Seit 1995 verwaltet Stefan Grünert die Geschicke von Schloss Westerwinkel und die Ländereien des Grafen von Merveldt in und um Herbern. Foto: Isabel Schütte
Seit 1995 verwaltet Stefan Grünert die Geschicke von Schloss Westerwinkel und die Ländereien des Grafen von Merveldt in und um Herbern. Foto: Isabel Schütte
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Herbern. Stefan Grünert feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Rentmeister Jubiläum in der Graf von Merveldt´schen Verwaltung. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden alle Feierlichkeiten abgesagt.

Herr Grünert, seit 1995 lenken Sie die Geschicke von Schloss Westerwinkel und verwalten die Ländereien des Grafen von Merveldt in und um Herbern. Wie muss man sich die Zusammenarbeit mit einem Grafen als Chef vorstellen?

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Die Zusammenarbeit ist von einem tiefen Vertrauensverhältnis geprägt, welches selbstverständlich nicht von Beginn des Dienstverhältnisses an sofort vorhanden war, sondern im Laufe der Zeit erwachsen ist. Natürlich muss man die Wünsche und Eigenarten eines Dienstherrn und die Familientraditionen kennen lernen und akzeptieren, dieser Respekt beruht aber auf Gegenseitigkeit, so dass zum Wohl des anvertrauten Besitzes eine konstruktive Zusammenarbeit erfolgen kann. Ansonsten dürfte man Graf von Merveldt bekanntlich als eine sehr natürliche Person bezeichnen. Leider kann ich Ihnen keine Schloß- und Filmromantik, wie etwa aus Filmen wie der „Kleine Lord“ anbieten.

Welche Projekte tragen Ihre Handschrift und was haben Sie noch für Ziele in den nächsten Jahren?

Zunächst einmal ist es die ureigene nach außen wenig spektakuläre Aufgabe eines Rentmeisters, solide Finanzen und eine geordnete Verwaltung des Gesamtvermögens zu führen. Da ich von Westerwinkel aus für den gesamten Besitz zuständig bin, gibt es natürlich viele Dinge und auch Projekte, welche in Herbern nicht in Erscheinung treten.

Eine Schwerpunktaufgabe war und ist es, den umfangreichen Immobilienbesitz durch Sanierungen und Renovierungen in einen zeitgerechten Zustand zu versetzen und diesen entsprechend zu nutzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man nur das dauerhaft erhalten kann, was man auch sinnvoll nutzen kann. In Westerwinkel ist dieses sicher die Unterhaltung und Pflege des Schlosses und des umliegenden Geländes, sowie der diversen Häuser im Umfeld. Augenscheinlich ragen hier sicherlich die sogenannten „Neuen Häuser“ hervor, welche durch gezielte Sanierungen dauerhaft für die Nachwelt erhalten wurden und gleichzeitig eine sinnvolle und dauerhafte wirtschaftliche Nutzung erfahren haben.

Natürlich habe ich auch weiterhin vor, diesen Weg fortzuführen. Mir fallen da noch genug Objekte ein, welche nicht immer in direkter Umgebung von Westerwinkel oder Herbern liegen müssen.

Genauso lange wie sie auf dem Schloss arbeiten, gibt es den Golfplatz. Wie hat er sich rund ums Schloss eingefunden?

Ich denke, nach 25 Jahren dürfte auch der letzte Skeptiker erkannt haben, dass die Golfanlage für das Schloß Westerwinkel, das Umfeld und insbesondere für Herbern eine absolute Bereicherung darstellt, wenngleich dieser aus wirtschaftlicher Sicht für Graf von Merveldt absolut überschätzt wird. Die Pachteinnahmen für Golfplätze unterscheiden sich heutzutage nicht so signifikant von den Pachtpreisen aus der landwirtschaftlichen Verpachtung. Gleichwohl trägt die Golfanlage zur Verbesserung des Umfeldes, zur Verschönerung der Landschaft bei. Dieser verbessert das wirtschaftliche Umfeld und schafft Arbeitsplätze in und um Herbern. Ebenfalls ist dieser für den Natur- und Artenschutz eine erhebliche Bereicherung. Durch die Anlage vieler Gewässer und Kleinbiotope und die einvernehmliche von mir angeregte naturgemäße Pflege der zur Golfanlage gehörenden extensiv genutzten Flächen wird ein wesentlicher Beitrag zum Artenschutz geleistet. Nicht zuletzt erfreut die öffentliche Gastronomie viele Besucher.

Sie wohnen im Rentmeisterhaus an der Brücke mit Blick auf das Schloss. Ist das Fluch oder Segen?

Das haben Sie schon richtig erkannt! Natürlich sind wir, d.h. meine Ehefrau und ich, glücklich und dankbar in einem derartigen Anwesen in der wunderschönen Lage leben zu dürfen. Gleichzeitig darf man jedoch nicht verkennen, dass damit in Verbindung mit meinem Beruf eine sieben Tage-Präsens besteht, man Dinge nicht einfach ablegen kann und praktisch gedanklich immer im Dienst ist. Damit kann ich eigentlich ganz gut leben, was mir aber zunehmend zusetzt, ist die Ignoranz von Eigentum und die Missachtung der Privatsphäre anderer Menschen. Das was man für sich absolut reklamiert, gilt nicht unbedingt für die Anderen und erst recht nicht, wenn man ein Schloß besucht! Hier ist nicht nur in Coronazeiten, in denen eine gigantische Zunahme von Besuchern der Schlosses Westerwinkel und der Umgebung zu verzeichnen ist, eine deutlich zunehmende Tendenz zu verzeichnen. Hiermit kann ich, wie bereits gesagt, immer schlechter umgehen.

Zu Ihren Aufgaben als Rentmeister sind Sie als Vorsitzender des Hegerings sowie beim Wasser- und Bodenverband Emmerbach und als Kreisvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald aktiv. Welche Dinge liegen Ihnen hier besonders am Herzen?

Da könnte man noch die eine oder andere ehrenamtliche Tätigkeit in nah und fern aufzählen, welche teilweise mit meinem Beruf verbunden sind oder aber reinen privaten Charakter haben, aber die von Ihnen aufgezählten Tätigkeiten spiegeln schon meinen Interessenschwerpunkt wieder. Seit meiner Kindheit liegen mir die Themen Natur, Wald und Wild besonders am Herzen. Viele Dinge kann ich mit meinem Beruf verbinden. Insbesondere erscheint mir hierbei von Bedeutung, dass die natürliche und nachhaltige Nutzung unserer Umwelt, z.B. durch Jagd, einen Natur-, Tier- und Artenschutz nicht ausschließt, in vielen Punkten sogar förderlich ist. Dieses ist für viele Menschen im ländlichen Raum wie in Herbern selbstverständlich, jedoch erlebe ich leider eine zunehmende Entfremdung von den natürlichen Dingen und Abläufen. Hier gilt es m.E. entgegenzuwirken.

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