Absaug-Einsatz gegen die Eichenprozessionsspinner im letzten Jahr: In Schutzkleidung und mit einem speziell ausgerüsteten Industrie-Sauger gehen Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) gegen die giftigen Raupen vor. Archivfoto: Stadt Lünen
Absaug-Einsatz gegen die Eichenprozessionsspinner im letzten Jahr: In Schutzkleidung und mit einem speziell ausgerüsteten Industrie-Sauger gehen Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) gegen die giftigen Raupen vor. Archivfoto: Stadt Lünen
Anzeige

Lünen. Die Stadt Lünen stellt sich darauf ein, den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen. Bei der Stadtverwaltung koordiniert die Abteilung Stadtgrün in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsbetrieben Lünen (WBL) die Bekämpfung der giftigen Eichenprozessionsspinner im öffentlichen Raum.

Bislang sind im Stadtgebiet noch keine Eichenprozessionsspinner aufgetaucht. Lediglich leere Nester aus dem vergangenen Jahr wurden bisher bei Stadtgrün gemeldet und umgehend entfernt, denn auch verlassene Nester können die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners verteilen. Noch sei aber nicht mit einem massiven Befall zu rechnen. „Zwei, drei warme Tage reichen nicht aus. Im Moment haben wir nachts sogar noch Minustemperaturen. Aber wenn es längerfristig warm wird, kann sich der Eichenprozessionsspinner schnell ausbreiten. Wir sind aber vorbereitet“, erklärt Thomas Herkert, Leiter der Abteilung Stadtgrün.

Anzeige

Bei der Entfernung der Nester setzt die Stadt Lünen wie in den vergangenen Jahren auf das Absaugen als Methode der Wahl. Der Einsatz von Spritzmitteln, die auch nützlichen Insekten schaden, hält die Stadt für unverantwortlich. Auch den Einsatz von Nematoden – Fadenwürmer, die natürliche Feinde von Raupen sind – sieht die Stadt kritisch, denn sie unterscheiden nicht zwischen den Raupen des Eichenprozessionsspinners und den ungefährlichen Raupen anderer Falterarten.

Bei der Bekämpfung müssen Prioritäten gesetzt werden: Zuerst lässt die Stadt die giftigen Tiere an Kindertagesstätten, Schulen und Spielplätzen entfernen. Dann folgen Straßen, Friedhöfe sowie Grün- und Parkanlagen. Zuletzt dann naturnahe Baumbestände und Waldgebiete. „Unser Ziel ist es, nach Möglichkeit Sperrungen zu vermeiden. Das hat im letzten Jahr in Lünen gut funktioniert“, resümiert Herkert. Wenn die Zahlen steigen, können die WBL allerdings nicht mehr die Bekämpfung übernehmen. Die Beseitigung wird dann an Fachfirmen übertragen, die bereits informiert und einsatzbereit sind. 2020 waren zwischenzeitlich insgesamt drei Firmen mit acht Teams zu je zwei Personen im Einsatz, um die Situation in den Griff zu bekommen. Etwa 300.000 Euro hat die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners die Stadt Lünen im letzten Jahr gekostet.

Als natürliches Abwehrmittel hatte die Stadt Lünen schon im vergangenen Jahr im Vorfeld der Raupen-Saison 100 Meisen-Nistkästen im Stadtgebiet installiert. In diesem Jahr kommen weitere 50 Nistkästen hinzu. Die Kästen befinden sich schwerpunktmäßig in der Nähe von Schulen und Kitas. Meisen gelten als Fressfeinde des Eichenprozessionsspinners, der sich ansonsten mit seinen giftigen Nesselhaaren gegen viele andere Tiere zur Wehr setzt. „Die Meisen-Nistkästen haben den Raupenbefall im vergangenen Jahr spürbar reduziert. Aufgrund der guten Erfahrungen haben wir die Anzahl der Nistkästen noch einmal deutlich erhöht“, sagt Herkert.

Nicht nur die Stadt hat mit dem Eichenprozessionsspinner zu kämpfen. Auch auf privaten Flächen muss er beseitigt werden. Die Stadt fordert deshalb Privatleute dazu auf, auf ihrem Grundstück ebenfalls gegen die Raupen vorzugehen. „Nur so kann die Ausbreitung der Tiere verhindert werden. Es bringt ja wenig, wenn wir an einer Kita die Raupen absaugen und auf der Eiche auf dem privaten Nachbargrundstück dürfen sie sitzenbleiben,“ appelliert Herkert an die Bürgerinnen und Bürger. Die Stadt rät allerdings dringend davon ab, sich selbst an der Bekämpfung zu versuchen. Unsachgemäß durchgeführt kann ein Bekämpfungsversuch zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Angeblich wirksame „Hausmittel“, wie die Behandlung mit kochendem Wasser, können außerdem dem Baum dauerhafte Schäden zufügen. Bürgerinnen und Bürger, die Fragen zur Bekämpfung haben, können sich bei der Abteilung Stadtgrün unter der Rufnummer 02306 104-1685 melden.

Die Stadt weist zudem darauf hin, dass auch die Raupen der Gespinstmotte in den nächsten Wochen verstärkt auftreten werden. Insbesondere in den Lippeauen sind die Tiere zu finden. Diese Raupen befallen Sträucher und Kleinbäume wie Weiden und Weißdorne. Sie wickeln das gesamte Gehölz in ein weißes, dichtes Gespinst ein. Das sieht zwar gespenstisch aus, die Tiere sind aber für Menschen und Haustiere völlig ungefährlich. Die Raupen der Gespinstmotte werden häufig mit denen des Eichenprozessionsspinners verwechselt. Der Eichenprozessionsspinner befällt aber fast ausschließlich Eichen. Die Gespinste sind eher dunkel und haben meist die Größe eines Hand- oder Fußballs.

Anzeige