Um dieses Gebiet nördlich der Nordlippestraße geht es: Hier will die Stadt Werne ein neues Gewerbegebiet entwickeln. Foto: Klaus Brüggemann
Um dieses Gebiet nördlich der Nordlippestraße geht es: Hier will die Stadt Werne ein neues Gewerbe- und Industriegebiet entwickeln. Foto: Klaus Brüggemann
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Werne. Die Klimainitiative Natürlich! Werne kritisiert angesichts der „drohenden Klimakrise“ in einer Pressemitteilung die geplante Entwicklung des Gewerbe- und Industriegebietes Nordlippestraße Nord in dem dortigen Landschaftsschutzgebiet.

Im Dezember hatte die Stadt Werne wie berichtet in einer positiven Stellungnahme zum Regionalplan zugestimmt, eine rund 60 Hektar großen Fläche als Gewerbe- und Industriegebiet auszuweisen. Konkret entwickelt werden sollen davon 32 Hektar nördlich der Nordlippestraße. Im März wurde dann das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes und zur Aufstellung des Bebauungsplanes für diesen bislang intensiv-landwirtschaftlich genutzten Bereich eingeleitet. Die im Regionalplan darüber hinaus verzeichneten rund 30 Hektar südlich der Nordlippestraße (angrenzend an die Firma Plaß) bleiben von solchen Planungen aber gänzlich unberührt.

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Uta Kurz und Dominik Büning wenden sich gegen das Gewerbegebiet und schreiben für die Klimainitiative: „Noch im August 2019 wurde ,unser grünes Tor zum Münsterland´ vom Kreis Unna als schützenswertes Landschaftsschutzgebiet bestätigt. Jetzt soll auf diesen wertvollen Böden das cirka 32 Hektar große „Industriegebiet Nordlippestraße Nord“ entstehen. Für den umstrittenen Bau des größten Industriegebietes, das es in Werne jemals gegeben hat, wird die letzte stadtnahe Erholungs-Oase zerstört und wertvolles Ackerland für immer versiegelt. Wenn man den Landschaftsplan Nr.2 für den Raum Werne-Bergkamen liest, wird schnell klar, dass der gesamte Bereich des 60 Hektar großen, geplanten Industriegebietes Nordlippestraße auf einem ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet errichtet werden soll.“

Es werde darin gefordert, dass die vorhandene Landschaft erhalten und darüber hinaus weitere Verbesserungen vorgenommen werden sollen, heißt es weiter. Dabei seien die Anlage von unbewirtschafteten Säumen, neuen Anpflanzungen und Amphibienlaichgewässern vorgeschlagen worden. „Konkret werden dort der Landschaftsraum in Werne-Holthausen zu beiden Seiten der B 54 genannt, sowie der Landschaftsraum zwischen dem Ortsteil Werne-Holthausen und der A 1 nördlich der Nordlippestraße. Ziel ist es, die aktuell vorhandenen Defizite abzubauen und somit die Struktur der Landschaft zu verbessern, um damit aktiven Klimaschutz zu unterstützen und die Qualität für die Naherholung zu steigern“, schreiben Kurz und Büning. Man frage sich, ob die Verwaltung der Stadt Werne nichts vom Landschaftsschutzgebiet wusste und fahrlässig gehandelt habe,  oder ob sich der Ausschuss für Stadtentwicklung sogar vorsätzlich über die fachlich fundierten Vorgaben des Landschaftsplanes Nr. 2 hinweggesetzt habe.

Ralf Bülte, Dezernent für Stadtplanung bei der Stadt Werne, erklärte dazu auf Nachfrage von WERNEplus, dass fast der komplette Außenbereich der Stadt Werne im Landschaftsplan als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sei. Die Pläne für die Entwicklung des Gewerbe- und Industriegebietes habe man im Vorfeld mit übergeordneten Behörden wie dem Regionalverband Ruhr, zuständig für Regionalplanung und Regionalentwicklung,  und der Bezirksregierung Arnsberg als obere Naturschutzbehörde abgestimmt. Der Kreis Unna als untere Naturschutzbehörde habe der Flächenausweisung im Regionalplan ebenfalls  zugestimmt.

Schutzwürdige Landschaftselemente, wie beispielsweise die Randgehölze an den Straßen, würden erhalten und mit Abstandsregeln geschützt. Das gelte auch für einzelne Baumgruppen und einen kleinen Wald an der östlichen Grenze der Fläche. Die Entwicklung eines Gewerbe- und Industriegebietes sei eine schwierige Abwägungsentscheidung für die Stadt. Es gehe dabei sowohl um die Ansiedlung externer Betriebe als auch um Erweiterungsoptionen für lokale Firmen, um Abwanderungen zu vermeiden, hieß es sinngemäß.

Aktuell befinde sich die Verwaltung, explizit Bürgermeister Lothar Christ und Kämmerer Marco Schulze Beckinghausen, in Gesprächen mit den beiden Grundstückseignern, erläuterte Bülte den Stand des Verfahrens.  Sie würden sich Ersatzland für ihre Ackerflächen wünschen.

Mit dem Thema befasst sich auch die neu gegründete Bürgerinitiative Nordlippestraße, kurz „BIN“. Zu einer ersten Online-Sitzung hat man sich Anfang April zusammengefunden. Rund 20 Bürger waren dabei, 160 haben sich als Mitglieder bereits angeschlossen.

Natürlich! Werne Die Klimainitiative: https://natuerlich-werne.jimdosite.com/

Bürgerinitiative Nordlippestraße BIN: WWW.BINdabei-Werne.de

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