Fußballkommentator Hansi Küpper spielte früher in Werne selbst erfolgreich Fußball. Foto: Isabel Schütte
Fußballkommentator Hansi Küpper spielte früher in Werne selbst erfolgreich Fußball. Foto: Isabel Schütte
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Werne/Herbern. Wir schalten um ins Westfalenstadion Dortmund zu Hansi Küpper. Angefangen Ende der 1980er-Jahre beim Radiosender WDR2 (Bundesligakonferenz), kommentiert der seit wenigen Tagen 60-Jährige für das Fernsehen inzwischen Fußballspiele auf der ganzen Welt. Seit 2017 ist er beim Privatsender Sky als Reporter tätig. Die Corona-Pandemie hat alles verändert, auch die Bundesliga. Wo sonst Fans sitzen, ist aktuell endlose Leere. Geisterspiele sind zur Gewohnheit geworden. Hansi Küpper, der für den SSV Werne im Mittelfeld glänzte und mit der A-Jugend Westdeutscher Vizemeister wurde, erzählt im WERNEplus-Interview, wie er in der CoronaPandemie den Profi-Fußball als Kommentator erlebt.

Die Bundesliga-Saison geht in die entscheidende Phase. Wie lautet Ihr Zwischenfazit für diese doch sehr spezielle Fußball-Saison?

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Es ist eine Saison, wie wir sie noch nie erlebt haben. Viele Vereine kämpfen an zwei Fronten. Sie müssen sportlich liefern und sind in dieser außergewöhnlichen Zeit existenziell bedroht. Eins bleibt allerdings, wie es war: Bayern München wird Meister. Aus Sicht des Ruhrgebiets ist es natürlich bitter, dass gerade die beiden Reviervereine zu den Enttäuschungen zählen. Schalke besonders. Dass diese beiden so emotionalen und leidenschaftlichen Fan-Gemeinden in dieser Zeit nicht bei ihrer Mannschaft sein können, tut im Pott mehr weh als an anderen Bundesligaschauplätzen.

Wie stellt man sich die Arbeit in Zeiten von Geisterspielen vor, ohne Fans und ohne Stimmung?

Das war tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Du wirst natürlich auch als Kommentator von der Stimmung getragen. Und plötzlich kommentierst du Bundesliga in einer Kreisliga-Atmosphäre. Wir sind alle froh, dass gespielt wird. Aber wir fiebern auch dem Tag entgegen, an dem die Fans wieder da sind. Sie sind die Seele des Spiels.

Hat sich der Profi-Fußball durch die Corona-Pandemie verändert?

Ich glaube, dass die großen Veränderungen noch anstehen. Die Vereine werden auf Dauer den Kostenapparat runterfahren müssen. Und natürlich fragen sich viele Fans, weshalb eine Profitruppe und einige Funktionäre all das Geld verschlingen, was Hunderttausende über Tickets, Fanartikel, Catering in die Clubs spülen. Von Sponsoring und Fernsehgeldern ganz zu schweigen. Es ist höchste Zeit, dass sich das Establishment der Basis, die das Big Business erst möglich macht, wieder annähert.

Ihr Tipp: Schafft der FC Schalke 04 den Klassenerhalt und der BVB noch einen CL-Platz?

Da sehe ich die Chancen des BVB auf das Erreichen des Minimalziels besser. Die Mannschaft hat zumindest ab und zu gezeigt, was sie drauf hat. Schalke braucht ein kleines Wunder, zumal die anderen da unten gerade fleißig punkten. Der BVB hätte sich in jedem Fall so manche Turbulenz ersparen können, wenn er vor drei Jahren auf eine Expertenstimme gehört hätte. (Anm. d. Red.: Hier spielt Küpper auf die Talkrunde bei Sky an, als er schon 2018 prophezeite, dass Marco Rose Trainer beim BVB werden könnte).

Haben Sie in dieser Zeit einen Blick auf Lars Müller, Marvin Pourie und Kutte Öztürk?

Na klar. Wie Lars Müller und auch Stan Overmann den Werner SC nach vorne gebracht haben, ist bewundernswert. Zumal Werne ja nicht gerade eine fußballfreundliche Stadt ist. Marvin hab ich zu KSC-Zeiten sogar mal kommentiert, leider nicht aus dem Stadion. Dann hätten wir uns gesehen. Und bei Kutte bin ich zuversichtlich, dass sich unsere Wege noch das eine oder andere Mal kreuzen: im Stadion und in der Werner Fußgängerzone!

HINWEIS: Dieses Interview wurde bereits Mitte Februar geführt!

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