Mittwoch, Oktober 5, 2022

Stehende Ovationen für klassische Panflötenmusik

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Wer­ne. Duf­tig hin­ge­haucht, als wehe eine leich­te Früh­lings­luft durch die früh­herbst­li­che Stim­mung – so begann Han­nah Schlu­b­eck am Don­ners­tag­abend ihr Kon­zert­pro­gramm mit der Sona­te F‑Dur von Georg Phil­ipp Telemann. 

Sie spiel­te ein Instru­ment, das kaum jemand mit klas­si­scher Musik in Ver­bin­dung brin­gen wird: eine Pan­flö­te. Und sie inter­pre­tier­te die leb­haf­te Barock­so­na­te mit der agi­len Leich­tig­keit, die die­ses Instru­ment aus­zeich­net und die es mit der Block­flö­te gemein­sam hat, für die Tele­mann sei­ne Sona­te ursprüng­lich schrieb.

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Schlu­b­eck ist die ein­zi­ge Absol­ven­tin einer Musik­hoch­schu­le im Fach Pan­flö­te. Zusam­men mit dem Pia­nis­ten Thors­ten Schäf­fer bot sie einen außer­ge­wöhn­li­chen Auf­takt zur Sai­son 2022/23 der Gesell­schaft der Musik­freun­de. Ihr Auf­tritt bedeu­te­te gleich­zei­tig einen Test­lauf für das neue Über­gangs­quar­tier der tra­di­tio­nel­len Kam­mer­kon­zert­rei­he. „Nach Absa­gen wegen der Coro­na­pan­de­mie und des Ukrai­ne­krie­ges muss­ten wir vor die­ser Sai­son mit einer neu­en Her­aus­for­de­rung kämp­fen“, erklär­te die Vor­sit­zen­de der Musik­freun­de, Dr. Susan­ne Ved­der, vor Beginn der Ver­an­stal­tung. Wegen unzu­rei­chen­den Brand­schutz im Bür­ger­saal des Alten Rat­hau­ses fin­den die Kon­zer­te der Sai­son im Foy­er der Mar­ga-Spie­gel-Schu­le statt. Des­sen Akus­tik erwies sich als trag­fä­hig: Wuch­ti­ge Klang­ma­le­rei­en kamen eben­so raum­fül­lend zur Gel­tung wie fein gezeich­ne­te Tonlinien.

„Die meis­ten Wer­ke, die Sie heu­te hören, wur­den nicht für Pan­flö­te kom­po­niert“, erklär­te Han­nah Schlu­b­eck. Obwohl es eines der ältes­ten Instru­men­te der Welt sei, ent­stan­den aus ein­fa­chen Schilf­roh­ren, hät­ten es die meis­ten Kom­po­nis­ten ver­nach­läs­sigt. Schlu­b­eck bewies, wie viel­sei­tig ihr Instru­ment agie­ren kann, wenn man es ihm nur zutraut. Ihr Pro­gramm spann­te den Bogen vom Barock bis zum moder­nen Jazz. Und die Pan­flö­tis­tin bespiel­te die gesam­te Band­brei­te mit har­tem For­te, äthe­ri­schem Pia­no, vir­tuo­sen Läu­fen und ver­schmitz­tem Staccato.

Gebannt lausch­ten die Zuhö­rer dem abwechs­lungs­rei­chen Kon­zert­pro­gramm. Foto: Schwarze

Gestützt von Thors­ten Schäf­fers prä­gnan­ter Kla­vier­be­glei­tung ent­fal­te­te sie Bachs „Air“ aus der Orches­ter­sui­te Nr. 3 schön durch­hör­bar – ohne zu tun, was man­che Inter­pre­ten nicht las­sen kön­nen, näm­lich die fei­nen Melo­die­bö­gen in rühr­se­li­gem Brei zu erträn­ken. Doni­zet­ti schmei­chel­te sich in die Ohren der fast 150 Zuhö­rer, einer der Unga­ri­schen Tän­ze von Johan­nes Brahms riss sie am Ende von den Stüh­len. Dabei stand Thors­ten Schäf­fer ihr an Vir­tuo­si­tät nichts nach, eben­so wenig wie beim jaz­zi­gen Groove.

Zwi­schen den Stü­cken erläu­ter­te Schlu­b­eck ihrem Publi­kum unter­halt­sam die Eigen­ar­ten der Pan­flö­te. Wie der Ton erzeugt wird, demons­trier­te sie mit dem Griff zur Was­ser­fla­sche, über deren Öff­nung hin­weg sie gekonnt „Häns­chen klein“ into­nier­te. Zwi­schen­durch trank sie ein paar Schlu­cke, um die Ton­hö­he zu ver­än­dern. Was der Pan­flö­te fehlt, sind die Halb­tö­ne. Die­se las­sen sich erzeu­gen, indem die Roh­re mit den Lip­pen teil­wei­se abge­deckt wer­den. Auf die­se Wei­se gelang Han­nah Schlu­b­eck beim Jazz­song „The Autumn Lea­ves“ ein per­fekt ska­lier­tes chro­ma­ti­sches Glis­san­do. Am Ende erhob sich ein begeis­ter­tes Publi­kum von den Stüh­len und klatsch­te eine ful­mi­nan­te Zuga­be her­aus. Zu kei­ner Zeit spiel­te es eine Rol­le, dass Schlu­b­eck mit einer Con­ter­gan-Behin­de­rung spielte.

INFO

Das nächs­te Kon­zert in der Rei­he der Musik­freun­de Wer­ne fin­det statt am 20. Okto­ber 2022 ab 20 Uhr im Foy­er der Mar­ga-Spie­gel-Sekun­dar­schu­le. Es gas­tiert das Odelya Trio Mari mit Saxo­phon, Gesang und Klavier.

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