Freitag, Oktober 7, 2022

Bistum Münster: Austritte auf hohem Niveau – Werne keine Ausnahme

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Müns­ter. Die Zahl der Gläu­bi­gen, die im Jahr 2021 der katho­li­schen Kir­che den Rücken gekehrt haben, ist im Bis­tum Müns­ter auf einen his­to­ri­schen Höchst­stand gestie­gen: 22.614 Katho­li­ken erklär­ten ihren Aus­tritt, das waren 9.916 mehr als im Vor­jahr, mel­det die Pres­se­stel­le des Bistums.

Bis­her hat­te es dem­nach im Jahr 2019 mit 16.654 Katho­li­ken die höchs­te Zahl an Kir­chen­aus­trit­ten gege­ben. Hin­ge­gen sei­en 257 Per­so­nen, die die katho­li­sche Kir­che frü­her ein­mal ver­las­sen hat­ten, 2021 wie­der ein­ge­tre­ten, hin­zu kamen 105 Ein­trit­te ande­re christ­li­cher Konfessionen.

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Wie die Bischöf­li­che Pres­se­stel­le am 27. Juni wei­ter mit­teil­te, wur­den 2021 im Bis­tum 12.993 Men­schen durch die Tau­fe in die Kir­che auf­ge­nom­men, das waren 3.189 mehr als 2020. Die aktu­el­le Katho­li­ken­zahl im Bis­tum lag Ende 2021 somit bei 1.763.393. Das sind rund 34.176 weni­ger als ein Jahr zuvor. Müns­ter ist hin­ter dem Erz­bis­tum Köln das zweit­größ­te Bis­tum in Deutschland.

Deut­li­che Ver­än­de­run­gen zeich­ne­ten sich der Pres­se­stel­le zufol­ge auch bei der Teil­nah­me an den Got­tes­diens­ten ab. So sank die Zahl derer, die im Bis­tum zu den sonn­täg­li­chen Got­tes­diens­ten in die Kir­chen gin­gen, um 24.046 auf 65.016 Katholiken.

Einen Anstieg habe es hin­ge­gen bei Fir­mun­gen (2021: 10.334; 2020: 8.099), Erst­kom­mu­nio­nen (2021: 13.929; 2020: 11.428) und kirch­li­chen Trau­un­gen (2021: 1.609; 2020: 903) gege­ben, eben­so wie bei den Bestat­tun­gen (2021: 19.559; 2020: 19.487).

In Wer­ne sieht es nicht bes­ser aus

Der Bis­tums­trend spie­gelt sich auch in Wer­ne wider. „In 2021 gab es 146 Kir­chen­aus­trit­te, in 2022 lie­gen uns bereits 113 Aus­trit­te vor”, berich­tet Pfarr­se­kre­tä­rin Mecht­hild Stengl auf Anfra­ge von WERNEplus.

Aktu­ell zählt die Pfarr­ge­mein­de St. Chris­to­pho­rus rund 13.400 Mitglieder.

Bischof Dr. Felix Genn zu den Zahlen

„Es ist schön, dass nach der Pan­de­mie die Fei­er der Sakra­men­te wie­der leben­di­ger gewor­den ist. Gleich­wohl wirkt die Pan­de­mie gera­de bei den Got­tes­dienst­be­su­chern noch nach. Und natür­lich haben vor allem gra­vie­ren­de Feh­ler kirch­li­cher Ver­ant­wor­tungs­trä­ger im Umgang mit sexu­el­lem Miss­brauch zu den hohen Kir­chen­aus­tritts­zah­len bei­getra­gen. Von daher bedaue­re ich es sehr, habe aber auch Ver­ständ­nis dafür, dass vie­le Men­schen mit der Insti­tu­ti­on Kir­che nichts mehr zu tun haben wollen.

Von daher gilt für mich das, was ich vor kur­zem bereits im Zusam­men­hang mit der Ver­öf­fent­li­chung der Stu­die der West­fä­li­schen Will­helms-Uni­ver­si­tät Müns­ter (WWU) zum Umgang mit sexu­el­lem Miss­brauch im Bis­tum Müns­ter in einem Schrei­ben an die Haupt- und Ehren­amt­li­chen betont habe: Das, was vie­le enga­gier­te Chris­tin­nen und Chris­ten nur noch als über­mäch­ti­ge Insti­tu­ti­on, als erdrü­cken­de Struk­tur, als Amts­kir­che bezeich­nen und wahr­neh­men, muss sich ver­än­dern. Vie­le von denen, die in der Kir­che Ver­ant­wor­tung tra­gen, müs­sen ihre Hal­tung und ihr Ver­hal­ten ändern.

Ins­ge­samt müs­sen wir als kirch­li­che Ver­ant­wor­tungs­trä­ger – und da schlie­ße ich mich selbst aus­drück­lich ein – Kir­che in die­ser Hal­tung leben: zuge­wandt, ver­än­de­rungs­be­reit, leben­dig, viel­fäl­tig, offen, dia­log­ori­en­tiert, im Dienst an den Men­schen ste­hend, Gewalt, Unrecht und sexu­el­len Miss­brauch bekämp­fend. So ver­kün­den wir die fro­he und befrei­en­de Bot­schaft Jesu Chris­ti glaub­haf­ter und über­zeu­gen­der – in Wort und Tat.

Dafür wer­de ich mich ein­set­zen. Und aus­drück­lich dan­ken möch­te ich allen, die bei der Kir­che blei­ben. Mir ist sehr bewusst: Die Ver­ant­wor­tungs­trä­ger in der katho­li­schen Kir­che – viel­leicht auch ich per­sön­lich – haben es vie­len enga­gier­ten Chris­tin­nen und Chris­ten teil­wei­se über Jah­reoft schwer gemacht. Das muss sich ändern.

Zugleich bleibt es für mich beein­dru­ckend, wie vie­le Men­schen sich trotz allem und nach wie vor aus einem tie­fen Glau­ben her­aus im Bis­tum Müns­ter enga­gie­ren. Die­sen Men­schen möch­te ich von Her­zen dan­ken für ihren Ein­satz, für ihre Glau­bens­zeug­nis­se und dafür, dass sie nicht wie vie­le ande­re sagen: Mir reicht’s. Ich gehe.“

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