Der Surfpark sei „eine riesige Chance für die Stadtentwicklung“, sagte Stadtplaner Ralf Bülte. Foto: SURFWRLD
Die Gebäudezeile zur Flöz-Zollverein-Straße soll den Surfpark vor Lärm schützen. Foto: SURFWRLD
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Werne. Im Frühjahr und Sommer ein Freizeitpark, im Herbst und Winter eine Forschungsstation: Auf dem ehemaligen Zechengelände in Werne läuft derzeit das Planungsverfahren zum größten Surfpark der Welt. Die SURFWRLD soll 2023 an den Start gehen und die Lippestadt mit einer überregionalen bedeutsamen Sport-, Veranstaltungs- und Freizeitanlage touristisch aufwerten. Hier kommt Teil 4 unserer Interviews mit Projektentwickler und Investor Dr.-Ing. Michael Detering.

Wie gewinnen Sie die großen Wassermengen für die Becken und wie wird es behandelt?

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Die Becken sehen zwar groß aus, sind aber nicht tief. Deshalb brauchen wir zum Füllen auch weniger Wasser, als manche vermuten. Das Wasser gewinnen wir über Brunnen, genau genommen Uferfiltratbrunnen. Genau so wird bei Wasserversorgern übrigens auch das meiste Trinkwasser gewonnen. Wir machen also nichts Neues. Wir haben das Glück, dass wir für solche Brunnen ideale Bodenverhältnisse haben. Die Brunnen werden etwa 50 Meter von der Lippe entfernt auf unserem Gelände gebohrt, das Wasser strömt dann von der Lippe durch den Untergrund in die Brunnen. Auf dem Weg durch den Boden wird das Wasser natürlich gereinigt, genauso wie bei einem Wasserwerk, nur bei uns eben etwas kleiner. In den Brunnen pumpen wir das Wasser dann ab. Das Füllen der Becken dauert etwa zwei Wochen. In der Zeit benötigen wir etwas weniger als ein Promille des mittleren Lippe-Abflusses, die Lippe „merkt“ dies deshalb nicht. Auch der Wasserstand der Lippe wird sich nicht verändern. Wenn die Becken geleert werden, bekommt die Lippe ihr Wasser wieder zurück, auch verteilt über etwa zwei Wochen. Da wir das Wasser nicht chloren werden, können wir das auch problemlos machen.

Was ist in Sachen Lärmschutz geplant?

Ich fange mal ganz anders an: Das Hauptthema für „unser“ Zechengelände sind nicht Bodenbelastungen etc., sondern die aktuellen Schallemissionen aus der im Norden angrenzenden gewerblich-industriellen Nutzung, die auch bleiben werden. Das ist auch der wesentliche Grund, weshalb das Zechengelände nicht für ein Wohngebiet taugt. Es ist dort einfach zu laut. Wir müssen deshalb erstmal nicht andere vor unserem Schall schützen, sondern umgekehrt uns vor dem Schall aus der Umgebung. Wir lösen das Thema, indem wir im Norden unseres Geländes gleich an der Flöz-Zollverein-Straße eine hohe Gebäudezeile bauen. Diese schirmt unser Gelände vom bestehenden Schall ab.

Jetzt zu unserer Nutzung: Das Surfen selbst und auch die Wellen sind überraschend leise, selbst der Verkehr ist weniger laut als wenn dort ein großes Logistikzentrum oder eine Metallverarbeitung gebaut würden. Für Events werden noch zulässige Lärmpegel ermittelt. Beim südlichen Zechengelände sind die Vorschriften aus dem Naturschutz wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet an der Lippe übrigens strenger als die ohnehin im Abstand zu uns liegende nächste Wohnbebauung. Deshalb kommt die Begrenzung für uns aus dem Naturschutz, nicht von den Anwohnern. Genaue Zahlen bekommen wir noch von den Gutachtern.

Gerüchte drehen sich auch immer wieder um die Bodenbelastung auf der alten Zechenbrache. Ist das ein Thema für Sie?

Nicht wirklich. Manche wollen das nicht glauben, aber so einfach ist das. Unser Gelände ist in den oberen zwei Metern saniert. Für die Experten: Bodenklasse Z 1.2. Man sollte nicht unbedingt Gemüse drauf anbauen. Für einen Surfpark passt der Boden aber sehr gut. Nur an ganz wenigen Punkten gehen wir in mehr als zwei Meter Tiefe. Dort ist es unkritisch. Anders sieht es nördlich von uns aus. Das aber ist nicht unser Gelände. Und auf der riesigen Fläche gibt es an einigen Stellen auch mit dem Grundwasser ein Thema. Darum kümmert sich aber die RAG unter den Augen des Kreises Unna und das sehr professionell.

Der fünfte und letzte Teil des Interviews mit Dr. Michael Detering folgt am Wochenende.

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