Freitag, Juli 1, 2022

Denkmal Bahnhof: Hamburg – Werne – Rom: Europaweit vernetzt

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Wer­ne. Von Wer­ne in die wei­te Welt – das ist bis 1928 kein leich­tes Unter­fan­gen. Um einen Bahn­hof zu errei­chen, muss­ten die Bür­ger nach Hamm, Lünen oder gar bis Müns­ter und Dort­mund gelan­gen. Immer­hin gab es eine klei­ne Zechen­bahn bis Bockum-Hövel. Erst mit Eröff­nung der Eisen­bahn­stre­cke Dort­mund-Müns­ter erhält Wer­ne einen Bahn­hof und damit Anschluss an die Fernverbindungen.

Mit dem Bau der Zeche war Wer­ne zwar end­lich im Zeit­al­ter der Indus­tria­li­sie­rung ange­kom­men, die Infra­struk­tur hink­te der Ent­wick­lung aber deut­lich hin­ter­her. Am schwers­ten wog, dass die Stadt kei­nen Bahn­an­schluss besaß. 1902 lie­ßen der Georgs-Mari­en-Berg­werks- und Hüt­ten­ver­ein eine zwölf Kilo­me­ter lan­ge Klein­bahn nach Erme­ling­hof (Bockum-Hövel) bau­en. Auf die­se Wei­se erhielt die Zeche Wer­ne einen Anschluss an die Bahn­stre­cke zwi­schen Hamm und Münster.

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Ab 1905 öff­ne­te die Zechen­ver­wal­tung die Klein­bahn für den öffent­li­chen Per­so­nen-Nah­ver­kehr. 80 Jah­re spä­ter, am 15. Novem­ber 1985 nah­men 150 Gäs­te Abschied vom „Pen­gel-Anton“, der noch ein­mal mit einer Geschwin­dig­keit von 30 Stun­den­ki­lo­me­tern in Rich­tung Bockum-Hövel zuckel­te.

Im Jah­re 1928 konn­te end­lich die Bahn­stre­cke von Dort­mund nach Müns­ter eröff­net wer­den. Am 17. Okto­ber 1928  tra­ten die Fest­gäs­te in einem bekränz­ten Zug die Jung­fern­fahrt an, die vom Haupt­bahn­hof Müns­ter über Amels­bü­ren, Davens­berg, Asche­berg und Capel­le führte.

Eine älte­re, unda­tier­te Auf­nah­me des Wer­ner Bahn­hofs. Foto: Archiv Stadt Werne

Am Wer­ner Bahn­hof wur­den die Rei­sen­den von einer Men­schen­men­ge und einem Fah­nen­meer begrüßt. Anschlie­ßend fei­er­ten die Bür­ger das his­to­ri­sche Ereig­nis mit einem Fest­um­zug durch die eben­falls mit Fah­nen, Gir­lan­den und Tri­umph­bö­gen geschmück­te Stadt. Auf dem Markt­platz hat­ten die Bür­ger einen Auf­bau errich­tet, der die Bedeu­tung der Bahn für Wer­ne bekun­den soll­te – mit der Auf­schrift „Ham­burg-Müns­ter-Wer­ne-Dort­mund-Köln-Mai­land-Rom“. Zur Fei­er des Tages hat­te die Stadt­ver­wal­tung für alle Ver­an­stal­tun­gen eine Steu­er­frei­heit erlas­sen. Der Vor­stand des Turn­ver­eins Wer­ne 03 fass­te die Gele­gen­heit beim Schopf und ver­an­stal­te­te kurz­fris­tig einen sehr gut besuch­ten Ball, der einen präch­ti­gen Rein­erlös abwarf. Der floss in den Bau der Jahnturnhalle.

Bür­ger­meis­ter Ohm sah im Anschluss Wer­nes an den über­re­gio­na­len Ver­kehr nicht nur wirt­schaft­li­che Vor­tei­le. „Bis­her abge­schlos­sen vom Haupt­trä­ger des Ver­kehrs und infol­ge­des­sen wirt­schaft­lich seit Jahr­zehn­ten zurück­ge­drängt, wird nun­mehr Wer­ne ein­ge­glie­dert in den leben­di­gen Rhyth­mus des größ­ten deut­schen Wirt­schafts­un­ter­neh­mens“, sag­te er in sei­ner Festansprache.

Die Archi­tek­tur des Haupt­ge­bäu­des ver­eint his­to­ris­ti­sche Stil­rich­tun­gen mit moder­nen. Der Ein­gang wird durch senk­rech­te Sand­stein­ele­men­te und einen Drei­ecks­gie­bel in einer Art her­vor­ge­ho­ben. Das erin­nert an klas­si­zis­ti­sche Fas­sa­den, die wie­der­um anti­ke Tem­pel zum Vor­bild nah­men. Expres­sio­nis­ti­sche Ele­men­te sind an den sti­li­sier­ten Blü­ten in den Fens­ter­git­tern zu erken­nen. Der gestaf­fel­te Back­stein­bau ist ins­ge­samt asym­me­trisch geglie­dert und trägt ein mäch­ti­ges Krüppelwalmdach. 

Zum Bahn­hofs­vor­platz führt eine mit gro­ßen Bäu­men bestan­de­ne Allee mit­tig auf den Ein­gang zu. Das gesam­te Objekt mit sei­nen Gebäu­den, dem Vor­platz und der Allee ist ein bedeu­ten­des Bei­spiel für die Ent­wick­lung der Ver­kehrs- und Wirt­schafts­ge­schich­te in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahrhunderts.

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