Mittwoch, Oktober 5, 2022

Begeisterung über großes Interesse am Tag des offenen Denkmals

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Wer­ne. Aus­ge­hend von einem his­to­ri­schen Hand­wer­ker­haus mit­ten in Wer­ne bega­ben sich fast 40 Denk­mal­be­geis­ter­te am Sonn­tag (11.09.2022) auf die Suche nach Spu­ren von His­to­ris­mus und Jugendstil.

„Kul­tur­Spur“ lau­te­te das Mot­to zum Tag des offe­nen Denk­mals, an dem sich die Stadt Wer­ne mit einer Haus­be­sich­ti­gung, einem Stadt­rund­gang und einem Pro­gramm im Stadt­mu­se­um beteiligte.

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„Ich fin­de es klas­se, dass sich so vie­le Men­schen heu­te dafür die Zeit neh­men“, sag­te Lothar Stein­hoff. Der Archi­tekt aus Capel­le beglei­tet der­zeit die denk­mal­ge­rech­te Sanie­rung des Hau­ses Bonen­stra­ße 8. Das Gebäu­de ist in vie­ler Hin­sicht typisch für die jahr­hun­der­te­lang vom Hand­werk gepräg­te Stadt Wer­ne. Es han­delt sich um ein Fach­werk­haus, aus dem 16. oder 17. Jahr­hun­dert, des­sen Gie­bel an einem klei­nen Platz am Anfang der Bonen­stra­ße hin­ter dem Bült steht. Im Ver­hält­nis zu sei­ner rela­tiv schma­len Front erstreckt sich das Haus dahin­ter in die Tie­fe und umschließt einen klei­nen Innenhof.

„Das wird ein schmu­cker Hof. Wenn wir hier fer­tig sind, hat hier jede Woh­nung einen Bal­kon oder einen Frei­sitz“, sag­te Stein­hoff. Nach dem der­zei­ti­gen Stand der Pla­nung möch­te Bau­herr Dirk Heit­jo­hann sein Sanie­rungs­vor­ha­ben im Früh­jahr kom­men­den Jah­res abge­schlos­sen haben. Das Vor­ha­ben ist mit der Unte­ren Denk­mal­be­hör­de in Wer­ne und dem Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe abge­stimmt. Dabei stell­te sich die Sub­stanz des Gebäu­des stel­len­wei­se als dif­fi­zil her­aus. „Um das Haus zu sta­bi­li­sie­ren, muss­ten wir tie­fer aus­schach­ten als zunächst gedacht“, erklär­te Lothar Stein­hoff. Auch das Fach­werk war durch Feuch­tig­keit stel­len­wei­se schwe­rer beschä­digt als erwartet.

Karl-Heinz Schwar­ze, Vor­sit­zen­der der Freun­de des his­to­ri­schen Stadt­kerns, such­te mit den Denk­mal­be­geis­ter­ten die Spu­ren von His­to­ris­mus und Jugend­stil in Wer­ne. Foto: Anke Bar­ba­ra Schwarze

Bei der Sanie­rung wur­den nicht denk­mal­ge­rech­te Bau­maß­nah­men aus den 1980er-Jah­ren ent­fernt. Die Däm­mung wird der his­to­ri­schen Fach­werk­bau­wei­se gerecht: Vor Holz­weich­fa­ser­plat­ten wird Aus­gleichs­lehm gespritzt, dar­auf kommt Lehm­putz. Elek­tri­sche Kabel las­sen sich in die Faser­plat­ten ein­frä­sen. Den Plan, mit Gas zu hei­zen, gaben die Ver­ant­wort­li­chen ange­sichts der Ent­wick­lun­gen in den ver­gan­ge­nen Mona­ten auf. Statt­des­sen wer­den eine Wär­me­pum­pe in Ver­bin­dung mit Pho­to­vol­ta­ik installiert.

Im Anschluss an die Besich­ti­gung des Hau­ses nahm Karl-Heinz Schwar­ze, Vor­sit­zen­der der Freun­de des his­to­ri­schen Stadt­kerns, die Besu­cher mit auf einen Stadt­rund­gang. Des­sen Schwer­punkt war inspi­riert von der Fas­sa­de des Hau­ses 8 an der Bonen­stra­ße. Wie so vie­le Häu­ser in der Innen­stadt erhielt auch die­ses wäh­rend der Grün­der­zeit eine moder­ne Fas­sa­de. Modern, das hieß um 1900 His­to­ris­mus oder Jugend­stil. „Wir fin­den an die­ser Schau­sei­te, die 1904 ange­baut wur­de, bei­de Stil­rich­tun­gen“, erklär­te Schwarze.

Mit dem Geschäfts­haus Markt 24 besitzt Wer­ne ein sehr reprä­sen­ta­ti­ves Bei­spiel für den Jugend­stil. Foto: Anke Bar­ba­ra Schwarze

So sei der ver­wen­de­te Back­stein cha­rak­te­ris­tisch für die Neo­go­tik, der deko­ra­ti­ve Gie­bel­ab­schluss ent­hal­te mit sei­nen pflanz­li­chen Schmuck­for­men dage­gen Jugend­stil­ele­men­te. „Der Jugend­stil streb­te nach einer Har­mo­ni­sie­rung von Mensch und Natur“, erklär­te Schwar­ze. Und er woll­te die stei­ner­nen Haus­fas­sa­den in Bewe­gung brin­gen – etwas, dass die Teil­neh­mer des Rund­gangs erleb­ten, als sie sich umdreh­ten: Das Haus Markt 24 ist Wer­nes Para­de­bei­spiel für Jugendstil.

Im Muse­um bega­ben sich Jakob (links) und Anton auf eine ganz eige­ne Spu­ren­su­che: An ver­schie­de­nen Schatz­tru­hen konn­ten sie Geschick und Fähig­kei­ten im Kno­beln bewei­sen. Muse­ums­mit­ar­bei­te­rin Marie-Lui­se Kilinksi assis­tier­te. Foto: Anke Bar­ba­ra Schwarze

Par­al­lel zur Haus­be­sich­ti­gung und Rund­gang wur­de im Stadt­mu­se­um ein Such­spiel für Kin­der ange­bo­ten. Dabei pro­fi­tier­ten die Jun­gen und Mäd­chen von dem Escaper­oom, der am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de im Muse­um auf­ge­baut wor­den war: „Wir haben das Mate­ri­al noch hier und die Kin­der konn­ten ver­su­chen, eine Tru­he zu kna­cken und den König zu befrei­en“, berich­te­te Muse­ums­mit­ar­bei­te­rin Marie-Lui­se Kilinski.

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