht die Menschheit gegenwärtig 1,6 Welten, der ökologische Fußabdruck von NRW wäre hochgerechnet 3,3 Welten. Wann will man in NRW mit dem Ausbau der Produktion aufhören? Beim Klimaschutz haben wir nur noch wenige Jahre Zeit, dann schlagen die Kipppunkte unerbittlich zu. Allerdings bei Bau bzw. Erneuerung von Windrädern will Laschet durch höhere Auflagen bremsen. Diese Sparte hat wegen Altmaier schon Tausende Arbeitsplätze verloren.

    Umweltschädigung wird demgegenüber immer wieder mit Arbeitsplätzen gerechtfertigt. Produzieren wir nicht schon zu viel? Müssen da nicht stattdessen alte Arbeitsplätze umgebaut werden? Brauchen wir nicht dringender Arbeitskräfte außerhalb der Produktion von Wohlstandsmüll? Zusätzliche Arbeitsplätze im Bereich Pflege, Bildung und Umschulung, Jugendarbeit, Reparatur von langlebigen Gütern, Verhinderung von Steuerhinterziehung, ökologische Wissenschaft, Planung und Pflege von Fahrradinfrastruktur, Renaturierung usw. bedeuten deutlich weniger CO2-Ausstoß und sind für unser Wohlempfinden deutlich wichtiger als immer dickere Autos und kurzfristigere Nutzungsdauer von Konsumgütern. Aber selbst die Caritas verweigert den Pflegekräften Tariflöhne und privatisierte Krankenhäuser haben jahrelang Pflegekräfte abgebaut. Sollten wir nicht schnell unsere Nachfrage nach umweltbelastenden materiellen Gütern für die kurzfristige Steigerung des Selbstwertgefühls und der Selbstdarstellung zugunsten von Zuwendung und Kultur verschieben, von Industrieproduktion zur Dienstleistung, soweit die grundlegenden materiellen Bedürfnisse erfüllt sind. Das funktioniert nur, wenn vom überschießenden privaten Reichtum zum öffentlichen Reichtum umgeschichtet und so die Schere von Arm und Reich reduziert wird. Erwarten wir, dass die nachwachsenden Generationen uns verzeihen werden, wenn wir ihre Zukunft zerstören? How dare you! (Greta)

  2. Nun ist es also soweit: Die Stadt Werne will, in Zusammenarbeit mit dem RVR, ein neues interkommunales Gewerbegebiet an der nördlichen Stadtgrenze erschließen. Rund 60 ha groß. Ein ziemlicher „Batzen“ für eine Kleinstadt wie Werne. Und dann noch nicht einmal für Werner Firmen oder Handwerker sondern mehr für die großen Player. Die Mindestgröße eines Einzelgrundstücks soll bei 5 ha ( 50.000m²) liegen. Also mehr was für Logistikfirmen und Zentrallager. Wer noch nicht weiß wie so etwas aussieht, sollte mal nach Bönen schauen.
    Das schlimme daran ist, das hier nun wertvolles Ackerland für Landwirte und ein Naherholungsgebiet für die Werner Bürger verloren geht.
    Diese Flächen gehen auch verloren für die Grundwasserneubildung. Gerade hier in diesem Bereich liegt die Grundwasserneubildung bei 250–300 l/m² und Jahr und das bei allerbester Qualität, wie die Grundwassermeßstelle gegenüber bei Schulze Froning es belegt. Da scheint man allzu gedankenlos zu sein, aber wenn die nächste Dürreperiode kommt wird es eng für die Bürger im Aussenbereich die keinen Gelsenwasseranschluß haben. Weiterhin scheint man sich in punkto Lichverschmutzung auch keine Gedanken zu machen. Auch wenn die neue Beleuchtung heute energiesparend mit LED ausgestattet ist, so werden doch die Insekten in Scharen angezogen und fliegen sich in der Nacht im Lichtkegel zu Tode. Dann können wir Landwirte noch so viele Blühstreifen anlegen und Insektenschutzprogrammeauflegen, helfen wird es dann auch nicht mehr (Traurig ist nur, dass im nach hinein wir den schwarzen Peter zugeschoben bekommen, weil ja keine Insekten mehr da sind). Ein weiterer Punkt ist das anfallende Oberflächenwasser. Hier wird so viel Fläche „zubetoniert“ das mittlere Regenschauer schon zu einer Überbelastung der Kanalisation und des Klärwerkes führen werden. Wozu dies führt, haben wir Landwirte in diesem Februar schon Landesweit aufgezeigt. Die Klärwerke ziehen die Schieber, und lassen die „Brühe“ aus der Kanalisation ungefiltert in die Flüsse fließen. Auch hier werden dann wieder die Landwirte dafür verantwortlich gemacht, wenn die Nitratwerte zu hoch sind. Weiter kann man auch noch sagen, das der Flächenverbrauch insgesamt in Werne ein schon sehr hohes Niveau besitzt. Allein in den letzten 10 Jahren sind durch die Neubau von Amazon und den Gewerbegebieten Wahrbrink 2 und Nordlippepark über 30 ha zugebaut worden. Hier muß ein Umdenken stattfinden, ansonsten bleibt nicht mehr viel „Grün“ von dem wir leben können. Apropro Beton. Durch die Bebauung wird sich das Klima immer noch mehr aufheizen. Damit wären all die Bemühungen und Ideen des neu eingestellten Klimaschutzbeauftragen Herr zur Bonsen adsurdum geführt. So viel wie es sich dann dort in den Industriegebieten aufheizt, können wir anderen Bürger gar nicht einsparen um das Klima erträglicher zu halten.
    Das sind nur einige Punkte die dagegen sprechen. Ein Gedanke für ein neues Industriegebiet liegt dagegen im Osten der Stadt. Das Gersteinwerk in Stockum wird immer mehr zur Brache. Warum versucht man nicht hier auf rund 45 ha Fläche mit Kanal-, Autobahn- und Eisenbahnanschluß etwas Neues zu errichten???
    Bei so wichtigen Entscheidungen wie dieser, sollten die gewählten Ratsvertreter zum Wohl der Stadt und deren Bürger genau abwägen was wichtig und richtig ist und sich nicht zu sehr blenden lassen.

  3. Die Weiterversiegelung weiterer Flächen im Naherholungsgebiet muss aufhören. Den Westteil von Werne hat man schon „plattgemacht “ Warum nutzt man nicht Industriebrachen wie das ungenutzte Zechengelände ? Ich
    kann Herrn Robert Schuhe Kalthoff in allen Punkten nur beipflichten !

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