Donnerstag, Dezember 8, 2022

Nach intensivem Austausch im Rat: Bürgerentscheid am 3. Advent

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Wer­ne. Ein ech­tes Stück Basis­de­mo­kra­tie steht am Sonn­tag, 12. Dezem­ber, im Advents­ka­len­der. Denn dann wer­den die wahl­be­rech­tig­ten Wer­ner Bürger/innen ab 16 Jah­re auf­ge­ru­fen, im Bür­ger­ent­scheid ihre Stim­men pro oder con­tra Gewer­be- und Indus­trie­ge­biet Nord­lip­pe­stra­ße abzugeben. 

Mit Men­schen­ket­te und Tre­cker-Para­de hat­ten die Mit­glie­der und Unter­stüt­zer der Bür­ger­initia­ti­ve gegen die Plä­ne (BIN) vor der Rats­sit­zung am Mitt­woch, 29. Sep­tem­ber, dafür gewor­ben, die Ent­wick­lung rund 30 Hekt­ar gro­ßen Flä­che zu einem Gewer­be- und Indus­trie­stand­ort nicht wei­ter zu ver­fol­gen. 31 von 41 Rats­mit­glie­dern ent­spra­chen der Bür­ger­for­de­rung mehr­heit­lich nicht und setz­ten wie berich­tet den zwei­ten Teil des Ver­fah­rens, den Bür­ger­ent­scheid, in Gang.

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An der Rats­sit­zung im Kol­ping­saal konn­te – coro­nabe­dingt – nur eine über­schau­ba­re Zahl an Bür­gern teil­neh­men. Zu Beginn wür­dig­te Bür­ger­meis­ter Lothar Christ den Aus­gang des Bür­ger­be­geh­rens. „Das ist eine bemer­kens­wer­te Reso­nanz“, sag­te er zu dem Ver­fah­ren, das er als wich­ti­ges Instru­ment der Regio­nal­ver­fas­sung bezeichnete.

Die Aus­spra­che eröff­ne­ten Gaby Preis­ker und Mar­tin Schwer­dt von der BIN als offi­zi­el­le Antrag­stel­ler des Bür­ger­be­geh­rens und die Spre­cher der Frak­tio­nen schlos­sen sich an:

Gabrie­le Peis­ker (BIN): Sie lenk­te die Auf­merk­sam­keit mit emo­tio­na­len Wor­ten auf das „Grü­ne Tor zum Müns­ter­land“, das erhal­ten blei­ben müs­se, und wand­te sich in die­sem Sin­ne gegen wei­te­ren Land­schafts­ver­brauch durch Gewer­be und Indus­trie. Als Wer­ner Bür­ge­rin lie­ge ihr die Stadt sehr am Her­zen. In der Bür­ger­initia­ti­ve hät­ten sich Men­schen aus allen Genera­tio­nen und Bevöl­ke­rungs­grup­pen mit­ge­macht, freu­te sie sich. „Was man liebt, das schützt man. Flä­chen­schutz ist Kli­ma­schutz“, sag­te sie.

Mar­tin Schwer­dt (BIN): Der Diplom-Inge­nieur lehn­te den „immensen Flä­chen­fraß“ ab und äußer­te erheb­li­che Zwei­fel an den Argu­men­ten der Befür­wor­ter, es wür­den drin­gend mehr Arbeits­plät­ze und Gewer­be­steu­ern benö­tigt. „Wir haben in Wer­ne mit rund 5 Pro­zent Arbeits­lo­sig­keit fast eine Voll­be­schäf­ti­gung, In Unna betra­ge die­se 8, in der Metro­po­le Ruhr 10 und und im Gel­sen­kir­chen 15 Pro­zent, lie­fer­te er wei­te­re Zah­len. Dem­ge­gen­über stün­den 1,2 Mil­lio­nen offe­nen Stel­len. „Wäh­len und ent­schei­den, das ist exis­ten­zi­ell“, mein­te er.

Vor der Rats­sit­zung kam es zu Demons­tra­tio­nen gegen das geplan­te Gewer­be- und Indus­trie­ge­biet an der Nord­lip­pe­stra­ße Nord. Foto: Isa­bel Schütte

Wil­helm Jas­per­n­ei­te (CDU): Er ver­wies auf lan­ge Dis­kus­sio­nen in den eige­nen Rei­hen. „Wir wol­len Wer­ne nach vor­ne ent­wi­ckeln und kei­ne Chan­cen ver­bau­en“, sag­te er. Die BIN habe ein gutes Ergeb­nis erzielt. Im Dezem­ber sei mit einem Bür­ger­ent­scheid dann alles mög­lich und man wer­de das Ergeb­nis akzep­tie­ren, hieß es sinn­ge­mäß. Die Anla­ge des Stand­orts müs­se unter öko­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten erfol­gen. „Die Aus­wahl der Fir­men wer­den wir beob­ach­ten“, ver­si­cher­te Jasperneite.

Bene­dikt Strie­pens (Bünd­nis 90/ Die Grü­nen): „Ich bin über­wäl­tigt von der Zahl der Unter­schrif­ten aus brei­ten Bevöl­ke­rungs­schich­ten.“ Es brau­che einen Para­dig­men­wech­sel für die Nach­hal­tig­keit der Stadt und kei­ne Gewer­be­ge­bie­te mehr, sprach er sich ange­sichts von immer häu­fi­ge­rem Extrem­wet­ter für Kli­ma­schutz aus. Des­we­gen müs­se in Wer­ne kei­ne Schu­le oder das Schwimm­bad etc. zuma­chen, stell­te er fest. „Wir begrü­ßen sehr, dass ein grö­ße­rer Teil der Bevöl­ke­rung so ein Signal gesetzt hat“, kün­dig­te er die acht Grü­nen-Stim­men pro Bür­ger­be­geh­ren an.

Lars Hüb­chen (SPD) erin­ner­te an die Finan­zie­rung des Gemein­we­sen und beton­te: „Ein ‚es ist gut‚ist nicht die unse­re Poli­tik.“ Es gehe auch um die Bestands­ent­wick­lung, also um Wer­ner Fir­men, die sich bei­spiels­wei­se erwei­tern wol­len. Sonst wer­de man Arbeits­plät­ze ver­lie­ren, warn­te er. „Wir wer­den nur noch die­sen Spiel­raum bekom­men“, mahn­te er mit Blick auf die Flä­chen­zu­wei­sung durch den Regio­nal­pla­nung. Über die demo­kra­ti­sche Abstim­mung sei er froh, ergänz­te Hübchen.

Clau­dia Lan­ge (FDP): „Wir kon­su­mie­ren alle. Wenn der Stand­ort nicht in Wer­ne ent­wi­ckelt wird, dann woan­ders. Das ist nicht nach­hal­ti­ger“, mein­te sie. Man habe vie­le jun­ge Men­schen in der Stadt und eine gute Schul­land­schaft. Wer­ne wer­de pro­fi­tie­ren, fand sie und sprach sich im Namen ihrer Frak­ti­on für die Ent­wick­lung des Stand­orts aus.

In gehei­mer Abstim­mung ent­schie­den die Rats­mit­glie­der über das Bür­ger­be­geh­ren. Foto: Wagner

Rein­hard Stalz (UWW): Er zeig­te sich beein­druckt von den gesam­mel­ten Stim­men der BIN. Die Unab­hän­gi­gen Wäh­ler hät­ten sich mit der Bür­ger­initia­ti­ve und den Land­wir­ten inten­siv aus­ge­tauscht. Das Gebiet müs­se so nach­hal­tig wie mög­lich aus­ge­stal­tet werden.

Mat­thi­as Stil­ler (Wirt­schafts­för­de­rung): Das Wer­ner Unter­neh­men Hel­la (Son­nen­schutz etc.) habe Erwei­te­rungs­plä­ne und wol­le neue Arbeits­plät­ze für die maschi­nel­le Fer­ti­gung schaf­fen, infor­mier­te der Wirt­schafts­för­de­rer über einen loka­len Inter­es­sen­ten für eine Ansied­lung in dem Gewerbegebiet.

Der Rat kön­ne dem nun fol­gen oder nicht, fass­te der Bür­ger­meis­ter vor der Abstim­mung in gehei­mer Wahl zusam­men: „Das ist kein Votum gegen ihre Inter­es­sen“, gab er in Rich­tung BIN zu Pro­to­koll. Die Regio­nal­pla­nung sei nicht das Pro­blem des zu hohen Flä­chen­ver­brauchs, son­dern die Lösung.

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