Diskutierten lebhaft bei „Werne vor der Wahl“: (von links) Rebekka Kämpfe, Dirk Oehler, Dominik Pfau, Martin Kesztyüs und Michael Thews. Foto: Gaby Brüggemann
Diskutierten lebhaft bei „Werne vor der Wahl“: (von links) Rebekka Kämpfe, Dirk Oehler, Dominik Pfau, Martin Kesztyüs und Michael Thews. Foto: Gaby Brüggemann
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Werne. Ein Bundestagsabgeordneter, Michael Thews (SPD), und vier Kandidaten/innen, die ihm bei der Bundestagswahl am 26. September im Wahlkreis 145 (Hamm, Lünen, Selm, Werne) das Direktmandat abjagen wollen, stellten sich am Donnerstagabend (19. August) in der virtuellen Wahlarena von KAB, Kolpingfamilie und Evangelischem Männerverein dem Wahl-Check „Werne vor der Wahl – das Original“.

Neben Arnd Hilwig (CDU) suchten Martin Kesztyüs (Grüne), Rebekka Kämpfe (Die Linke) sowie Dominik Pfau von der neu formierten Basisdemokratischen Partei Deutschland (die Basis) im zum Studio umfunktionierten Martin-Luther-Zentrum den Diskurs mit der politischen Konkurrenz. Die Direktkandidaten der FDP, Lucas Slunjski, und der Freien Wähler (FW), Folke Hellmig, waren eingeladen, aber verhindert und mussten ihre Teilnahme absagen.

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Als Moderatoren führten Jörg Weber (Kolpingsfamilie) und Dirk Oehler (Männerverein) das unter https://www.youtube.com/watch?v=V0YpxcojnXo zugeschaltete Publikum durch die rund zweistündige, digitale Livesendung, die auch im Nachgang auf Youtube abgerufen werden kann. In Zusammenarbeit mit Sport-Live-TV aus Dortmund wurden die Bewerber/innen mit vier Kameras ins Bild gerückt und hatten in dem gut strukturierten Format die Gelegenheit, die Eckpunkte ihrer Parteilinien zu vermitteln und dem politischen Gegner zu kontern.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es dann gleich in die Diskussionsrunden, die in wechselnden Konstellationen jeweils zu zweit oder zu dritt ausgetragen wurden. Dabei waren den Redner/innen feste Zeiteinheiten für ihre Beiträge vorgegeben, die im Übrigen von allen fair eingehalten wurden.

In vier Themenblöcken, einer Blitzfragerunde im 45-Sekunden-Takt und abschließenden Zuschauerfragen kamen die aktuellen Kernthemen sowie bundesweite, regionale und lokale Schlagzeilen auf die mit türkisfarbenen und somit farbneutral eingehüllten Stehtische.

„Wirtschaft und Arbeit“ lautete das erste Duell zwischen Arnd Hilwig und Michael Thews. Der Christdemokrat plädierte dafür, das Löhne von starken Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt werden sollten. Michael Thews verwies auf seiner Meinung nach positive Auswirkungen des Mindestlohns auf die Wirtschaft – 12 Euro seien das Minimum. Für einen Mindestlohn von 12 Euro sprach sich auch Martin Kesztyüs für die Grünen aus. Die Klimakrise ist da, wir müssen gut qualifizierte Jobs schaffen, lautete sein Credo. Rebekka Kämpfe forderte einen Mindestlohn von 13 Euro und ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dominik Pfau brachte für die Basis eine neue Form der Wählerbefragung ein. Anstatt die Wähler einmal alle vier Jahre zu befragen, sollte man mittels technischer Möglichkeiten wie Apps regelmäßige Meinungsbilder einholen. Wie dies technisch umzusetzen sei, sei noch offen, es gebe aber Konzepte, antwortete er auf Nachfrage aus der Runde.

Moderatoren und Kandidaten/innen (von links): Dirk Oehler, Jörg Weber, Arnd Hilwig, Rebekka Kämpfe, Matin Kesztyüs, Domink Pfau und Michael Thews. Foto: Gaby Brüggemann

Weitere intensive Diskussionen des Abends drehten sich um „Corona und Finanzen“, „Klima und Energie“ und „Demokratie und Werte“. Bei letzterem ging es um Wertverlust, Hetze im Internet von Beleidigungen bis hin zur Bedrohungen, leitete Jörg Weber zu diesem Thema über. Davon verschont war in der Kandidatenrunde niemand, wie sich in der Folge herausstellte.

In der anschließenden Blitzfragerunde antworteten die Kandidaten in jeweils 45 Sekunden auf die Schlagworte Flutkatastrophe, den lokalen Skandal um grausame Tierquälereien in der Werner Fleischerei Mecke oder die Eskalation in Afghanistan. Abschließend waren die Zuschauer an der Reihe. Sie hatten zum Teil schon im Vorfeld die Möglichkeit genutzt, Fragen einzureichen oder meldeten sich während der Veranstaltung zu Wort.

Die Bilanz bei den Veranstaltung von „Werne vor der Wahl“ wie bei den Gästen war gleichermaßen positiv. Letztere lobten das professionelle Format, dass nicht nur der Corona-Pandemie Rechnung trug, sondern auch mehr interessierte Zuschauer fand, als dies – wie in früheren Jahren – mit einer Veranstaltung im Kolpinghaus möglich gewesen wäre.

Die erfreuliche Resonanz auf das informative Angebot für vielleicht noch unentschlossene Wähler/innen belegte Jörg Weber am Tag darauf mit Zahlen. 135 Teilnehmer verfolgten die Live-Sendung, in der Spitze waren es bis zu 300, sagte er auf Nachfrage von WERNEplus. Auch nach der Veranstaltung seien immer noch weitere Zuschauer, auch Gruppen mit mehreren Teilnehmern, hinzugekommen. So hätte man auch Teilnehmer erreicht, die ansonsten wohl nicht dabei gewesen wären, meinte Weber. Grund genug, die Wahlarena auch vor der Landtagswahl 2022 wieder zu öffnen, hieß es abschließend.

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