Sonntag, November 27, 2022

Zukunft des „Russischen Friedhofs”: AFG-Schülergruppe engagiert sich

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Wer­ne. Seit mehr als zwei Jah­ren beschäf­ti­gen sich Schülerinnen und Schü­ler des Anne-Frank-Gym­na­si­ums bereits mit der His­to­rie des „Rus­si­schen Fried­hofs” in Werne.

Archiv­for­schung, Ver­net­zung und viel Enga­ge­ment bil­den seit­her die Basis der Arbeit der Grup­pe. Die Ent­wick­lun­gen zei­gen: Die Hin­ga­be zum Pro­jekt lohnt sich, denn die lang ersehn­ten Ände­run­gen tre­ten end­lich in Kraft und die Arbeits­ge­mein­schaft kommt ihrem Ziel immer näher: Ver­ant­wor­tung über­neh­men, Erin­ne­rungs­kul­tur vor Ort leben­dig machen und den Opfern der Zwangs­ar­beit den nötigen Respekt erweisen.

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Im Okto­ber 2021 bat die dama­li­ge OPENION-AG um die Paten­schaft jenes Ortes. Am 27. Janu­ar 2022, dem Holo­caust-Gedenk­tag, fand dann die fei­er­li­che Übergabe der Paten­schaft im Alten Rat­haus in Wer­ne statt.

Ab die­sem Zeit­punkt per­fek­tio­nier­te die Arbeitsgemeinschaft ihre bau­li­chen und nament­li­chen Plä­ne für den Fried­hof, die die Umbe­nen­nung der Gedenkstätte, die Neu­ge­stal­tung des Gelän­des sowie eine prak­ti­sche Ver­kehrs­an­bin­dung des Fried­hofs an den Süd­ring umfas­sen. So soll ein Weg mit Dolo­mit­sand und Kan­ten­stei­nen als Abgren­zung zum Rasen gelegt wer­den. Find­lin­ge sol­len den Fried­hof selbst von der Umge­bung abhe­ben und einrahmen.

Wei­ter sind Stein­qua­der als Sitz­ge­le­gen­hei­ten geplant. Sie sol­len nicht nur Besu­che­rin­nen und Besuchern einen Ort des auf­rich­ti­gen Ver­wei­lens bie­ten, son­dern beson­ders auch Schul­un­ter­richt mit Besuchen des Fried­hofs ver­bin­den. Auf die­sem Wege können Infor­ma­tio­nen über die Geschich­te des Fried­hofs ver­mit­telt werden.

Der „Rus­si­sche Fried­hof” soll in Zukunft „Gedenk­stät­te Zwangs­ar­beit” hei­ßen. Foto: Wagner

Die Sitz­stei­ne bie­ten hier eine gute Mög­lich­keit, den Unter­richt inter­ak­tiv und mit Augen­kon­takt untereinander und mit Blick auf den Fried­hof zu gestal­ten. Zuletzt soll auch ein Sicht­schutz­zaun zum Klär­werk ange­bracht wer­den, um die Grab­stät­te von der unwürdigen Umge­bung zu ent­kop­peln und ihr eine neue Bedeu­tung zuzu­schrei­ben. Die­se bau­li­chen Plä­ne wer­den unter ande­rem mit dem Wunsch nach Park­plät­zen, einer neu­en und auf­fäl­li­ge­ren Beschilderung sowie Fahr­rad­stän­dern und einer Reduk­ti­on der Geschwin­dig­keit auf der anlie­gen­den Stra­ße kombiniert.

Nur so sei ein siche­res und gut zugängliches Besu­chen der Gedenk­stät­te mög­lich, ist man in der AG über­zeugt. Dass die­se Maß­nah­men bereits umge­setzt wer­den, zeigt die Bau­stel­le am Süd­ring. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler mer­ken, dass ihr Handeln Wir­kung zeigt.

Der jet­zi­ge Weg­wei­ser. Foto: Wagner

Schon früh stell­ten die Mit­glie­der der AG (heu­te unter dem Namen „WERE­mem­ber“, zu deutsch: „Wir erin­nern”) fest: Die Umge­stal­tung des Fried­ho­fes ist kein Pro­jekt von kur­zer Dau­er. Es soll die Bürgerinnen und Bür­ger für die indi­vi­du­el­len Schick­sa­le der Zwangs­ar­bei­ter und Zwangs­ar­bei­te­rin­nen, Zivilisten und Zivi­lis­tin­nen sowie Kin­der, die dort beer­digt wur­den, sen­si­bi­li­sie­ren. Wei­ter­hin ist es den Lehrpersonen und den Schü­le­rin­nen und Schü­lern selbst ein gro­ßes Anlie­gen, dem Leit­bild ihrer Schu­le nachzukommen, dem durch ihre Namens­ge­be­rin Anne Frank eine beson­de­re his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung zuteil wird.

Am 28. Sep­tem­ber 2022 verzeichnete die AG einen wei­te­ren Erfolg: Im Kol­ping­saal Wer­ne stell­te die Arbeits­ge­mein­schaft mit einer Präsentation ihre Recherche-Ergebnisse zum „Rus­si­schen Fried­hof“ im Stadt­rat vor, die auf jah­re­lan­ger Archiv­ar­beit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Geschichtsleistungskurse ihrer Schu­le fußt.

Viel Arbeit liegt noch vor der AFG-Schü­ler­grup­pe. Foto: Wagner

Neben der Vor­stel­lung ihres Projekts wur­de auch der Vor­schlag für eine Umbe­nen­nung des Fried­hofs the­ma­ti­siert. In Zukunft soll aus dem soge­nann­ten Russischen Fried­hof die „Gedenk­stät­te Zwangs­ar­beit Wer­ne” wer­den. Als Grün­de führ­ten die Jugend­li­chen aber­mals die Infor­ma­tio­nen an, die sie über die Opfer der Zwangs­ar­beit gesam­melt haben. Sie stell­ten fest, dass der ursprüng­li­che Name weder den auf dem Fried­hof ver­tre­ten Natio­na­li­tä­ten, noch der Tra­gik des geteil­ten Schicksals gerecht wer­den wür­de. Dem­nach lie­gen auf dem Fried­hof nicht nur aus Russ­land stam­men­de Zwangsarbeiter und Zwangs­ar­bei­te­rin­nen, son­dern auch Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen aus der Ukrai­ne, Bela­rus, Rumä­ni­en und Polen. Dar­un­ter auch Kinder.

Mit dem Stadt­mu­se­um Wer­ne und dem „Volks­bund deut­sche Kriegs­grä­ber­für­sor­ge” hat die AG star­ke Kooperationspartner an ihrer Sei­te, die sie unter­stüt­zen und die Arbeit mitgestalten. 

Und die Arbeit an dem Her­zens­pro­jekt hat sich gelohnt: Die Rats­mit­glie­der stimm­ten der Namensänderung aus­nahms­los zu und lob­ten den star­ken Ein­satz der Arbeits­ge­mein­schaft. Auch Bür­ger­meis­ter Lothar Christ sprach sich für die Namens­än­de­rung aus und sicher­te sei­ne Unter­stüt­zung für das Pro­jekt zu.

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