Werne. Der Jugendhilfeausschuss (JHA) hat der Fortschreibung der Kindergartenbedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2025/2026 einhellig zugestimmt. Grundlage der Planungen sind aktuelle Einwohnermeldedaten, sozialräumliche Analysen und städtebauliche Entwicklungen, vorgestellt von Rilana Grennigloh (Jugendhilfeverwaltung) in der Sitzung des JHA am 5. März 2025.
Derzeit werden in Werne 1.044 Kinder in 17 Kindertageseinrichtungen betreut, darunter 286 unter Dreijährige und 45 Kinder mit Behinderungen. Ergänzend dazu sind 65 Kinder in der Kindertagespflege untergebracht. Die Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren liegt aktuell bei 51 Prozent; im Bereich der Ü3-Kinder wird eine Versorgungsquote von 95 Prozent erreicht.
In mehreren Einrichtungen wurden Umstrukturierungen und Erweiterungen vorgenommen. Die Kita „Lütkeheide“ vollzieht zum 1. August 2025 ihre Gruppenumwandlung. Vier neue U3-Plätze entstehen, während 16 Ü3-Plätze entfallen. Die Kita „Am Familiennetz“ soll in einen Neubau auf dem Gelände St. Konrad ziehen. Zusätzlich wird eine Gruppe der Kita „St. Josef – Auf dem Berg“ integriert, wodurch insgesamt vier Gruppen entstehen.
Die Kita „St. Sophia“ hat bereits ihren Neubau an der Kirchstraße bezogen. Die Einweihung erfolgt am 21. März 2025. Die „Kita Pfiffikus“ benötigt ein neues Außengelände samt Spielgeräten. Ein Antrag beim LWL auf Investitionskostenzuschuss wird derzeit geprüft. Die „Kita Kunterbunt“ nimmt ab August 2025 auch Kinder unter zwei Jahren auf. Dabei entstehen vier neue U3-Plätze, während 14 Ü3-Plätze wegfallen.
Die Streichung von Ü3-Plätzen stimmte SPD-Abgeordnete besorgt. „Allein 16 Plätze in der Kita Lütkeheide, das macht mir Angst“, sagte Angelika Roemer. „Was ist, wenn der Bedarf an Ü3-Plätzen wieder steigt, kann man dann aufstocken“, ergänzte Cornelia Oßwald-Blaschke. Kann man, lautete die Zusage seitens der Jugendamtsvertreter. „Wir begleiten die Umstrukturierungen so, dass wir auf veränderte Nachfragen reagieren können“, erklärte Jugendamtsleiter Maik Rolefs. „Wir haben die Hand am Hörer, das ist der Vorteil einer kleineren Kommune. Allen Kindern, die im Anmeldeverfahren sind, können wir ein Angebot machen.“
Das zentrale Anmeldeverfahren für das Kindergartenjahr 2025/2026 lief vom 23. September bis zum 11. Oktober 2024. Eltern konnten ihre Kinder online vormerken lassen. War eine Aufnahme durch die angegebenen Wunscheinrichtung nicht möglich, machten Mitarbeiter des Jugendamts den Eltern alternative Vorschläge, damit der Rechtsanspruch sichergestellt war. Angeschrieben wurden 458 Familien, deren Kinder in Werne gemeldet sind und die bisher keinen Platz in Anspruch genommen haben. Daraufhin erfolgten 272 Anmeldungen. 264 konnte zugesagt werden. Das entspricht einer Quote von 97 Prozent. „Nicht alle Eltern haben ihren Kita-Platz angenommen“, sagte Grennigloh. „Zu den fünf Absagen, die Kinder unter drei Jahren betrafen, haben wir Tagespflegeplätze angeboten, die vier Familien in Anspruch genommen haben.“
Die Zuschussanträge der 17 Kindertageseinrichtungen wurden vorbereitet und werden jetzt nach der Zustimmung des JHA über das Online-Programm „KiBiz.web“ freigegeben. Die St. Christophorus-Jugendhilfe hat für die Kita „Tillo am Zauberwald“ einen Antrag auf Flexibilisierung der 35-Stunden-Betreuungsplätze gemäß Paragraf 48 des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) gestellt. Auf diese Weise sollen Eltern mit flexiblen Arbeitszeiten unterstützt werden. Hierfür soll eine zusätzliche Fachkraft mit 20 Wochenstunden eingestellt werden. Die Kosten dieser Stelle werden teilweise durch einen Landeszuschuss von 24.750 Euro und einen Beitrag des Jugendamtes von 8.250 Euro gedeckt.
Eltern, die im Kindergartenjahr 2025/2026 einen 45-Stunden-Betreuungsplatz wünschen, wurden im Januar schriftlich darüber informiert, dass diese Plätze nach Paragraf 33 KiBiz gedeckelt sind. Darauf wies Rilana Grennigloh hin. Für die Zuteilung ist ein Bedarfsnachweis erforderlich. Dr. Michelle Müller-Schaber von der CDU-Fraktion regte an, dieses Verfahren zu vereinfachen und nach Möglichkeit komplett zu digitalisieren. Für die Elternbeiträge werde ja das Gehalt abgefragt. „Und es ist unwahrscheinlich, dass dieses gleich bleibt oder sich erhöht, während die wöchentlichen Arbeitsstunden sinken.“ Außerdem sei dem Anschreiben zwar ein QR-Code beigefügt, aber der Arbeitgebernachweis über die Wochenstunden müsse doch wieder gescannt oder abfotografiert werden.“ Rolefs sagte zu, diese Anregung zu prüfen.
Die Bedarfsplanung für das kommende Jahr bleibt aufgrund der frühen Antragsfrist zum 15. März 2025 herausfordernd. Erst mit Abschluss der Betreuungsverträge werde sich zeigen, ob das geplante Platzangebot ausreichend ist. „Die Stadt Werne ist gut aufgestellt, um den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung sicherzustellen“, sagte der Ausschussvorsitzende Benedikt Striepens (Bündnis 90/Die Grünen) mit Dank an die Verwaltung.