Die Gewerkschaft ver.di ruft erneut zum Streik bei Amazon auf. Archivfoto: Hillebrand
Die Gewerkschaft ver.di ruft erneut zum Streik bei Amazon auf. Archivfoto: Hillebrand
Anzeige

Werne. Aus Anlass des diesjährigen „Prime Day“, den der Onlinehändler Amazon am 21. und 22. Juni durchführt, ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft die Beschäftigten auch am Standort Werne zu mehrtägigen Arbeitsniederlegungen auf. Darüber informiert verd.di in einer Pressemitteilung.

 „Mit riesigem Werbeaufwand setzt Amazon an seinen Aktionstagen mehrere Milliarden US-Dollar um. Ausbaden müssen den so verursachten Ansturm die Beschäftigten in den Versandzentren, deren Arbeitsbelastung noch einmal verschärft wird“, erklärt Orhan Akman, der bei ver.di für den Einzel- und Versandhandel verantwortlich ist. „Die Gewinne fließen allein in die Taschen des Konzerns und seiner Shareholder, den Beschäftigten werden weiterhin eine tarifvertragliche Entlohnung sowie gute und gesunde Arbeitsbedingungen verwehrt.“

Anzeige

Die zuletzt angekündigte Erhöhung der Einstiegsgehälter auf 12,- Euro/Stunde sei zynisch und fern von Anerkennung und Respekt gegenüber den Beschäftigten durch den Konzern, so Akman. „Amazon benimmt sich wie ein Gutsherr, der bei guter Laune mal ein paar Wohltaten für seine Tagelöhner übrig hat, die ansonsten aber seiner Willkür ausgeliefert sind“, so der Gewerkschafter. „Nur unser Tarifvertrag bietet den Kolleginnen und Kollegen Rechtssicherheit, dass ihre Einkommen sicher und zuverlässig sind.“

Deshalb werde man nicht nachlassen, den Konzern zur Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels sowie zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag Gute und gesunde Arbeit aufzufordern. „Die jüngsten Lohnerhöhungen sind von den Beschäftigten durch ihre Streiks erkämpft worden. Sie sind aber noch weit von unseren Zielen entfernt. Deshalb legen wir nochmal nach und rufen erneut zu Streiks auf.“

Die Beschäftigten in Werne, Leipzig, Rheinberg, Bad Hersfeld (2 Standorte), Koblenz und Graben werden dazu aufgerufen, die Arbeit in der Nacht zum Montag, 21. Juni, niederlegen und den Streik bis einschließlich Mittwoch, 23. Juni, fortsetzen.

Im Einzel- und Versandhandel laufen aktuell Tarifverhandlungen. ver.di fordert unter anderem Lohnsteigerungen von 4,5 Prozent plus 45,- Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem sollen die untersten Lohngruppen auf einen Stundenlohn von mindestens 12,50 Euro angehoben werden. Zudem hat ver.di die Arbeitgeberverbände aufgefordert, beim Arbeitsministerium gemeinsam die Allgemeinverbindlichkeit der ausgehandelten Tarifverträge zu beantragen, teilt die Gewerkschaft weiter mit.

Die Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) bewirke, dass ein Tarifvertrag nicht nur für tarifgebundene Mitglieder des abschließenden Arbeitgeberverbandes und der Gewerkschaft gilt, sondern für alle Unternehmen der Branche. Damit seien auch Unternehmen, die sich bisher der Tarifbindung entzogen haben – wie z.B. Amazon –, zur Anwendung der tarifvertraglichen Bestimmungen verpflichtet. Allerdings sei für eine solche AVE bisher eine gemeinsame Beantragung durch beide Tarifparteien notwendig. Die Arbeitgeberverbände blockieren diesen Schritt bisher. ver.di richtet deshalb an die Politik die Forderung, den Weg zur AVE über eine Gesetzesänderung zu erleichtern, heißt es abschließend.

Anzeige