Samstag, Dezember 3, 2022

An(ge)dacht: „Pfingsten – Fliegen wie ein Adler“

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Wer­ne. Ein Bau­er fand ein Adler-Ei und leg­te es in das Nest einer gewöhn­li­chen Haus­hen­ne. Der klei­ne Adler wuchs zusam­men mit den Hüh­ner­kü­ken auf. Sein gan­zes Leben lang ver­such­te er, sich wie ein Huhn zu beneh­men. Er kratz­te und scharr­te in der Erde nach Wür­mern und Insek­ten. Er glaub­te, er gehö­re auf den Boden, nicht in dem Himmel.

Das sah ein Falk­ner und sag­te: „Die­ser Vogel da ist kein Huhn, er ist ein Adler!“ „Stimmt“, ant­wor­te­te der Bau­er, „aber er hat sich den Hüh­nern völ­lig ange­passt. Jetzt ist er ein Huhn.“ Der ande­re wider­sprach: „Er ist noch immer ein Adler. Er hat das Herz eines Adlers, das ihn hoch hin­auf­flie­gen las­sen wird.“ – „Nein, er ist jetzt ein rich­ti­ges Huhn. Er wird nie­mals fliegen.“

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Da nahm der Falk­ner den Adler, hob ihn in die Höhe und sag­te beschwö­rend: „Der du ein Adler bist, der du dem Him­mel gehörst: Brei­te dei­ne Schwin­gen aus und fliege!“

Der Adler saß auf der hoch­ge­reck­ten Faust und blick­te sich um. Er sah die picken­den Hüh­ner, und …sprang zu ihnen hin­un­ter. „Siehst du“, sag­te der Bau­er: „Er ist ein Huhn!“ – „Nein, er ist ein Adler. Mor­gen ver­su­che ich es noch einmal!“

Nächs­ten Mor­gen stieg der Falk­ner mit dem Adler auf das Dach des Hau­ses, hob ihn empor und sag­te: „Der du ein Adler bist, brei­te dei­ne Schwin­gen aus und fliege!“

Aber der Adler sah die schar­ren­den Hüh­ner unten und sprang er wie­der zu ihnen hin­un­ter. „Ich habe es dir gesagt, er ist ein Huhn!“ – „Nein, er ist ein Adler. Er hat das Herz eines Adlers – das bleibt ihm.“

Früh am nächs­ten Tag nahm er ein letz­tes Mal den Adler und brach­te ihn an den Fuß eines hohen Ber­ges, weit weg von den Häu­sern. Die Son­ne stieg gera­de auf. Ein wun­der­vol­ler Mor­gen. Er hob den Adler hoch und sag­te zu ihm: „Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Him­mel und nicht die­ser Erde. Brei­te dei­ne Schwin­gen aus und flie­ge!“ Der Adler blick­te umher, zit­ternd als erfül­le ihn neu­es Leben, und als der Falk­ner ihn direkt in die Son­ne schau­en ließ, da brei­te­te er plötz­lich sei­ne gewal­ti­gen Flü­gel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher. Er kehr­te nie wie­der zurück in den Stall.

Der Adler hat sein Herz ent­deckt und gelernt, auf sich selbst zu hören. Er hat den Mut zu sich selbst gefunden.

An Pfings­ten fei­ern wir das Fest des Geis­tes. Der Him­mel, der Geist Got­tes ist in euch – ent­deckt ihn, lebt ihn. Brei­tet die Schwin­gen aus und fliegt! Ihr müsst nicht län­ger ängst­lich tun, als wärt ihr Hüh­ner, nicht tun, was ande­re sagen. Ihr könnt selbst ent­schei­den. Got­tes Geist ist die Kraft, die uns flie­gen lässt.

Pfings­ten ist das Geschenk, wie­der Adler sein zu kön­nen und zu fliegen.

Ein geseg­ne­tes Pfingst­fest wün­sche ich allen Leser/innen

Andre­as Bader, Pfar­rer der ev. Kir­chen­ge­mein­de Wer­ne

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