Samstag, Januar 28, 2023

Varianten-Wirrwarr im Rat: Zoff um Schulerweiterung hat ein Ende

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Wer­ne. Sehr lan­ge wur­de dis­ku­tiert. Am Mitt­woch­abend (07.12.2022) gegen 20.15 Uhr gab es im Stadt­rat dann die Ent­schei­dung zur bau­li­chen Erwei­te­rung der Wie­ha­gen­schu­le, die eine grö­ße­re Einig­keit als noch im Aus­schuss des Kom­mu­nal­be­triebs vor gut zwei Wochen brachte.

Die Poli­tik folg­te ein­stim­mig dem Vor­schlag der Ver­wal­tung (Vari­an­te 3), die alte Turn­hal­le auf dem Schul­ge­län­de abzu­rei­ßen und dort einen sepa­ra­ten Schul­an­bau (rund 700 Qua­drat­me­ter) zu errich­ten. Gleich­zei­tig soll an der Klöcknerstraße/Waldstraße/Stollenweg ein Dop­pel­turn­hal­le ent­ste­hen, um den Bedarf der Grund­schu­le zu decken. Dafür fiel die Abstim­mung mehr­heit­lich aus – bei einer Gegen­stim­me und eini­gen Enthaltungen.

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„Den Zuschau­ern im Saal muss die­se Debat­te unmög­lich vor­kom­men. Hier blickt kein Mensch mehr durch. Die Leu­te müs­sen uns für voll­kom­men irre hal­ten”, mahn­te SPD-Rats­herr Lars Hüb­chen im Anschluss an eine zehn­mi­nü­ti­ge Sit­zungs­un­ter­bre­chung mit wei­te­ren Bera­tun­gen an.

So könn­te ein sepa­ra­ter Anbau zum Schul­jahr 2025/26 aus­se­hen. Die Bestands­turn­hal­le wür­de weg­fal­len, die Schul­hof­flä­che blie­be gleich. Gra­fik: Stein­hoff Architekten

Zuvor hat­te Archi­tekt Lothar Stein­hoff sie­ben Vari­an­ten vor­ge­stellt, die einen sepa­ra­ten Neu­bau bei Erhalt der Bestands­turn­hal­le dar­stell­ten. Die CDU hat­te dies in der KBW-Sit­zung gefor­dert. Ergeb­nis der Prä­sen­ta­ti­on: Alle Vari­an­ten erwie­sen sich als unbrauch­bar, oft aus archi­tek­to­ni­schen oder eigen­tums­recht­li­chen Gesichts­punk­ten, aber stets, weil sie dem Wunsch der Schul­ge­mein­de ent­ge­gen stan­den. Schon vor zwei Wochen hat­te Nico­la Busch­kot­te, Lei­te­rin der Wie­ha­gen­schu­le, appel­liert, kei­ne Schul­hof­flä­che zu opfern. Aber genau das wür­de beim Erhalt der alten Turn­hal­le passieren.

Also stell­te sich Busch­kot­te, dies­mal unter­stützt von wei­te­ren Lehr­kräf­ten sowie OGS-Lei­te­rin Chris­ti­na Schmidt, erneut vor die poli­ti­schen Entscheidungsträger/innen und wie­der­hol­te gebets­müh­len­ar­tig: „Ver­klei­nern Sie nicht den Schul­hof! Hören Sie auf uns Exper­ten, sonst schlid­dern wir sehen­den Auges in die Kata­stro­phe. Es kom­men bei der voll­zo­ge­nen Fünf­zü­gig­keit 2025/26 schon 90 Kin­der mehr auf die gleich­blei­ben­de Flä­che. Ein zusätz­li­cher Bau funk­tio­niert nicht, wenn die alte Turn­hal­le bleibt. Fäl­len Sie zeit­nah eine Ent­schei­dung! Und for­dern Sie kei­ne Nach­sicht der Kin­der und Eltern gegen­über Bäu­men am Stol­len­weg oder einem Feu­er­wehr­haus in Stockum!”

Eine rund zwei­jäh­ri­ge Vakanz ohne zwei­te Hal­len­ein­heit stün­de den Wie­ha­gen-Kin­dern bevor. Ein Pro­vi­so­ri­um müss­te her. Der Schul­erwei­te­rungs­bau wäre zum Schul­jah­res­be­ginn 2025/26 fer­tig­ge­stellt. Gra­fik: KBW

Clau­dia Lan­ge (FDP) pflich­te­te Busch­kot­te bei: „Die Schu­le ist Lebens- und Lern­raum der Kin­der; die­sen dür­fen wir nicht ver­klei­nen, kei­nen Qua­drat­me­ter opfern. Wir pla­nen hier für Kin­der und Familien.”

Auch die CDU-Frak­ti­on schwenk­te schließ­lich auf die Linie der Schul­ge­mein­de um, wenn­gleich der Stand­ort für die Dop­pel­turn­hal­le an der Klöcknerstraße/Stollenweg/Waldstraße auf kei­ne Gegen­lie­be stieß. „Da wird ein Wald abge­holzt. Muss das sein?”, wehr­te sich CDU-Rats­herr Rai­mund Höl­scher, der genau wie Par­tei­kol­le­ge Fer­di­nand Schul­ze Fro­ning for­der­te, noch einen zwei­ten Stand­ort zu prü­fen. Frak­ti­ons­chefin Uta Lei­sen­tritt fass­te zusam­men: „Wir soll­ten uns meh­re­re Optio­nen offen­hal­ten und uns nicht auf eine Vari­an­te ver­stei­fen. Klappt der Neu­bau nicht, ste­hen die Kin­der noch viel län­ger ohne Hal­le da.” Bür­ger­meis­ter Lothar Christ infor­mier­te, dass man einen Bebau­ungs­plan nur in eine Rich­tung auf­stel­len könne.

Ulrich Hölt­mann (SPD) wun­der­te sich in Rich­tung Höl­schers, „dass die CDU jetzt auch ihr Herz für Bäu­me ent­deckt habe”. Die Sozi­al­de­mo­kra­ten ver­lang­ten genau wie die Grü­nen ent­spre­chen­de Aus­gleichs­maß­nah­men im Fal­le der Rodung des Baum­be­stands. „Und wir wer­den uns nicht nur mit ein paar Bäum­chen zufrie­den geben”, kün­dig­te Klaus Schlü­ter (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) an.

Eine Kos­ten­über­sicht, rein geschätzt, stell­te die Ver­wal­tung für drei Vari­an­ten vor.

Schließ­lich stell­te Phil­ipp Cra­mer, Lei­ter des Gebäu­de­ma­nage­ments im Kom­mu­nal­be­trieb Wer­ne, den geschätz­ten Zeit- und Kos­ten­rah­men der Maß­nah­men vor. Mit 14,58 Mil­lio­nen Euro kal­ku­lie­ren die Pla­ner die Kos­ten bei einem Rück­bau der Bestands­turn­hal­le, einem neu­en Schul­trakt sowie die Errich­tung einer neu­en Dop­pel­turn­hal­le. Aus­sicht auf knapp 3 Mil­lio­nen Euro För­der­mit­tel bestehen. 

Bür­ger­meis­ter Lothar Christ ergänz­te abschlie­ßend: „Aktu­ell sind die Kos­ten schwer ein­schätz­bar, auch ein Griff in den För­der­topf ist zum jet­zi­gen Zeit­punkt spekulativ.”

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