Die Spielplätze in Werne wurden unter die Lupe genommen. Den Bericht gibt es im Jugendhilfeausschuss. Foto: Wagner
Die Spielplätze in Werne wurden unter die Lupe genommen. Den Zwischenbericht gab es im Jugendhilfeausschuss. Foto: Wagner
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Werne. „Unser Eindruck ist: Die Jugend hat in Werne keine Lobby“, sagte Christoph von Winterfeld am Donnerstag (9. September) im Jugendhilfe-Ausschuss mit Blick auf die Spielplätze in der Stadt. Sein Hamburger Büro „neue.schule“ war mit einer Bestandsaufnahme beauftragt worden. Die Ergebnisse mit der klar formulierten Kritik mussten Politik und Verwaltung erst einmal sacken lassen.

Im ersten Schritt habe man die rechtlichen Grundlagen überprüft und gemeinsam die Planung sowie die anschließende Analyse definiert, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Gespräche mit Jugendlichen, Anwohnern, Behindertenbeirat und der katholischen Kirchengemeinde hätten ebenfalls stattgefunden.

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Christoph von Winterfeld untersuchte nun, inwiefern die Stadt Werne den Erlass des Innenministeriums von 1974 umsetzt, Kinder und Jugendliche ausreichend mit öffentlichem Spielraum zu versorgen. Dabei teilte sein Büro das Stadtgebiet in verschiedene Bezirke ein und untersuchte dort im Verhältnis zur Einwohnerzahl die Versorgung mit Spielplätzen, von denen es drei Typen gibt:

Typ A: alle Altersstufen, Nettospielfläche mindestens 1.500 Quadratmeter, sollen 40 bis 60 Prozent der Spielfläche der Kommune ausmachen.

Typ B: schulpflichtige Kinder, Nettospielplätze mindestens 400 Quadratmeter, sollen 20 bis 50 Prozent der Spielfläche der Kommune ausmachen.

Typ C: Kleinkinder, Nettospielfläche mindestens 60 Quadratmeter, sollen ca. 20 Prozent der Spielfläche der Kommunen ausmachen.

„Sie haben sicher keinen Flächenüberhang“, betonte von Winterfeld gleich in seinem ersten Satz und verwies auf das Minus von knapp 9.000 Quadratmetern. Vor allem vom Typ C (4 Prozent) habe die Stadt Werne zuwenig Spielflächen, Typ A machen 41 Prozent und Typ B 55 Prozent aus. „Um das Minus auszugleichen, müssen Sie nicht unbedingt neu bauen. Sie können an verschiedenen Stellschrauben drehen. Denn ein Kind spielt immer da, wo es gerade ist“, verwies der Gutachter auf Möglichkeiten von Schulhöfen, Sportanlagen sowie Spielstraßen als Räume.

Gutachter Christoph von Winterfeld legte beim Zwischenbericht für die Spielplatzentwicklungsplanung in Werne den Finger in die Wunde. Foto: Wagner

Die vorläufigen Empfehlungen des Büros „neue.schule“ an die Stadt Werne lauten, Flächen nicht vorschnell zu veräußern, sondern für die Gestaltung vorzuhalten, Beteiligungen von Nutzern und Anwohnern durchzuführen und über Patenschaften und Beteiligungsverträgen (mit Pflichten wie Rasenschnitt oder Müllbeseitigung) nachzudenken.

Abschließend stellte Christoph von Winterfeld in Werne eine „überalternde Gesellschaft“ fest, die gar nicht an Jugendliche interessiert sei. Da musste auch Ausschussvorsitzender Benedikt Striepens (Bündnis 90 / Die Grünen) schlucken: „Wir hatten einen anderen Bericht erwartet. Jetzt wird es Zeit für einen Paradigmenwechsel.“

Bürgermeister Lothar Christ, der die Sitzung verfolgte – Jugendamtsleiter Maik Rolefs befindet sich aktuell in Elternzeit –, sagte: „Wir sind dankbar für die neuen Erkenntnisse, die wir erst einmal verarbeiten müssen. Wir müssen eine Qualitätsdebatte führen und sind uns bewusst, dass wir keineswegs Spielplätze abrüsten dürfen.“

Rolf Weißner (CDU) ergänzte: „Das war ein Schlag ins Kontor. Ich dachte immer, dieser Ausschuss sei die Lobby für die Jugend. Aber uns ist klar, dass für Jugendliche ab 14 Jahre aufwärts Räume fehlen.“ Wiebke Kramer aus dem Jugendamt fasste die Diskussion zusammen: „Jetzt steht ein großer Schritt bevor, nämlich die Befragung und Beteiligung von Nutzern. Diese räumliche Analyse wird in den Prozess einfließen.“

Der von der CDU eingebrachte Antrag, dass die Verwaltung ein Patenkonzept für Spielplätze erarbeiten solle, wurde nach dem Expertenvortrag einstimmig angenommen.

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