Um dieses Gebiet nördlich der Nordlippestraße geht es: Hier will die Stadt Werne ein neues Gewerbegebiet entwickeln. Foto: Klaus Brüggemann
Um dieses Gebiet nördlich der Nordlippestraße geht es: Hier will die Stadt Werne ein neues Gewerbegebiet entwickeln. Foto: Klaus Brüggemann
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Werne. Wenn der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung in seiner Sitzung am Dienstag, 9. März, über die Planung des Gewerbegebietes Nordlippestraße Nord entscheidet, geht es um nicht weniger als die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Werne. Darauf machte Bürgermeister Lothar Christ aufmerksam, der am Montag gemeinsam mit Planungsdezernent Ralf Bülte und Philipp Cramer von der Wirtschaftsförderung das Verfahren erläuterte.

„Man kann sich gegen ein weiteres Gewerbegebiet entscheiden. Man kann aber auch entscheiden, ein  Gewerbegebiet zu entwickeln und dabei die Belange des Klima- und Umweltschutzes zu berücksichtigen und bei der späteren Vermarktung zur Auflage zu machen. Bis hin zu einem weitgehend klimaneutralen Gebiet“, sagte Christ. Die Verwaltung schlage der Politik vor, diesen zweiten Weg zu gehen.

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„Wir reden nicht über den Stiegenkamp, wir reden auch nicht über den Grünen Winkel.“

Bürgermeister Lothar Christ zu den Planungen.

Christ betonte im Pressegespräch ausdrücklich, dass nicht die gesamte in der Regionalplanung enthaltene Fläche an der Nordlippestraße Gegenstand des weiteren Verfahrens ist. „Wir reden nicht über den Stiegenkamp, wir reden auch nicht über den Grünen Winkel“, sagte der Bürgermeister. Die 28 Hektar große südliche Fläche des Kooperationsstandortes sei nur ein grauer Fleck auf der Karte des Regionalverbandes Ruhr, aber kein Bestandteil städtischer Planungen.

Der vorgesehene Gewerbestandort auf der nördlichen Seite soll allerdings den Flächenbedarf für weitere Ansiedlungen von Unternehmen in den kommenden Jahren decken. Deshalb steht im Stadtentwicklungsausschuss der Beschlussvorschlag auf der Tagesordnung, das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung des Bebauungsplans einzuleiten. „Dabei handelt es sich ausschließlich um eine städtische Planung und wir haben auch bei der späteren Vermarktung der Flächen selber den Hut auf“, sagte Christ. Er widersprach damit der Annahme der Klimaschutz-Initiative „Natürlich!Werne“, dass die neuen Gewerbeflächen der überregionalen Bedarfsdeckung dienen. Christ: „Wir entscheiden, welche Betriebe sich dort niederlassen.“ Einzige Auflage sei, dass die Unternehmen mindestens einen Flächenbedarf von fünf Hektar haben.

Und bei der Vermarktung werde man hohe Maßstäbe an den Klima- und Umweltschutz anlegen, die in einer Rahmenplanung festgelegt werden. Dabei gehe es unter anderem um ein energetisches Konzept, um eine Eingrünung des Gewerbegebietes, um die Schaffung von durchgehenden Grünachsen oder auch um Vorgaben für die maximale Versiegelung von Flächen, listete Stadtplaner Ralf Bülte nur einige der Anforderungen auf.  In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses werden sie im Detail vorgestellt.

Die Einleitung der Planung ist möglich, weil man im Vorfeld mit den zwei Grundstückseigentümern in Gesprächen sei. „Es macht keinen Sinn, eine Planung zu machen, wenn die Eigentümer nicht bereit sind, die Flächen zur Verfügung zu stellen“, sagte Christ. Rund eineinhalb bis zwei Jahre werde das Planverfahren in Anspruch nehmen, wie üblich werde es begleitet von einer umfassenden Beteiligung von Fachbehörden, Umweltverbänden und Bürgern.

Dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze eng mit dem Verbrauch von Freiflächen verknüpft ist, zeigt laut Christ der Blick in die Statistik der vergangenen Jahre. Denn seit 2012 habe die Stadt 42 Hektar Gewerbefläche vermarktet, davon 25 Hektar an Amazon.  Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei seit 2009 von 7500 auf inzwischen knapp 11200 gewachsen. „Wir haben 3500 neue Arbeitsplätze, davon 2000 allein bei Amazon“, sagte Christ. Die Arbeitslosenquote sei von 7,4 Prozent im Jahr 2008 auf 4,7 Ende 2019 gesunken, durch Corona habe es im vergangenen Jahr eine leichte Aufwärtsbewegung auf 5,3 Prozent gegeben.  Das Gewerbesteuereinkommen sei von zwölf Millionen Euro in 2011 auf knapp 28 Millionen Euro angewachsen.

Jetzt sei aber kein Platz mehr vorhanden, um neue Unternehmen in Werne anzusiedeln oder bestehenden Betrieben Expansionsmöglichkeiten zu geben, sagte Christ. Im Wahrbrink West seien noch 13 000 Quadratmeter nicht vermarktet, im Nordlippepark 21 800 Quadratmeter. „Aber diese Grundstücke sind reserviert, sodass uns nur noch eine Fläche unter 1000 Quadratmetern bleibt“, so der Bürgermeister.  Dem gegenüber stehen laut Philipp Cramer von der Wirtschaftsförderung allein im vergangenen Jahr 41 Anfragen nach Gewerbegrundstücken. „Wir mussten viele interessante Bewerber ablehnen“, so Cramer.

Dem Bürgermeister ist bewusst, dass die Politik keine leichte Entscheidung zu treffen hat, wenn sie grünes Licht für das neue Gewerbegebiet gibt. „Wir planen keinen Freizeitpark. Es bleibt ein Gewerbegebiet, auch wenn wir hohe Anforderungen an den Klima- und Umweltschutz legen“, sagte Christ.

Die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses findet am Dienstag, 9. März, um 17.30 Uhr im Kolpingsaal statt. Wegen der Corona-Auflagen müssen sich interessierte Zuhörer vorher anmelden.

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