Werne. Die Stadt Werne will die Ackerfläche zwischen Südring und der Straße „An den 12 Bäumen“ bebauen – zusammen mit dem Grundstückseigentümer Graf Kanitz.
Bei einer Bürgeranhörung am Mittwoch (9. Oktober 2024) stellten der Architekt Lothar Steinhoff aus Nordkirchen sowie Ralf Bülte, Leiter des Dezernats Planen und Bauen, die Entwicklung des Wohnquartiers vor – und sahen sich mit einer Vielzahl kritischer Anmerkungen und Fragen konfrontiert. Gegen die Bebauung hatte niemand etwas – gegen die geplante Verkehrsführung schon. So währte die anfängliche Freude von Bülte und Steinhoff über „das große Interesse“ nicht lange.
Fast 90 Einladungen hatte die Stadtverwaltung an die Anlieger versendet. Fast alle waren zur Informationsveranstaltung im Foyer des Stadthauses erschienen. Vorgesehen ist, auf einer Fläche von etwa 25.000 Quadratmetern verschiedene Wohnformen – Mehrfamilien-, Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser – zu errichten. Die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans beschloss der Ausschuss für Stadtentwicklung am 29. November 2023.
Anhand von Folien und Entwürfen entwickelte Steinhoff die Vision eines „innovativen“ und „nachhaltigen“ Wohnquartiers,: naturnah, stadtnah, ausgelegt auf E-Mobilität. Weitere Details beschrieben Gutachter und Fachplaner verschiedener Büros und Behörden. Die anwesenden Altanlieger interessierten sich allerdings erheblich mehr für die Verkehrsführung während der Bauphase und im fertigen Neubaugebiet.

Das Wohnquartier soll eine Ringstraße erhalten, die nur vom Südring her zugänglich sein wird. Es gibt keine Durchfahrt zur Straße „An den 12 Bäumen“ für Kraftfahrzeuge. Ein schmales Flurstück über einem Bewässerungskanal, das nicht bebaut werden darf, soll als Fuß- und Radweg längs durchs Quartier führen. Andererseits sieht das Konzept vor, dass entlang der Straße „An den 12 Bäumen“ etwa 26 Reihenhäuser sowie Ein- und Doppelhäuser entstehen.
Das Problem: Zum einen sollen diese Häuser von den „12 Bäumen“ her gebaut werden. Zum anderen sieht das Parkkonzept des Neubauviertels vor, dass jede Einheit zwei Stellflächen für Autos an den „12 Bäumen“ erhalten wird. Gegen beide Aspekte regte sich viel Kritik. Folgende neuralgischen Punkte brachten verschiedene Anwohner in der mehr als drei Stunden dauernden Anhörung zur Sprache:
1. Die Straße „An den 12 Bäumen“ ist aktuell schon stark verkehrsbelastet, vor allem der Abschnitt zwischen Tigge und Horneburg. Grund seien zwei jüngst errichtete Mehrfamilienhäuser: an der Ecke Tigge/12 Bäume sowie an der Tigge. Dazu kommen nach Aussagen mehrerer Zuhörender jene Nicht-Anlieger, die die Straßenführung über „Am Solebad“ und „Horneburg“ als „Abkürzungsrennstrecke“ nutzen, um die Ampel an der B54 in Höhe des Penny-Marktes zu umgehen.
2. Die Straße ist zu schmal für große Baufahrzeuge. Schon ein Müllfahrzeug und ein Pkw kommen nicht aneinander vorbei. Dass die Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen seien, zeige der Bau des Mehrfamilienhauses an Tigge/An den 12 Bäumen. Baufahrzeuge hätten die Nutzung der Straße erheblich beeinträchtigt; Feuerwehr- und Rettungswagen konnten die Anlieger nur bedingt erreichen.
3. Die Zufahrt von schweren Baufahrzeugen über die Kreuzungen Südring/Horneburg und Horneburg/An den 12 Bäumen sei, darauf wiesen mehrere Anwohner hin, mehr als heikel. Vor allem die Einmündung Südring/Horneburg ist so eng, dass zwei Pkw nur mühsam aneinander vorbeikommen – geschweige denn Baufahrzeuge. Damit bleibt die Zufahrt über die B54 – die aktuell an zwei Blumenkübeln endet, die aus gutem Grund zur Verkehrsberuhigung im westlichen Bereich der „12 Bäume“ aufgestellt worden sind. Die Frage, ob die Kübel den Baumaßnahmen oder sogar dem späteren Wohnquartier weichen müssen, könne er zum derzeitigen Stand nicht beantworten, sagte Ralf Bülte
4. Laut einem Verkehrsgutachten stelle das neue Wohnquartier nur eine geringe Mehrbelastung des aktuellen Verkehrsaufkommens dar. Mitarbeiter der NTS-Ingenieurgesellschaft hatten die Kraftfahrzeuge an zwei Wochentagen gezählt: an den Einmündungen B54/Südring, B54/An den „12 Bäumen“ und Horneburg/Südring. Bemängelt wurde, dass ein wichtiger Knotenpunkt nicht erfasst worden sei, die Einmündung B54/Am Solebad. Genau diese diene jedoch als besagte „Ausweichrennstrecke“.
5. Angesprochen wurde auch die Parksituation nach Fertigstellung des Neubaugebiets. „Wenn die neuen Anlieger an den 12 Bäumen Besuch bekommen, und der am Straßenrand parkt, ist die Straße schnell dicht“, bemerkte ein Anlieger.

Gefragt, ob die Anwohner mit Erschließungskosten für die Straße „An den 12 Bäumen“ zu rechnen hätten, sagte Bülte, es sei nicht vorgesehen, die Straße „endauszubauen“. Sollten Kanalarbeiten notwendig sein, „haben Sie einen wirtschaftlichen Vorteil, für den müssen Sie zahlen.“ Was Schäden durch Baufahrzeuge angehe, werde der Ist-Zustand vor Beginn der Baumaßnahmen dokumentiert. Den Ursprungszustand müsse der Bauträger wiederherstellen.
Vom Einwand zweier Anwesender, die bauliche Erschließung sei ursprünglich nur vom Südring her geplant gewesen, korrigierte Bülte. „Es ist üblich und sinnvoll, auf beiden Seiten einer bereits vorhandenen Straße zu planen.“ Das fertige Quartier werde ja tatsächlich nur über die Zufahrt vom Südring her erschlossen. Mehr als zurückhaltend reagierten Bülte und Steinhoff auf die mehrfach geäußerte Anregung, die an den „12 Bäumen“ geplanten Grundstücke quasi umzudrehen – sodass Eingang und Parkplätze zu Südring hin liegen, die Gärten auf der Nordseite zu den „12 Bäumen“. „Wir haben noch nicht abschließend entschieden, wie wir den Verkehr regeln, soweit sind wir noch nicht“, sagte Bülte abschließend. Er und Steinhoff sagten zu, das Thema „mitzunehmen“, um „vernünftige Lösungen“ zu finden.
Die Entwürfe des Architekturbüros Steinhoff sind auf einer eigenen Homepage veröffentlicht: https://wohnen-am-südring.de/