Dienstag, November 29, 2022

An(ge)dacht: Verhalten in der Krise – „Seid wachsam und nüchtern!“

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Wer­ne. Ein rei­cher Mann blickt am Ende der Ern­te­zeit auf sei­ne vol­len Getrei­de­spei­cher. Er sieht, dass kein Platz mehr zum Depo­nie­ren der neu­en Ern­te­men­ge da ist. Der erfolg­rei­che Getrei­de­bau­er schmie­det des­halb Plä­ne für wei­te­re Getrei­de­spei­cher. Der Korn­bau­er glaubt sich nun für lan­ge Zeit sehr gut ver­sorgt. Doch weni­ge Stun­den spä­ter ist er tot. 

Die­se Geschich­te erzählt Jesus in einem sei­ner Gleich­nis­se. Was hat der Mensch, von dem Jesus spricht, nun falsch gemacht? Aus irdi­scher Sicht wohl gar nichts. Sein Bau­ent­schluss ist ange­sichts der rie­si­gen Ern­te wohl logisch. Sein Feh­ler besteht, so erklärt Jesus, in sei­ner Selbstsicherheit.

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Nun wird der eine oder ande­re Leser ein­wen­den, er sei kein rei­cher Korn­bau­er, son­dern habe ganz ande­re Sor­gen. Wir leben in einer schwie­ri­gen Zeit. Die war­men Mona­te sind vor­bei, die win­ter­li­che Käl­te steht bevor. Man­che Men­schen wis­sen nicht, wie sie ange­sichts der hor­ren­den Gas­prei­se ihre Woh­nung behei­zen kön­nen. Lee­re Super­markt­re­ga­le bei bestimm­ten Pro­duk­ten signa­li­sie­ren eine Aus­nah­me­si­tua­ti­on. Und wer mit sei­nem Auto täg­lich zur Arbeit fah­ren muss, stöhnt unter astro­no­misch hohen Ben­zin- und Die­sel­prei­sen. Außer­dem droht noch Coro­na und man­che erwar­ten für 2023 eine gro­ße Wirt­schafts­kri­se. Was sind dem gegen­über schon die Sor­gen eines rei­chen Bauern?

Über­tra­gen auf unse­re Zeit ist der rei­che Korn­bau­er ein gut bezahl­ter Mana­ger, dem es dar­um geht, sein Ver­mö­gen zu sichern. Ihm ist es egal, wie teu­er das Hei­zen oder die Auto­fahrt ist. Er wähnt sich auf der guten Sei­te des Lebens. An Gott denkt er nicht im gerings­ten. Wozu auch? Er hat doch alles, was ihm mit­tel- oder sogar lang­fris­tig ein gutes Leben sichert.

Doch was sol­len Men­schen machen, die eben nicht im Geld schwim­men? Natür­lich ent­hält die Bibel kein Rezept für Geld­ver­meh­rung oder ver­steckt einen Geheim­weg zu irgend­wel­chen Schät­zen. Jesus gibt im sel­ben Kapi­tel des Lukas-Evan­ge­li­ums einen wich­ti­gen psy­cho­lo­gi­schen Rat, der heu­te genau so aktu­ell ist, wie vor 2.000 Jah­ren. Er warnt davor, sich Sor­gen zu machen. Das heißt selbst­ver­ständ­lich nicht, den Kopf in den Sand zu ste­cken und so zu tun, als gäbe es Ener­gie­kri­se, Seu­che und Krieg nicht.

Wer sich nur mit düs­te­ren Sor­gen umgibt, gerät auf eine Ein­bahn­stra­ße, an deren Ende die Panik lau­ert. Jeder weiß, dass die Panik die aller­schlech­tes­te Reak­ti­on auf Pro­ble­me ist. Neben die­ser Ein­bahn­stra­ße ste­hen Wöl­fe von rechts und links, die die Ängs­te anhei­zen und die Men­schen auf der Ein­bahn­stra­ße noch schnel­ler in die Panik trei­ben. Des­we­gen warnt Jesus davor, sich Sor­gen zu machen. Was aber bie­tet er als Alter­na­ti­ve an?

Genau hier beginnt die christ­li­che Ant­wort auf die Sor­gen­fra­ge. Wie schon fest­ge­stellt, sehen auch Chris­ten die Pro­ble­me. Sie sehen jedoch gleich­zei­tig die Rea­li­tät Got­tes und ver­trau­en ihm, wenn sie ihn um Hil­fe bit­ten. Die­ser Gott ist grö­ßer, als jede Sor­ge es je sein kann. Wer nicht nur Sor­gen sieht, behält eine nüch­ter­ne Ein­schät­zung der Gegen­wart. Bis­her ist nicht klar, wie der kom­men­de Win­ter wet­ter­mä­ßig wird.

Eben­so unklar ist, in wel­chem Umfang der Staat hilft und wie die­se Hil­fe bei den Bür­gern ankommt. Die­se Sor­gen sind rein vor­sorg­li­che Gedan­ken und ori­en­tie­ren sich am schlimmst­mög­li­chen Sze­na­rio. Das gilt eben­so für den Ukrai­ne­krieg. Wer jetzt schon Atom­pil­ze über west­li­chen Groß­städ­ten sieht, ver­liert den Blick für die gegen­wär­ti­gen Pro­ble­me. Wie kön­nen wir wei­te­ren Platz für ukrai­ni­sche Flücht­lin­ge berei­ten, ist eines die­ser Pro­ble­me. Die War­nung und Mah­nung Jesu ist deut­lich: „Seid wach­sam und nüchtern!“

Mit freund­li­chen Grüßen

Her­mann-Peter Stein­mül­ler, Christ­li­che Gemein­de Werne

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