In der alten Wienbredeschulen sollen 16 Arbeitsplätze für die Stadtverwaltung geschaffen werden. Foto: Wagner
In der alten Wienbredeschulen sollen 16 Arbeitsplätze für die Stadtverwaltung geschaffen werden. Foto: Wagner
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Werne. Die Stadtverwaltung platzt aus allen Nähten, der Raumbedarf für die Mitarbeiter/innen ist akut. Abhilfe soll nun ein zeitlich befristeter Umzug in die ehemalige Wienbredeschule schaffen. Dazu wird die eigentlich geplante Entwicklung des Grundstücks zu Bauland verschoben. Das sorgte für Diskussionen im Haupt- und Finanzausschuss am Mittwoch (16. Juni 2021).

Zur Anmietung externer Räumlichkeiten konnten sich die Mitglieder des Ausschusses im März 2021 nicht entschließen, so dass sich ein interfraktioneller Arbeitskreis mit dem Ziel, Alternativen zu finden, gebildet hatte. Dieser regte die vorübergehende Nutzung (maximal fünf Jahre) der leer stehenden Wienbredeschule an. Nach grober Kostenschätzung gehe die Verwaltung von einem Kostenaufwand in Höhe von 100.000 Euro (zunächst ohne Betriebskosten) aus, heißt es in der Verwaltungsvorlage, die zur Abstimmung stand. 16 Arbeitsplätze sollen im alten Schulgebäude entstehen, zudem könnten die bislang im Stadthaus tagenden Fraktionen Klassenzimmer nutzen. So würden innerhalb des Stadthauses weitere Kapazitäten frei.

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„Das darf nur der erste Aufschlag gewesen sein. Wir müssen größer denken und sofort mit den Planungen beginnen“, forderte Uta Leisentritt (CDU).

Nicht einverstanden mit der Kehrtwende zeigte sich die SPD, die selbst nicht am interfraktionellen Arbeitskreis teilgenommen hatte. Fraktionschef Lars Hübchen meinte: „Der Bedarf ist nachvollziehbar, doch das Grundstück wird jetzt erst einmal der städtebaulichen Entwicklung entzogen. Man verbaut sich so die Flexibilität auf diesem Grundstück, dessen Veräußerung eine Säule im Haushaltssicherungskonzept ist.“ Die Stadt investiere 100.000 Euro und dann käme der Abrissbagger, monierte er.

Die Sozialdemokraten bevorzugen eine Anmietung von externen Räumlichkeiten sowie ein Konzept zu Desksharing und Homeoffice. Dem widersprach Klaus Schlüter (Bündnis 90 / Die Grünen): „Die Situation ist eine andere als noch vor zwei Jahren. Daher trage ich die Pläne mit. Noch einmal werde ich aber nicht zustimmen. Wir benötigen ein solides Konzept für die Zukunft.“ Genau wie Uta Leistentritt sieht er in der Anmietung externen Räume deutlich höhere Kosten. Die CDU-Ratsherrin befürchtet auch in der Zurückstellung der Baugebietentwicklung keine Probleme: „Wir haben ja jetzt unter anderem Baaken und Bellingholz-Süd in den Stiel gestoßen.“

Benedikt Striepens (Bündnis 90 / Die Grünen) stimmte, anders als seine Fraktionskollegen Schlüter und Stroben, gegen die Verwaltungsvorlage. „Es gibt keine Zeichungen, nur eine grobe Schätzung. Und zu was Abweichungen führen können, haben wir beim Feuerwehrhaus in Stockum gesehen.“

Christian Thöne (FDP) fasste zusammen: „Die Besprechungen im Arbeitskreis liefen sauber. Durch die vorgeschlagene Variante verschaffen wir uns Luft und Zeit. Aber wir benötigen auch eine präzisere Kostenschätzung.“

Bei vier Nein-Stimmen (SPD-Fraktion und Benedikt Striepens) beauftragte die Mehrheit der politischen Vertreter/innen die Verwaltung, für den Verwaltungsbetrieb notwendige Teile der Wienbredeschule für die vorübergehende Nutzung als Bürofläche herzurichten. Bürgermeister Lothar Christ hatte das Schlusswort: „Wir hadern auch, haben aber keine greifbare Alternative. Und wir stehen in der Verantwortung, unsere Mitarbeiter/innen, von denen wir viel verlangen, vernünftige Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.“

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