Montag, Januar 24, 2022

Bürgerentscheid: Nachricht in sozialen Medien sorgt für Empörung

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Werne. Zwei Tage vor dem Bürg­er­entscheid zum Gewerbe- und Indus­triege­bi­et an der Nordlippes­traße sorgt eine Nachricht in den soge­nan­nten sozialen Medi­en für Ärg­er und Unver­ständ­nis bei Befür­wortern und Geg­n­ern der Planung. 

Über „What­sApp“ wird die Behaup­tung ver­bre­it­et, im neuen Indus­triege­bi­et soll ein Unternehmen für Bat­terieentsorgung ange­siedelt wer­den. „Das heißt Gift­müll direkt vor unser­er Haustür“, so der Wort­laut in der Mit­teilung, die ins­beson­dere in Schülerkreisen an den weit­er­führen­den Schulen die Runde macht. Einen Beleg gibt es nicht, dafür aber den Hin­weis, eine offizielle Mail mit der Infor­ma­tion über die Ansied­lung sei an die Wern­er Betriebe ver­schickt worden. 

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Adel­heid Hauschopp-Francke, Geschäfts­führerin des Recy­clin­gun­ternehmens RCS in Werne, und der Vor­sitzende der Aktion­s­ge­mein­schaft „Wir für Werne“, Michael Zurhorst, seien unmit­tel­bar beteiligt und wür­den „als Ratsmit­glieder“ per­sön­liche Inter­essen vertreten. Wer gegen diese Pla­nung sei, müsse am Son­ntag beim Bürg­er­entscheid mit Ja stim­men, um das Indus­triege­bi­et zu ver­hin­dern, lautet der Aufruf.

Um es vor­weg zu nehmen: Die Bürg­erini­tia­tive „BIN“ dis­tanziert sich „vehe­ment“ von dieser Nachricht, wie Sprech­er Axel Ker­st­ing WERNE­plus in ein­er schriftlichen Stel­lung­nahme ver­sicherte. Darüber habe die BIN auch Adel­heid Hauschopp-Francke in einem Tele­fonat informiert.

„Ich bedauere es sehr, dass es zu dieser Zus­pitzung gekom­men ist.”

Stel­lung­nahme von Bürg­er­meis­ter Lothar Christ

Bürg­er­meis­ter Lothar Christ nahm auf Anfrage zu den Fak­ten Stel­lung: Es gebe keine Gespräche mit einem Unternehmen, das am Stan­dort Werne Bat­te­rien recy­clen will. „Diese Behaup­tung ist völ­lig falsch“, sagte der Ver­wal­tungschef. Zwei Tage vor der demokratis­chen Entschei­dung beim Bürg­er­entscheid auf diese Weise Stim­mung zu machen, nan­nte Christ unsäglich: „Ich bedauere es sehr, dass es zu dieser Zus­pitzung gekom­men ist.“

Eine weit­ere Tat­sache: Wed­er Michael Zurhorst noch Adel­heid Hauschopp-Francke sind Mit­glieder des Stad­trates. Hauschopp-Francke engagiert sich allerd­ings als sachver­ständi­ge Bürg­erin für die SPD im Stadtentwicklungsausschuss.

Als Infor­ma­tion­squelle dient den Ver­fassern der What­sApp-Mes­sage offen­bar eine E‑Mail des „Wir für Werne“-Vorsitzenden Michael Zurhorst an die Mit­glieder der Gemein­schaft. Darin appel­liert Zurhorst, am Son­ntag beim Bürg­er­entscheid für die Pla­nung des Indus­triege­bi­etes zu stim­men. In dem Schreiben nen­nt er ein Bat­terie-Recy­clin­gun­ternehmen als ein möglich­es Beispiel für eine kli­ma­neu­trale Entwick­lung. Wörtlich heißt es: „Wer eine kli­ma­neu­trale Entwick­lung möchte, muss auch Betriebe zulassen, die z.B. Bat­terie-Recy­cling machen. Ohne dies kann Elek­tro­mo­bil­ität nicht gelin­gen. Auch solche Fir­men benöti­gen Flächen, und zwar in Größenord­nun­gen wie sie in diesem Gewer­bepark geplant werden.“

„Wir sind der Mei­n­ung, dass wir die Pla­nung des Indus­triege­bi­etes durch­führen sollen, um eine Entschei­dungs­grund­lage zu bekom­men, ob es über­haupt real­isier­bar ist“, machte Zurhorst auf Anfrage noch ein­mal die Hal­tung des Vor­standes deut­lich. Wohl wis­send, dass es unter den Mit­gliedern viele Geg­n­er des Vorhabens gibt. Damit sage man ja nicht, dass das Gewer­bege­bi­et auf jeden Fall kom­men müsse. Dass kurz vor der Entschei­dung am Son­ntag öffentlich eine falsche Behaup­tung aufgestellt werde und er und Adel­heid Hauschopp-Francke dif­famiert wür­den, weil sie diese Mei­n­ung vertreten, sei unerträglich.

„Wir haben und wir hat­ten zu keinem Zeit­punkt per­sön­lich­es Inter­esse an diesem Standort.”

RCS-Geschäfts­führerin Adel­heid Hauschopp-Francke

Betrof­fen von den per­sön­lichen Angrif­f­en ist auch Adel­heid Hauschopp-Francke, die auf Anfrage von WERNE­plus aus­drück­lich darauf hin­wies, dass ihr Unternehmen kein­er­lei Ambi­tio­nen habe, sich im neuen Gewer­bege­bi­et mit einem Betrieb­szweig niederzu­lassen. „Wir haben und wir hat­ten zu keinem Zeit­punkt per­sön­lich­es Inter­esse an diesem Stan­dort“, sagte die RCS-Geschäfs­führerin. Gle­ich­wohl sei sie aber der Mei­n­ung, dass das Gewer­bege­bi­et wichtig für die weit­ere Entwick­lung in Werne sei. „Ich kann nicht ver­ste­hen, dass eine Aus­sage in ein­er E‑Mail von „Wir für Werne“ bewusst und offen­bar vorsät­zlich falsch inter­pretiert wird, um mich und unser Unternehmen öffentlich in Mis­skred­it zu brin­gen. Das ist Stim­mungs­mache, um die Bürg­er zu verun­sich­ern“, sagte Hauschopp-Francke. Sie sei Befür­wor­terin der Pla­nung, habe aber stets die Mei­n­ung der Geg­n­er akzep­tiert und nie jemand dif­famiert. Sehr erle­ichtert sei sie darüber, dass sich die Bürg­erini­tia­tive von der Nachricht dis­tanziert. „Es ist nie­mand damit geholfen, wenn die Diskus­sion über den Stan­dort unsere Stadt spal­tet“, so Hauschopp-Francke, „ganz gle­ich wie die Entschei­dung am Son­ntag auch ausgeht.“

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