Mittwoch, Juli 6, 2022

Bürgerentscheid: Nachricht in sozialen Medien sorgt für Empörung

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Wer­ne. Zwei Tage vor dem Bür­ger­ent­scheid zum Gewer­be- und Indus­trie­ge­biet an der Nord­lip­pe­stra­ße sorgt eine Nach­richt in den soge­nann­ten sozia­len Medi­en für Ärger und Unver­ständ­nis bei Befür­wor­tern und Geg­nern der Planung. 

Über „Whats­App“ wird die Behaup­tung ver­brei­tet, im neu­en Indus­trie­ge­biet soll ein Unter­neh­men für Bat­te­rie­ent­sor­gung ange­sie­delt wer­den. „Das heißt Gift­müll direkt vor unse­rer Haus­tür“, so der Wort­laut in der Mit­tei­lung, die ins­be­son­de­re in Schü­ler­krei­sen an den wei­ter­füh­ren­den Schu­len die Run­de macht. Einen Beleg gibt es nicht, dafür aber den Hin­weis, eine offi­zi­el­le Mail mit der Infor­ma­ti­on über die Ansied­lung sei an die Wer­ner Betrie­be ver­schickt worden. 

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Adel­heid Hau­s­chopp-Francke, Geschäfts­füh­re­rin des Recy­cling­un­ter­neh­mens RCS in Wer­ne, und der Vor­sit­zen­de der Akti­ons­ge­mein­schaft „Wir für Wer­ne“, Micha­el Zur­horst, sei­en unmit­tel­bar betei­ligt und wür­den „als Rats­mit­glie­der“ per­sön­li­che Inter­es­sen ver­tre­ten. Wer gegen die­se Pla­nung sei, müs­se am Sonn­tag beim Bür­ger­ent­scheid mit Ja stim­men, um das Indus­trie­ge­biet zu ver­hin­dern, lau­tet der Aufruf.

Um es vor­weg zu neh­men: Die Bür­ger­initia­ti­ve „BIN“ distan­ziert sich „vehe­ment“ von die­ser Nach­richt, wie Spre­cher Axel Kers­t­ing WERN­Eplus in einer schrift­li­chen Stel­lung­nah­me ver­si­cher­te. Dar­über habe die BIN auch Adel­heid Hau­s­chopp-Francke in einem Tele­fo­nat informiert.

„Ich bedaue­re es sehr, dass es zu die­ser Zuspit­zung gekom­men ist.”

Stel­lung­nah­me von Bür­ger­meis­ter Lothar Christ

Bür­ger­meis­ter Lothar Christ nahm auf Anfra­ge zu den Fak­ten Stel­lung: Es gebe kei­ne Gesprä­che mit einem Unter­neh­men, das am Stand­ort Wer­ne Bat­te­rien recy­clen will. „Die­se Behaup­tung ist völ­lig falsch“, sag­te der Ver­wal­tungs­chef. Zwei Tage vor der demo­kra­ti­schen Ent­schei­dung beim Bür­ger­ent­scheid auf die­se Wei­se Stim­mung zu machen, nann­te Christ unsäg­lich: „Ich bedaue­re es sehr, dass es zu die­ser Zuspit­zung gekom­men ist.“

Eine wei­te­re Tat­sa­che: Weder Micha­el Zur­horst noch Adel­heid Hau­s­chopp-Francke sind Mit­glie­der des Stadt­ra­tes. Hau­s­chopp-Francke enga­giert sich aller­dings als sach­ver­stän­di­ge Bür­ge­rin für die SPD im Stadtentwicklungsausschuss.

Als Infor­ma­ti­ons­quel­le dient den Ver­fas­sern der Whats­App-Mes­sa­ge offen­bar eine E‑Mail des „Wir für Werne“-Vorsitzenden Micha­el Zur­horst an die Mit­glie­der der Gemein­schaft. Dar­in appel­liert Zur­horst, am Sonn­tag beim Bür­ger­ent­scheid für die Pla­nung des Indus­trie­ge­bie­tes zu stim­men. In dem Schrei­ben nennt er ein Bat­te­rie-Recy­cling­un­ter­neh­men als ein mög­li­ches Bei­spiel für eine kli­ma­neu­tra­le Ent­wick­lung. Wört­lich heißt es: „Wer eine kli­ma­neu­tra­le Ent­wick­lung möch­te, muss auch Betrie­be zulas­sen, die z.B. Bat­te­rie-Recy­cling machen. Ohne dies kann Elek­tro­mo­bi­li­tät nicht gelin­gen. Auch sol­che Fir­men benö­ti­gen Flä­chen, und zwar in Grö­ßen­ord­nun­gen wie sie in die­sem Gewer­be­park geplant werden.“

„Wir sind der Mei­nung, dass wir die Pla­nung des Indus­trie­ge­bie­tes durch­füh­ren sol­len, um eine Ent­schei­dungs­grund­la­ge zu bekom­men, ob es über­haupt rea­li­sier­bar ist“, mach­te Zur­horst auf Anfra­ge noch ein­mal die Hal­tung des Vor­stan­des deut­lich. Wohl wis­send, dass es unter den Mit­glie­dern vie­le Geg­ner des Vor­ha­bens gibt. Damit sage man ja nicht, dass das Gewer­be­ge­biet auf jeden Fall kom­men müs­se. Dass kurz vor der Ent­schei­dung am Sonn­tag öffent­lich eine fal­sche Behaup­tung auf­ge­stellt wer­de und er und Adel­heid Hau­s­chopp-Francke dif­fa­miert wür­den, weil sie die­se Mei­nung ver­tre­ten, sei unerträglich.

„Wir haben und wir hat­ten zu kei­nem Zeit­punkt per­sön­li­ches Inter­es­se an die­sem Standort.”

RCS-Geschäfts­füh­re­rin Adel­heid Hauschopp-Francke

Betrof­fen von den per­sön­li­chen Angrif­fen ist auch Adel­heid Hau­s­chopp-Francke, die auf Anfra­ge von WERN­Eplus aus­drück­lich dar­auf hin­wies, dass ihr Unter­neh­men kei­ner­lei Ambi­tio­nen habe, sich im neu­en Gewer­be­ge­biet mit einem Betriebs­zweig nie­der­zu­las­sen. „Wir haben und wir hat­ten zu kei­nem Zeit­punkt per­sön­li­ches Inter­es­se an die­sem Stand­ort“, sag­te die RCS-Geschäfs­füh­re­rin. Gleich­wohl sei sie aber der Mei­nung, dass das Gewer­be­ge­biet wich­tig für die wei­te­re Ent­wick­lung in Wer­ne sei. „Ich kann nicht ver­ste­hen, dass eine Aus­sa­ge in einer E‑Mail von „Wir für Wer­ne“ bewusst und offen­bar vor­sätz­lich falsch inter­pre­tiert wird, um mich und unser Unter­neh­men öffent­lich in Miss­kre­dit zu brin­gen. Das ist Stim­mungs­ma­che, um die Bür­ger zu ver­un­si­chern“, sag­te Hau­s­chopp-Francke. Sie sei Befür­wor­te­rin der Pla­nung, habe aber stets die Mei­nung der Geg­ner akzep­tiert und nie jemand dif­fa­miert. Sehr erleich­tert sei sie dar­über, dass sich die Bür­ger­initia­ti­ve von der Nach­richt distan­ziert. „Es ist nie­mand damit gehol­fen, wenn die Dis­kus­si­on über den Stand­ort unse­re Stadt spal­tet“, so Hau­s­chopp-Francke, „ganz gleich wie die Ent­schei­dung am Sonn­tag auch ausgeht.“

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