Constanze Rauert, Anwohnerin der Bonenstraße, hat sich im Streit um den gepflanzten Baum vor dem Restaurant La Strada eingeschaltet und einen Offenen Brief an Bürgermeister Lothar Christ geschrieben. Foto: Wagner
Constanze Rauert, Anwohnerin der Bonenstraße, hat sich im Streit um den gepflanzten Baum vor dem Restaurant La Strada eingeschaltet und einen Offenen Brief an Bürgermeister Lothar Christ geschrieben. Foto: Wagner
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Werne. Constanze Rauert ist Anwohnerin der Bonenstraße mit unmittelbarem Blick auf den „Baum des Anstoßes“ vor dem Restaurant La Strada. Mit einem Offenen Brief an Bürgermeister Lothar Christ sowie die Frauen und Männer im Stadtrat wolle sie „eine andere Sicht vorstellen und dazu einzuladen, die Diskussion neu einzuordnen“.

Sie weist darauf hin, dass der Baum ein Kompromiss sei, den eigentlich seien zwei Bäume vorgesehen gewesen. Constanze Rauert meint: „Dass der eine Baum, der es nun in die Erde geschafft hat, als störend empfunden und wieder ausgebuddelt werden könnte, besorgt mich.“

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Die Anwohnerin empfinde etwas Grün in der Innenstadt als attraktiv. Gleichzeitig wolle sie auch einen Beitrag für die Zukunft der Fußgängerzone tun und eine Baumpatenschaft übernehmen.

Der Offene Brief von Constanze Rauert im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Christ, sehr geehrte Vorsitzende der Fraktionen im Rat der Stadt Werne,

ich lebe seit über 30 Jahren in der Fußgängerzone und verfolge natürlich mit Interesse die Sanierung des Innenstadtkerns, die nun am Ende der Bonenstraße angekommen ist und damit vor ihrem Abschluss steht.

Es hat recht lange gedauert, auch weil die Stadt die Arbeiten monatelang unterbrach, um der Gastronomie der Bonenstraße in Zeiten von Corona größtmöglichen Raum für ihre Geschäfte zu geben.

Nun lese ich, dass wohl nicht alle wahrgenommen haben, wie die Bonenstraße nach der Sanierung aussehen wird. Insbesondere ein gerade gepflanztes Bäumchen vor dem Wohn- und Geschäftshaus Nr. 37/39 scheint bis vor wenigen Tagen der Aufmerksamkeit mancher entgangen zu sein.

Das junge Grün soll nun mittels Dringlichkeitsantrag kaum gepflanzt schon wieder ausgebuddelt werden. Dies wohl dann erneut auf Kosten der Allgemeinheit, denn die Fußgängerzone ist öffentlicher Raum, nicht privater (Bier-)Garten.

Dass Veränderungen vor der eigenen Tür nicht bemerkt werden, kommt vor. Es verwundert mich in diesem Fall aber, weil sich die Sanierung der Bonenstraße, Diskussion und Berichterstattung dazu über Jahre hinziehen.

Politik und Verwaltung haben die Pläne in dieser langen Zeit immer wieder mit Interessierten u.a. bei Bürgerbeteiligungen und Gesprächen vor Ort ebenso öffentlich wie breit besprochen.

Mehr noch: Wer keine Zeit für den Besuch im Stadthaus hat(te), kann die aktuellen Pläne jederzeit im Vorbeigehen in Augenschein nehmen: Sie hängen seit Monaten in Schaufenstern im Baustellenbereich der Bonenstraße aus.

Die Sanierung soll den Innenstadtkern für die Geschäftswelt und als Erlebnisraum attraktiver machen. Die Fußgängerzone ist aber auch ein Wohnquartier, und dieses wird immer stärker beansprucht durch:

– lebhaften Lieferverkehr zu fast jeder x-beliebigen Zeit,

– Menschen, die so schlecht sehen, dass sie Müllbehälter nicht zu erkennen vermögen,

– Tierliebhaber*innen, die Tauben für eine vom Aussterben bedrohte Art halten und deshalb fett füttern,

– Fans eines lebhaften Nachtlebens ohne Sperrstunde, die völlig zugedröhnt mehr als nur rumrüpeln,

– eine veränderte Akustik nach dem Wegfall von „Lärmschluckern“ – sprich Bäumen.

Deshalb freue ich mich mit anderen sehr, dass nun erneut ein Bäumchen in der Bonenstraße gepflanzt wurde und damit der im Sturm 2006 umgeknickte Vorgänger ersetzt wird. Dass es statt der ursprünglich vorgesehenen – und im ausgehängten Plan erkennbaren – zwei Bäume nur einer in die Erde geschafft hat, ist schon ein durch Bürgerbeteiligung / Interessensabwägung gefundener Kompromiss.

Ich akzeptiere diesen Kompromiss und erhoffe dies auch von anderen, weil genau so etwas unseren respektvollen Umgang miteinander idealerweise kennzeichnet.

Und ehe jemand fragt: Nein, ich möchte nicht aus der (Innen-)Stadt wegziehen. Ich genieße die Nähe zu fast allem und nehme die erwähnten, von uns Anwohner*innen eher nicht verursachten oder beeinflussbaren Entwicklungen hin.

Ich tue dies in der Überzeugung, dass Politik, Verwaltung und Mitbürger*innen auch unsere Sorgen im Blick behalten, ihnen Bedeutung beimessen und uns damit als Teil des Stadtlebens / Gemeinwesens Werne wahr- und ernst nehmen.

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