Donnerstag, Dezember 8, 2022

Viel Hitze in Sicht – Klimaanalyse zeigt Strategien auf

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Wer­ne. „Ein gutes Kli­ma“ beschei­nig­te Dr. Moni­ka Stein­rü­cke vom Büro K‑Plan aus Bochum im Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung, Pla­nung und Wirt­schafts­för­de­rung, als sie dort die Ergeb­nis­se der gesamt­städ­ti­schen Kli­ma­ana­ly­se vor­stell­te. Im ver­gan­ge­nen Som­mer 2021 hat­te die Stadt die Ana­ly­se in Auf­trag gege­ben, um sie als wesent­li­che Grund­la­ge für künf­ti­ge städ­ti­sche Pla­nun­gen zu verwenden.

Doch eines mach­te die Exper­tin in ihrem kom­pakt-infor­ma­ti­ven Vor­trag auch gleich klar. Die gute Note bezieht sich vor allem auf den Ist-Zustand. Grund­la­ge dafür sind nicht nur gro­ße Frei­flä­chen, Wald­be­rei­che oder Parks, son­dern ins­be­son­de­re auch die Lip­pe und die Bach­läu­fe. So flie­ße die Kalt­luft von Nor­den nach Süden mit 2,5 Metern pro Sekun­de zum Lip­pe­tal ab und erzeu­ge Belüf­tung, erläu­ter­te sie. Die über­ge­ord­ne­te kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen wie zum Bei­spiel die häu­fig vor­herr­schen­den süd­west­li­chen Wind­strö­mun­gen blie­ben bei der Ana­ly­se dem­nach außen vor.

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Wer­ne-Kli­ma pro­fi­tiert vom Kalt­luft­strom zur Lippe

Für die Ana­ly­se wur­de das Stadt­ge­biet in soge­nann­te Kli­ma­to­pe unter­teilt, die sich in stark Hit­ze gepräg­ten Berei­chen wie Stadt- oder Gewer­be­ge­bie­ten oder Frei­flä­chen unter­schei­den. Die Ergeb­nis­se sind in einer Kli­ma­funk­ti­ons­kar­te abge­bil­det. Ihnen lie­gen die 2020 flä­chen­de­ckend per Satel­lit erfass­ten Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tu­ren im Stadt­ge­biet zu Grun­de. Auf die­ser Daten­ba­sis kön­nen die Stadt­pla­ner bei künf­ti­gen Pro­jek­ten Stra­te­gien ableiten.

Um das Stadt­ge­biet von Wer­ne innen wie außen gegen kom­men­de Kli­ma-Erwär­mun­gen wapp­nen, gilt es eini­ges zu tun oder auch zu unter­las­sen. „Unter den Bedin­gun­gen des Kli­ma­wan­dels ist es unver­zicht­bar, kli­ma­ti­sche Zie­le für die Stadt­ent­wick­lung zu for­mu­lie­ren. Die kli­ma­tisch wich­ti­gen Aus­gleichs­räu­me zwi­schen den Sied­lungs- und Gewer­be­flä­chen und ihre Wech­sel­be­zie­hun­gen mit den Lasträu­men in den Städ­ten und Gemein­den gewin­nen in Zukunft einen noch grö­ße­ren Stel­len­wert“, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.

Unter­schie­den wird in der Kli­ma­funk­ti­ons­kar­te nach Innenstadt‑, Stadt- und Sied­lungs­kli­ma­top sowie dem Kli­ma­top der locke­ren Bebau­ung im Last­raum. Dage­gen ste­hen im bio­kli­ma­ti­schen Aus­gleichs­raum die Park‑, Wald‑, Frei­land- und Gewäs­ser­kli­ma­to­pe. Fer­ner neh­men Ver­kehrs­flä­chen und die Fil­ter­funk­ti­on des Wal­des spe­zi­el­le Kli­ma­funk­tio­nen ein.

Wäh­rend in Wer­ne die Merk­ma­le der Innen­stadt­kli­ma­to­pe ent­spre­chend win­dar­men Hoch­druck­wet­ter­la­gen kaum vor­kom­men, gebe es gleich­wohl im Süd­wes­ten bei in den stark ver­dich­te­ten Gewer­be­ge­bie­ten hohe Tem­pe­ra­tu­ren. Auch in bebau­ten Berei­chen ist es abge­stuft wär­mer als in den Außen­be­rei­chen. Aus­glei­chend wir­ken da die Frei­flä­chen. Die­se und der Kalt­luft­strom sei­en wich­tig für die Stadt, beton­te die Kli­ma-Exper­tin. Beson­ders nachts sei­en hohe Tem­pe­ra­tu­ren für die Men­schen belastend.

Auf Nach­fra­ge von Artur Rei­chert (FDP) bezif­fer­te Stein­rü­cke die mög­li­chen Tem­pe­ra­tur­un­ter­schie­de zwi­schen Stadt- und Frei­raum­kli­ma­to­pen mit 8 bis 10 Grad Cel­si­us. Und die Zahl der hei­ßen Tage wer­de zwei­fel­los zuneh­men, beleg­te sie mit einem Bli­cke auf die Tem­pe­ra­tur­ent­wick­lung. So gab es um 1900 im Mit­tel zehn hei­ße Tage pro Jahr, heu­te sei­en es bereits 30. „Und die­se Zahl wird sich ver­dop­peln, wenn nicht ver­drei­fa­chen“, pro­gnos­ti­zier­te sie mehr und län­ge­re pau­sen­lo­se Hitze-Phasen.

Ein Mit­tel der Wahl in der Pla­nung wäre es bei­spiels­wei­se, neue Bau­kör­per längs zur Kalt­luft­strom anzu­ord­nen. Stell­schrau­ben im Detail sind etwa der Ver­zicht auf Schot­ter­gär­ten oder Dach­be­grü­nun­gen, die inner­halb der Gebäu­de für Tem­pe­ra­tur­min­de­run­gen sorge.

Soll­te es nach dem Bür­ger­ent­scheid bei den Pla­nun­gen für den Gewer­be­park Nord­lip­pe­stra­ße blei­ben, wer­de man die­se anhand der Kli­ma­ana­ly­se über­prü­fen, ver­si­cher­te Stadt­pla­ner Ralf Bülte.

Grund­sätz­lich müss­te die Kli­ma­ana­ly­se Teil der Bau­leit­pla­nung wer­den, fand Adel­heid Hau­s­chopp-Francke, sach­kun­di­ge Bür­ge­rin der SPD.

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1 Kommentar

  1. Zwei Mel­dun­gen des gest­ri­gen Tages zu über­re­gio­na­len und loka­len Pla­nungs­vor­ha­ben ergän­zen sich: „Mün­chen: Exper­tin emp­fiehlt Kom­mu­nen stär­ke­re Bür­ger­be­tei­li­gung.“ und „Wer­ne: Hot­spots und Kalt­luft­strö­me. Exper­tin stellt Kli­ma­ana­ly­se vor.” Da sind die Stadt und die Bür­ger­initia­ti­ve BIN ja auf dem rich­ti­gen, zukunft­wei­sen­den Wege. Am Sonn­tag fin­det die Bür­ger­be­tei­li­gung zum Gewer­be-/In­dus­trie­ge­biet an der Nord-Lip­pe­stra­ße mit dem Bür­ger­ent­scheid ihren Höhe­punkt. Pro und Con­tra wur­den im Vor­feld wei­te­rer Pla­nung und Umset­zung des Vor­ha­bens mit den Bür­gern abge­wo­gen. Exper­ten­wis­sen aus der Bür­ger­schaft wur­de nach­träg­lich zur all­zu eif­ri­gen Rats­ent­schei­dung und in Ergän­zung des dor­ti­gen Sach­ver­stands ein­ge­bracht. Dar­über kön­nen die Bür­ger froh sein und dies in einer star­ken Betei­li­gung am Bür­ger­ent­scheid am Sonn­tag zum Aus­druck brin­gen. Dass die anste­hen­de Ent­schei­dung im Zusam­men­hang mit gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen des Kli­ma­wan­dels steht, die gut bedacht wer­den müs­sen ist wohl allen Bür­gern auch dank Ihrer jour­na­lis­ti­schen Beglei­tung des Dis­kus­si­ons­pro­zes­ses bewusst gewor­den. Also: Glo­bal den­ken, lokal han­deln ist hier mal wie­der die ange­mes­se­ne Aufforderung.

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