Samstag, Juli 2, 2022

Berufskolleg: „Netzwerker“ Helmut Gravert geht in den Ruhestand

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Wer­ne. Eine von Schü­lern und Leh­rern selbst gebau­te Gar­ten­bank, auf der er es sich in sei­ner frei­en Zeit mit sei­ner Frau Dag­mar gemüt­lich machen kann. Und ein Obst­baum, an dem sym­bo­lisch die Früch­te sei­ner lang­jäh­ri­gen Arbeit wach­sen. Das sind die Geschen­ke, mit denen sich die Mit­ar­bei­ter des Frei­herr-vom-Stein-Berufs­kol­legs und die Kol­le­gen der ande­ren Berufs­kol­legs des Krei­ses Unna von Schul­lei­ter Hel­mut Gra­vert verabschiedeten.

Der Ober­stu­di­en­di­rek­tor wur­de am Don­ners­tag in einer fei­er­li­chen Ver­an­stal­tung offi­zi­ell aus dem Schul­dienst ent­las­sen. Der 65-Jäh­ri­ge geht mit dem Ende des Schul­jah­res in den Ruhestand.

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Vie­le Gäs­te waren gekom­men, um dem Päd­ago­gen nach 35 Jah­ren im Schul­dienst alles Gute für die Zukunft zu wün­schen. Umrahmt wur­de die Fei­er­stun­de von der Schul­band. Auf per­sön­li­che Geschen­ke hat­te der Schul­lei­ter im übri­gen ver­zich­tet, bei Gar­ten­bank und Obst­baum muss­te er aller­dings eine Aus­nah­me machen. Ansons­ten bat Hel­mut Gra­vert um eine Spen­de für den För­der­ver­ein des Kol­legs, das er 16 Jah­re lang gelei­tet und geprägt hat. Zum Teil unter sehr schwie­ri­gen Bedin­gun­gen, denn Flücht­lings­kri­se, Coro­na-Pan­de­mie und aktu­ell der Krieg in der Ukrai­ne waren und sind für Schul­lei­tung, Leh­rer und Schü­ler eine beson­de­re Herausforderung.

Hel­mut Gra­verts beruf­li­cher Weg begann 1980 mit der Erlan­gung des Ers­ten Staats­examens in Evan­ge­li­scher Theo­lo­gie, Phy­sik und Erzie­hungs­wis­sen­schaf­ten an der Uni Müns­ter. Das Zwei­te Staats­examen folg­te drei Jah­re spä­ter. 1986 leg­te Gra­vert die theo­re­ti­sche Meis­ter­prü­fung in Farb­tech­nik und Raum­ge­stal­tung im Rah­men einer Son­der­maß­nah­me zur Redu­zie­rung des Leh­rer­man­gels in Fach­klas­sen des Maler­hand­werks ab und im sel­ben Jahr trat er in den Schul­dienst als Stu­di­en­rat an den Gewerb­li­chen Schu­len Lüden­scheid ein. 

Auf der von Schü­lern und Leh­rern gebau­ten Gar­ten­bank nah­men Hel­mut Gra­vert und sei­ne Frau Dag­mar gern Platz. Dezer­nent Die­ter Frei­al­den­ho­ven, der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Wil­helm Jas­per­n­ei­te, Schü­ler­spre­cher Sascha Simon und Bür­ger­meis­ter Lothar Christ (v.li.) wünsch­ten für den (Un)ruhestand alles Gute. Foto: Klaus Brüggemann

Von 1988 bis 2000 war Gra­vert am Lan­des­in­sti­tut für Schu­le und Wei­ter­bil­dung beschäf­tigt, danach folg­ten zwei Jah­re als Stu­di­en­di­rek­tor am Hell­weg Berufs­kol­leg in Unna und als päd­ago­gi­scher Mit­ar­bei­ter der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg. 2002 wech­sel­te Hel­mut Gra­vert schließ­lich als stell­ver­tre­ten­der Schul­lei­ter zum Wer­ner Berufs­kol­leg. Vier Jah­re spä­ter bezog er das Chef­bü­ro, wo er zunächst mit Micha­el Schul­ze-Kers­t­ing und anschlie­ßend mit Jür­gen Art­mann als Stell­ver­tre­ter die Schu­le auf Moder­ni­sie­rungs­kurs brach­te. Eine Auf­ga­be, für die er sein enga­gier­tes Kol­le­gi­um gewin­nen und zahl­rei­che Unter­stüt­zer fand.

Sei­ne Netz­werk­ar­beit mit zahl­rei­chen Koope­ra­ti­ons­part­nern und die Öff­nung des Berufs­kol­legs nach außen waren Merk­ma­le, die in den Fest­re­den immer wie­der lobend her­vor­ge­ho­ben wur­den. Hel­mut Gra­vert habe vie­le Jah­re gute Arbeit geleis­tet und dabei immer die Schü­ler und deren beruf­li­che Ent­wick­lung in den Mit­tel­punkt gestellt, lob­te der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Wil­helm Jas­per­n­ei­te im Namen des Schul­trä­gers Kreis Unna.

Vie­le Fest­gäs­te waren zur Ver­ab­schie­dung von Hel­mut Gra­vert ins Berufs­kol­leg gekom­men. Foto: Klaus Brüggemann

Bür­ger­meis­ter Lothar Christ blick­te auf die Ära Gra­vert zurück, in der sich das Berufs­kol­leg maß­geb­lich ver­än­dert habe. „Sie haben viel Neu­es begon­nen“, erin­ner­te Christ nicht zuletzt an die bau­li­che Erwei­te­rung und ener­ge­ti­sche Sanie­rung des Kol­legs. In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren sei­en rund 20 Mil­lio­nen Euro in die Schu­le am Stand­ort Wer­ne geflos­sen. Gra­vert habe es aber vor allem ver­stan­den, in der Stadt ein Netz­werk auf­zu­bau­en, das nur eines zum Ziel habe: Schü­le­rin­nen und Schü­lern eine opti­ma­le beruf­li­che Per­spek­ti­ve mit auf den Weg zu geben. Der Bür­ger­meis­ter erin­ner­te an die Koope­ra­tio­nen mit den wei­ter­füh­ren­den Schu­len der Stadt, mit Wer­ner Betrie­ben und die enge Ver­bin­dung zur hei­mi­schen Wirt­schaft durch Gra­verts Enga­ge­ment im Vor­stand der Akti­ons­ge­mein­schaft „Wir für Wer­ne“. „Mit Hel­mut Gra­vert schei­det ein gesell­schaft­li­cher Netz­wer­ker aus, der viel Gutes bewirkt hat“, sag­te Christ.

Lob gab es auch vom Dezer­nen­ten der Bezirks­re­gie­rung, Die­ter Frei­al­den­ho­ven, der dem Pen­sio­när sei­ne Ent­las­sungs­ur­kun­de aus dem Schul­dienst über­reich­te. Gra­vert habe nicht nur in der Schu­le Außer­ge­wöhn­li­ches geleis­tet, son­dern sei auch ehren­amt­lich aktiv gewe­sen. „Sie haben alle Schwie­rig­kei­ten gemeis­tert“, sag­te der Dezer­nent auch mit Blick auf die erwähn­ten Pro­ble­me durch Flücht­lings­kri­se, Pan­de­mie und Ukraine-Krieg.

„Wir schät­zen die Zusam­men­ar­beit mit Dir, die stets auf Augen­hö­he statt­fand“, sag­te Gra­verts ehe­ma­li­ger Stell­ver­tre­ter Micha­el Schul­ze-Kers­t­ing in sei­ner Funk­ti­on als Ver­tre­ter der regio­na­len Berufs­kol­leg-Schul­lei­tun­gen. Kat­rin Stü­we, Vor­sit­zen­de des Leh­rer­rats, und Schü­ler­spre­cher Sascha Simon bedank­ten sich dafür, dass Gra­vert stets ein offe­nes Ohr für Anre­gun­gen, Kri­tik und neue Ideen gehabt habe. Und er habe bei Schul­ak­ti­vi­tä­ten kräf­tig mit ange­packt. „Wenn bei einer Ver­an­stal­tung ein Kuchen­buf­fet auf­ge­baut wur­de, waren Sie der Ers­te, der einen Kuchen hin­ge­stellt hat“, sag­te Stü­we. Sei­ner Ehe­frau Dag­mar über­reich­te sie als Dank für die Unter­stüt­zung einen Blumenstrauß.

Die Schul­band sorg­te für die musi­ka­li­sche Umrah­mung der Fei­er. Foto: Klaus Brüggemann

Wor­te, die der schei­den­de Schul­lei­ter gern hör­te. Denn sie wür­den zei­gen, dass sei­ne Art, sein Amt aus­zu­fül­len, offen­bar Reso­nanz gefun­den habe. „Es kommt auf die Zusam­men­ar­beit an“, mach­te Gra­vert deut­lich, dass die posi­ti­ve Ent­wick­lung des Frei­herr-vom-Stein-Berufs­kol­legs nicht allein sein Ver­dienst sei, son­dern vie­ler Betei­lig­ter. Gra­vert dank­te vor allem sei­ner Ehe­frau Dag­mar und sei­nen Kin­dern, die sei­ne Arbeit zuhau­se mit­ge­tra­gen hät­ten. Als Pen­sio­när wer­de er sich ver­stärkt ehren­amt­lich enga­gie­ren und mehr Zeit mit sei­ner Fami­lie verbringen.

Wer Nach­fol­ger des lang­jäh­ri­gen Schul­lei­ters wird, steht zur­zeit noch nicht fest. Das Ver­fah­ren sei kurz vor dem Abschluss, sag­te Dezer­nent Die­ter Frei­al­den­ho­ven auf Nach­fra­ge von WERNEplus.

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