Donnerstag, Mai 26, 2022

„Follow the Sun“: Helmut Zierl inszeniert Lesung als Kammerspiel

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Wer­ne. Er wer­de, sag­te Hel­mut Zierl zu Beginn sei­ner Lesung im Alten Rat­haus, die aktu­el­le Situa­ti­on nicht kom­men­tie­ren, weder die Pan­de­mie noch den Ukrai­ne-Krieg. „Das alles ist schlimm genug, aber ich bin heu­te Abend hier, um Sie zu unterhalten.“ 

Und das tat der Schau­spie­ler, der jüngst mit sei­nem Buch „Fol­low the Sun – Der Som­mer mei­nes Lebens“ unter die Autoren gegan­gen ist. Die Aus­rei­ßer-Geschich­te fas­zi­nier­te am Sams­tag­abend (26. März) etwa 50 Zuhörer.

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1971 war Zierl, Sohn eines Poli­zis­ten im nord­deut­schen Lüt­jen­see, von Zuhau­se aus­ge­ris­sen. Er tramp­te nach Brüs­sel und Ams­ter­dam, tauch­te in die Hip­pie-Sze­ne ein und lern­te, dass der Traum von den Blu­men­kin­dern dun­kels­te Schat­ten­sei­ten hat. Als Zierl scho­nungs­los vom Abglei­ten in den täg­li­chen LSD- und Mes­ca­lin-Kon­sum erzähl­te, brei­te­te sich beklem­men­des Schwei­gen im Publi­kum aus. Nur vor Hero­in sei er im letz­ten Moment zurück­ge­schreckt, erklär­te der Schau­spie­ler. Doch sein Buch ist, wie das Leben spielt: Es gibt auch jede Men­ge komi­scher Sei­ten. Die leben­di­gen Schil­de­run­gen einer skur­ri­len Brüs­se­ler Aus­stei­ger-WG brach­ten die Zuhö­rer immer wie­der zum Lachen.

In der Pau­se nutz­ten vie­le Zuhö­rer die Gele­gen­heit, sich ihre Buch­ex­em­pla­re vom Autor per­sön­lich signie­ren zu las­sen. Foto: Schwarze

Als Schau­spie­ler weiß Zierl, wie er Men­schen fes­selt: Sei­ne Lesung war auch ein Kam­mer­spiel. Er raun­te, brüll­te, lis­pel­te. Er fluch­te wie ein Clo­chard und knirsch­te sei­ne Wor­te durch die Zäh­ne, als er sei­nen zor­ni­gen Vater imi­tier­te. Er bet­te­te span­nungs­ge­la­de­ne Pau­sen eben­so effekt­voll ein wie einen mun­te­ren Plau­der­ton. Außer­dem ver­setz­te er sein Publi­kum mit­hil­fe eines „ollen Kas­set­ten­re­kor­ders“ in die Stim­mung der Hip­pie-Zeit. Janis Jop­lin und Simon & Gar­fun­kel lie­ßen ihre Stim­men erklin­gen. Und als Led Zep­pe­lin aus den Laut­spre­chern schep­per­te, streif­te man mit Hel­mut Zierl nachts um halb Zwei durch Brüs­sel – allein und heimwehkrank.

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