Gut 60 Gäste aus dem Kreis von
Gut 60 Gäste aus dem Kreis von "Wir für Werne" verfolgten in der Ballspielhalle die Diskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten. Foto: Gaby Brüggemann
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Werne. Polit-Marathon in der Ballspielhalle. Dort, wo üblicherweise die Lippe-Baskets oder andere Ballsportler punkten, gingen am Mittwochabend beim Tacheles-Abend von „Wir für Werne“ zunächst die fünf Bewerber um das Landratsamt des Kreises Unna und anschließend die drei Werner Bürgermeisterkandidaten in den verbalen Wettstreit. Vor rund 60 Besuchern auf der Tribüne gaben Michael Zurhorst (1. Vorsitzender) und Thomas Lohmann (Geschäftsführung) den Takt vor – mit pointierten Fragen und Sanduhr. In zwei Runden nutzten die Bewerber die einzige Präsenzveranstaltung dieser Art, um die Poleposition im Rennen um die Chefsessel im Werner Rathaus beziehungsweise im Unnaer Kreishaus zu ergattern.

Bürgermeisterkandidaten: Bei der Kommunalwahl am 13. September haben die Werner Bürger die Wahl zwischen Amtsinhaber Lothar Christ (parteilos) und seinen Herausforderern Dominik Bulinski (CDU) und Benedikt Striepens (Bündnis 90/ Die Grünen). „Warum wollen Sie Bürgermeister werden?“, lautete die erste Frage von Michael Zurhorst.

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Als Bürgermeister die Stadt mitzugestalten, sei für ihn das Schönste, bekannte Dominik Bulinski (41), Stadtbaurat und Erster Beigeordneter in der Stadt Goch (Niederrhein). Weil es einige Tendenzen in der Stadt gebe, die ihm nicht gefielen, wolle er hier offensiv gegenhalten und sich in einem Zeitraum bis 2030 der Aufwertung der Innenstadt widmen, die Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen und bürgerschaftliches Ehrenamt stärken.

Lothar Christ (51), zunächst Erster Beigeordneter und seit 2009 Verwaltungschef in Werne, setzt auf „kluge Ideen, statt Klientelpolitik“. Den Wert der Stadt erlebe er hautnah, sei es in puncto Kinderbetreuung, Arbeitsbereich, Sport oder ganz einfach beim Eisessen, wies er die Einschätzung des Konkurrenten zurück. Zwei Schulen und das Solebad wurden gebaut, neue Kitas eröffnet, die Gewerbesteuereinnahmen deutlich gesteigert und Ideen wie das Straßenkunstfestival und die Werne-Gutscheine umgesetzt, zählte er auf.

Für Benedikt Striepens (56), Lehrer und Ratsmitglied seit 1986 sowie langjähriger Fraktionssprecher, sieht in seiner nun fünften Kandidatur einen Beitrag zur Demokratie. Er decke politisch einen bestimmten Bereich ab, nannte der gebürtige Werner neben grünen Themen auch seine Tätigkeit als Schulausschussvorsitzender. „Ich bin in Werne sehr vernetzt“, sagte er.

Dominik Bulinski (von links), Lothar Christ und Benedikt Striepens stellten sich den Fragen. Foto: Gaby Brüggemann
Dominik Bulinski (von links), Lothar Christ und Benedikt Striepens stellten sich den Fragen. Foto: Gaby Brüggemann

Kontrovers beantworteten die drei Konkurrenten Fragen zum Stichwort Wohnbau – und Gewerbeflächen. „Mehr bezahlbaren Wohnraum und mehr Sozialwohnungen“, forderte der CDU-Kandidat Bulinski und will im Falle seiner Wahl eine „stadteigene Entwicklungsgesellschaft“ gründen. Die mache die Kassen der Stadt wieder voll, zeigte er sich überzeugt.

„Flotte Sprüche, hartes Brot“, konterte Lothar Christ mit Blick auf ein knappes Flächenangebot. Bei Wohnbau- und Gewerbeflächen seien nur noch vier Hektar frei und nur noch eine Potenzialfläche (Kreisverkehr bei Plaß) frei, argumentierte er. In Sachen Wohnungsbau habe man einige Jahre zu wenig getan, aber inzwischen seien 80 Wohneinheiten geschaffen worden und 200 in Planung, hieß es weiter.

„Müssen wir expandieren?“, hinterfragte dagegen Benedikt Striepens. Beim Thema Gewerbeflächen solle man sich eher auf Erweiterungen von bestehenden Betrieben beschränken und stattdessen auf mehr Innovationskraft setzen.

Anstrengungen in Sachen Klimaschutz hielten alle drei Kandidaten für geboten. Der Klimawandel sei unstreitig, betonte Benedikt Striepens. Das müsse man in Werne wirklich ernst nehmen und es gehe auch nicht ohne Verbote.

Zu den Themen des Abends zählten ferner die Innenstadtgestaltung, Ausgleichszahlungen für Kraftwerksstilllegungen im Rahmen des Kohleausstiegs und Mobilität. Auch Fragen aus dem Publikum wurden beantwortet.

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