Monika EIchmanns Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne, weist auf den Equal Pay Day hin. Foto: Photographie Susanne Kästner
Monika EIchmanns Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne. Foto: Photographie Susanne Kästner
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Werne. Rund 400 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland schalteten sich bei der 26. Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands (29. bis 31. August) virtuell in Foren, Vorträgen und Workshops zu, um sich über Digitalisierung unter den Aspekten der Geschlechtergerechtigkeit auszutauschen. Mit dabei waren auch die Werner Gleichstellungsbeauftragte Monika Eichmanns und ihre Kolleginnen aus dem Kreis Unna.

Themen der Konferenz waren die Arbeitssituation der Pflegebranche, Gewalt gegen Frauen, die Notwendigkeit kostenloser Verhütungsmittel, die Abschaffung des Paragraph 218 und Paragraph 219a Strafgesetzbuch (StGB). „Unser Ziel ist es, alle Menschen beim digitalen Wandel mitzunehmen. Wie wir die Digitalisierung so gestalten, dass Frauen und Männer gleiche Verwirklichungschancen haben, steht im Mittelpunkt des dritten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung. Der Bericht gibt uns wertvolle Impulse für unsere weitere Politik“, so Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht.

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„Gleichstellung muss die Wechselwirkung zwischen Geschlechterverhältnis und Digitalisierung berücksichtigen. Damit kann ein Abbau struktureller Ungleichheiten, Geschlechtsstereotypen und Diskriminierung geleistet werden“, sagt Monika Eichmanns.

Der Handlungsbedarf ist groß, wie die aktuellen Zahlen zeigen: So liegt der Frauenanteil in der Digital- und Informatikbranche bei lediglich 16 Prozent. Im Topmanagement sind Frauen in der Digitalbranche demnach eine Seltenheit. Der Gender Leadership Gap (Indikator, der den Chancennachteil misst) liegt hier bei 5:1. In Homeoffice und Pflege hatten sowohl Frauen als auch Männer im Homeoffice ihre unbezahlte Sorgearbeit ausgeweitet, allerdings Frauen stärker als Männer.

Bei der Teilzeitarbeit liegt der Der Anteil von Frauen in IT-Berufen bei 19 Prozent, bei den Männern bei 5 Prozent. (Durchschnitt in anderen Berufen: Frauen 31 Prozent, Männer 8 Prozent). Nur ein Drittel aller Studienanfänger/innen in MINT-Fächern sind Frauen. Seit 20 Jahren hat sich der Frauenanteil in der Informatik nur um 5 Prozent auf 22 Prozent gesteigert. 70 Prozent aller Frauen haben im Internet bereits Bedrohung und Beleidigungen erlebt. Digitale Gewalt hat fatale Folgen. 19 Prozent aller Betroffenen ziehen sich nach dem Erlebten aus dem Diskurs zurück.

„Nur eine konsequente Gleichstellungspolitik auf allen staatlichen Ebenen kann hier Abhilfe schaffen“, lautet deshalb die Forderung der Frauen und Gleichstellungsbeauftragten. Die Bundesregierung wird folglich aufgefordert, die strukturelle Benachteiligung von Frauen abzubauen: „Neue Gesetze zum Homeoffice und zum mobilen Arbeiten müssen die Diskriminierungseffekte auf Frauen systematisch ausschließen, Frauen in MINT-Berufen gefördert, Zugänge zum Gründerinnenkapital erleichtert und Standards für die größtmögliche Selbstbestimmung über den wechselnden Arbeitsort festgelegt werden.“

Pflegekampagne – #wenn, dann jetzt – Mit der Kampagne www.pflegerebellion.de solidarisieren sich die kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten mit den Pflegekräften und fordern eine deutliche Aufwertung der Pflegeberufe. Die Digitalisierung müsse für eine veränderte Bewertung und Ausgestaltung von Pflegeberufen genutzt werden. Dazu zähle zum Beispiel die Umsetzung eines angemessenen gesetzlichen Mindestlohns, eine Tarifbindung in der Pflegebranche sowie verbesserte Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, lautet der Anspruch.

Mehr Schutz vor geschlechtsbezogenem Hass im Netz – Im digitalen Raum bestehe ein hohes Gefährdungspotential durch geschlechtsbezogene Gewalt und sexualisierte Belästigung. Die Frauenbeauftragten fordern daher eine systematische Berücksichtigung des Themas der digitalen Gewalt in Digitalisierungsprozessen. Sie setzen sich für mehr Schutz vor geschlechtsbezogener Gewalt im Netz durch die Förderung und den Ausbau zivilgesellschaftlicher Initiativen und Projekte ein. Auch der Aufbau von Kompetenzen und nachhaltigen Strukturen bei Polizei-, Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden sowie der Justiz gehörten dazu.

Flensburger Erklärung – „Gleichstellungspolitik hat in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Bereichen Fortschritte erzielt. Dazu beigetragen hat die engagierte Arbeit der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und ihrer Netzwerkpartner*innen. Der digitale Wandel kann nur gelingen, wenn er gleichstellungsorientiert gestaltet wird. Die Arbeits- und Unternehmenskultur in der Digitalwirtschaft muss sich verändern: hin zu mehr Vielfalt. Unsere digitalen Weichen sind auf Zukunft und Wandel gestellt.“

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