Montag, Januar 24, 2022

Weihnachten 1901 wurde es in Werne heller

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Werne. Auch die Wei­h­nacht­szeit hat ihre his­torischen Rem­i­niszen­zen. In Werne zumal, denn an einem Wei­h­nachtsabend des Jahres 1901 – vor 120 Jahren also – flammte in der St.-Christophorus-Kirche zum ersten Mal das elek­trische Licht auf und löste die warme, jahrhun­dertealte Kerzen­beleuch­tung, und auch die nicht so alte, aber immer noch sehr stim­mungsvolle Petro­le­um­beleuch­tung des Kirchenin­nern ab.

Doch nicht nur in der altehrwürdi­gen Pfar­rkirche wurde es damals heller. Die Wern­er Innen­stadt hat­te schon einige Zeit vorher die „Seg­nun­gen des tech­nis­chen Fortschritts“ erfahren, denn zu Beginn des Jahres 1901 hat­te der Inge­nieur Hein­rich Ker­st­ing vom Mag­is­trat der Stadt Werne die Genehmi­gung erhal­ten, die Beleuch­tung der Stadt „mit­tels elek­trischen Licht­es“ zu übernehmen.

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Allerd­ings hätte er es wohl ohne die finanzielle Hil­fe des Bauern Schulze-Wedel­ing aus Rün­the (Besitzer des sein­erzeit­i­gen „Fürsten­hofes“) nicht geschafft. Der gab das Geld, und eines Tages flammten in der Wern­er Innen­stadt an etlichen Holzp­fos­ten die ersten elek­trischen Lam­p­en auf. Sehr zum Erstaunen und zur Freude der Bevölkerung, denn die vorheri­gen Petro­le­um-Lam­p­en spende­ten einen zwar recht war­men, aber keineswegs aus­re­ichen­den Schein.

Das ver­standen die elek­trischen Glüh­bir­nen bess­er, denen die notwendi­ge Energie von Wernes erstem „Elek­triz­itätswerk“ an der Pen­ningrode gegenüber der dama­li­gen Molk­erei Hee­mann geliefert wurde. Übri­gens war noch im August 1900 das „Amt eines städtis­chen Lat­er­ne­nanzün­ders“ vergeben wor­den. Math­ias Jasper erhielt es, der in die Wern­er Stadt­geschichte als let­zter Lat­er­ne­nanzün­der einge­gan­gen ist.

Immer­hin war die Petro­le­um­beleuch­tung zwar nicht so hell wie das elek­trische Licht, aber zweifel­los bil­liger. Damals wenig­stens. Denn sein­erzeit kostete ein Liter Petro­le­um 22 Pfen­nige. Wie teuer die Stadt den ersten elek­trischen Strom zu bezahlen hat­te, war lei­der nicht zu eruieren. Der Fortschritt hat­te Werne jeden­falls auch auf dem Gebi­et der Beleuch­tung erre­icht. Und er ließ sich nicht mehr aufhal­ten. Eines Tages über­nahm die Stadt die Stromver­sorgung in eigen­er Regie. Das eigene „Elek­triz­itätswerk“ am Hagen wurde errichtet. Später diente es lange Jahre der Frei­willi­gen Feuer­wehr als zuhause – und ist inzwis­chen ein­er mod­er­nen Wohnan­lage gewichen.

Briefkopf des ersten Elek­triz­itätswerkes in Werne. Abbil­dung: Archiv Rain­er Schulz 

Nach ein­er Rei­he von Betrieb­s­jahren wurde der Strom vom Elek­triz­itätswerk West­falen gekauft und über das eigene Netz geleit­et, später — im Jahre 1929 — über­nahm schließlich das den VEW angeschlossene Ger­stein­werk die Stromver­sorgung Wernes. So blieb es im Grunde genom­men bis heute, nach­dem sich ein zwis­chen­zeitlich­er Plan, im Zuge der Zechen­ver­bund­wirtschaft in Werne ein eigenes Kraftwerk zu bauen, zer­schla­gen hat­te. Das war um 1948/50 herum.

Ein Kurio­sum in der Zeit der Elek­tri­fizierung Wernes lieferte unser unvergessenes Orig­i­nal, Cen­tral-The­ater-Besitzer Carl Brauck­hoff. Seinem Kino ging es nicht immer glänzend. Auch damals nicht, es war eine wirtschaftlich schwache Peri­ode, als der elek­trische Strom Werne eroberte. Die Lichtrech­nun­gen wur­den unserem Carl ein­fach zu hoch. Also wurde er zum „Selb­stver­sorg­er“.

Carl Brauch­hoff, hier als Schützenoberst auf dem Pferd unter­wegs, betrieb sein Kino mit einem Diese­lag­gre­gat. Foto: Archiv R. Schulz

Er erstand kurz­er­hand ein Diese­lag­gre­gat zur Stromerzeu­gung und speiste damit seine Vor­führg­eräte und alles, was im Cen­tral-The­ater elek­trischen Strom benötigte. Die Wenig­sten wer­den sich heute noch an jene Wer­bezettel erin­nern, mit­tels der­er der pfif­fige Brauck­hoff darauf aufmerk­sam machte, dass sein Filmthe­ater „mit eigen­er Licht- und Kraftan­lage“ arbeit­ete. Wer erin­nert sich noch an jenes monot­o­ne „Tuck­ern“ des Diese­lag­gre­gats, das schon zur Stumm­filmzeit die Filmvor­führun­gen „unter­malte“? Vom speziellen „Duft“ in der Umge­bung des Kinos gar nicht zu reden …!

Ja, es war nicht immer in Werne so strahlend hell wie jet­zt in der Vor­wei­h­nacht­szeit. Den­noch ste­ht es fest, dass sich unser Städtchen dem Fortschritt am Ende nie ver­schlossen hat, wenn er an Wernes Tor klopfte. Und das sollte uns eigentlich die Hoff­nung geben, dass uns dieser unternehmende Geist auch weit­er­hin beflügelt. - sjv -  

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