Samstag, Juli 2, 2022

24. LiteraTurnier: „Wie ein dickes Kind durch die Sahnetorte“

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Wer­ne. Die 24. Aus­ga­be des Lite­ra­Tur­niers unter dem Mot­to „3G – Geschich­ten, Gags und Geis­tes­blit­ze“ begeis­ter­te am Mitt­woch­abend (30. März) mit gut auf­ge­leg­ten Protagonisten.

Nach einer digi­ta­len Aus­ga­be auf You­Tube und einer Open-Air-Aus­ga­be auf dem Wer­ner Kirch­platz kehr­te das Team um Mode­ra­tor Die­ter Vat­heu­er nach zwei Jah­ren in die Stadt­bü­che­rei Wer­ne zurück. Genau­er gesagt in das neu gestal­te­te Wohn­zim­mer im ers­ten Stock, das durch den För­der­ver­ein und groß­zü­gi­ge Spen­der umge­baut wer­den konn­te und nun für eine gemüt­li­che Wohl­fühl­at­mo­sphä­re sorgt. Zur Begrü­ßung eröff­ne­te Andre­as Bas­sen­dow­ski, Vor­sit­zen­der des För­der­ver­eins der Stadt­bü­che­rei Wer­ne, den Abend und wies auf die Arbeit und Unter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten des För­der­ver­eins hin.

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Das Team war alt­be­währt: Schau­spie­ler Lud­ger Bur­mann, Kaba­ret­tis­tin Lia­ne Jäger, „Blu­ti­ge Lippe“-Herausgeber Hart­mut Marks und Autor Magnus See strit­ten über aus­ge­wähl­te Buch­ti­tel. Doch der Bücher­streit fiel die­ses Mal eher har­mo­nisch aus, waren doch alle von der Buch­aus­wahl sehr ange­tan. Davon pro­fi­tier­te das Publikum. 

Die über 40 Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er erleb­ten neben lesens­wer­ten Lite­ra­tur­tipps ein gut auf­ge­leg­tes Team, dem die Freu­de über den Auf­tritt vor Live-Publi­kum anzu­mer­ken war. Nie um einen guten Gag ver­le­gen, lei­te­te Die­ter Vat­heu­er den Abend, räum­te allen Mit­wir­ken­den ihre Rede­zeit ein und führ­te locker durch das Pro­gramm. „Wir wer­den heu­te Sprach­wit­ze mit dem ‚G‘ machen, bis Sie den Buch­sta­ben aus Ihrem Alpha­bet strei­chen“, sprach er die Alli­te­ra­ti­on des 3‑G-Mot­tos an. Die­ser spiel­te beim Gewinn­spiel eine gro­ße Rol­le, muss­te das Publi­kum doch Sät­ze bil­den, die das Lite­ra­Tur­nier beschrei­ben – aller­dings soll­te jedes Wort mit einem G begin­nen. „Genia­le Gast­ge­ber: gelacht, geweint, genos­sen!“, so ein Ergeb­nis. Die Gewin­ner erhiel­ten Gut­schei­ne, gestif­tet vom Wer­ner Solebad.

Das ers­te Buch, Her­vé Tel­liers „Die Ano­ma­lie“, wur­de gemischt auf­ge­nom­men. „Es ist Sci­ence-Fic­tion, auf die man sich ein­las­sen muss“, befand Hart­mut Marks, der zum Schau­dern des Publi­kums eine blut­rüns­ti­ge Stel­le vor­las. „Rich­tig was für’s Herz“, kom­men­tier­te Lia­ne Jäger iro­nisch, ihr hat­te das Buch nicht so zuge­sagt. Dar­in wird ein Flug­zeug samt sei­nen Insas­sen durch eine Ano­ma­lie verdoppelt.

Das zwei­te Buch war der Com­ing-of-Age-Roman „Hard Land“ von Bene­dikt Wells, aus­ge­wählt von Magnus See. „Wir waren ja alle mal jung“, kom­men­tier­te Lud­ger Bur­mann augen­zwin­kernd, „und in die­sem Buch fin­det sich jeder von uns wie­der.“ Alle waren sich einig, dass die Geschich­te über den 15-jäh­ri­gen Sam, der zum einen den Som­mer sei­nes Lebens mit der ers­ten Lie­be erlebt, aber gleich­zei­tig mit dem Tod sei­ner Mut­ter fer­tig wer­den muss, berüh­rend und lesens­wert ist.

Vor der Pau­se gaben Jäger, Marks und Vat­heu­er den zum Mot­to pas­sen­den Heinz-Erhardt-Sketch, der nur aus Wor­ten mit dem Anfangs­buch­sta­ben „G“ besteht – sehr zum Geläch­ter des Publi­kums. Nach der Pau­se gab Buch­händ­ler Huber­tus Water­hu­es lesens­wer­te Buch­tipps und wies auf die anste­hen­de Lesung des Kri­mi-Autoren­du­os Jac.Toes und Tho­mas Hoepps hin, die am 8. April schon zum 12. Mal zu Bücher Beck­mann kommen.

Die Zuschau­er kamen beim amü­san­ten Bücher­streit auf ihre Kos­ten. Foto: Her­bert Aprill

Lia­ne Jäger prä­sen­tier­te Éli­et­te Abé­cas­sis‘ Roman „Mit uns wäre es anders gewe­sen“. Hart­mut Marks mein­te: „Es ist ein Buch über ver­pass­te Chan­cen.“ Und Die­ter Vat­heu­er erwi­der­te tro­cken: „Hät­ten die bei­den auf Sei­te 2 ein­fach mit­ein­an­der gere­det, wäre die Geschich­te schon vor­bei gewe­sen!“ Aber so beglei­tet der Leser Vin­cent und Amé­lie durch 30 Jah­re, in denen sie nie zuein­an­der fin­den. Magnus See lob­te die her­vor­ra­gen­de Über­set­zung und Text­kom­po­si­ti­on, die den Leser und die Lese­rin stets mit bei­den Haupt­fi­gu­ren mit­lei­den lässt.

Den Abschluss bil­de­te Lud­ger Bur­mann, der Danie­la Kri­ens Bezie­hungs­ro­man „Der Brand“ zur Dis­kus­si­on stell­te. „Die Lie­be ver­än­dert sich im Lau­fe der Jahr­zehn­te, das ist ganz nor­mal“, fass­te er den Plot des Romans zusam­men. Und so müs­sen Rahel und Peter, die Prot­ago­nis­ten, in einem drei­wö­chi­gen Urlaub einen Weg fin­den, ein­an­der neu zu lie­ben. Ins­ge­samt wur­de der Roman von allen als abso­lut lesens­wert bewer­tet. „Anfangs woll­te ich die Bezie­hungs­ge­schich­te gar nicht anfan­gen, doch dann bin ich durch das Buch gefräst wie ein dickes Kind durch Sah­ne­tor­te“, ver­such­te Magnus See sei­nen Lese­ge­nuss zu ver­bild­li­chen. Die Lacher des Publi­kums hat­te er mit der For­mu­lie­rung auf sei­ner Seite.

Über­haupt ver­ließ das Publi­kum gut gelaunt die­sen unter­halt­sa­men Lite­ra­tur­abend und freu­te sich schon auf den 16. Novem­ber, denn dann ver­an­stal­ten Bücher Beck­mann und der För­der­ver­ein der Stadt­bü­che­rei das sil­ber­ne Jubi­lä­um, das 25. LiteraTurnier.

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