Donnerstag, August 11, 2022

Haydns Schöpfung lautmalerisch inszeniert

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Wer­ne. Ver­zweif­lung und Schre­cken und him­mel­stür­men­der Jubel: Das Ora­to­ri­um „Die Schöp­fung“ von Joseph Haydn beein­druckt seit mehr als 200 Jah­ren mit einer Fül­le an Emo­tio­nen. Am Sonn­tag brach­te das ein Kon­zert der Stif­tung Musi­ca Sacra West­fa­li­ca in St. Chris­to­pho­rus ein­dring­lich zum Ausdruck. 

Es san­gen und spiel­ten die Chö­re „Voca­pel­la“ und „Ver­i­na-Ensem­ble“ sowie das Rhei­ni­sche Ora­to­ri­en-Orches­ter unter der Lei­tung von Kan­tor Dr. Hans-Joa­chim Wen­sing. Als Solis­ten über­zeug­ten die Sopra­nis­tin Dag­mar Borow­ski-Wen­sing (Erz­engel Gabri­el und Eva), der Bass Maxi­mi­li­an Kra­mer (Erz­engel Rapha­el und Adam) sowie der Tenor Bohye­on Mun (Erz­engel Uriel).

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Gemes­sen an den sechs Tagen, in denen Gott laut Bibel die Welt erschaf­fen haben soll, hat­te es bis zur Auf­füh­rung des musi­ka­li­schen Wer­kes in Wer­ne ungleich län­ger gedau­ert. Auf­grund der Coro­na­pan­de­mie hat­te der Kon­zert­ter­min zwei Mal ver­scho­ben wer­den müs­sen. „Jetzt passt die­ses Werk gut zu die­sem wun­der­schö­nen Som­mer­tag, an dem die Blu­men blü­hen und die Vögel zwit­schern“, begeis­ter­te sich Pfarr­de­chant Jür­gen Schä­fer, der die Zuhö­rer in der sehr gut besuch­ten Chris­to­pho­rus­kir­che als Haus­herr begrüßte.

Die emo­tio­na­le Kraft der „Schöp­fung“ wur­zelt im Zusam­men­spiel der facet­ten­rei­chen Kom­po­si­ti­on von Joseph Haydn (1732–1809) und dem Libret­to Gott­fried Bern­hards van Swie­ten (1733–1803). Sein Text basiert auf einem Meis­ter­werk eng­li­scher Dicht­kunst: dem wort­ge­wal­ti­gen „Ver­lo­re­nen Para­dies“ von John Mil­ton (1608–1674). In bild­rei­cher Spra­che erzählt der Dich­ter – mal mit packen­der Dra­ma­tik, dann wie­der mit lyri­scher Innig­keit – die Geschich­te von der Schöp­fung bis hin zur Erschaf­fung des ers­ten Menschenpaares.

Vor der Ver­beu­gung zum Schluss­ap­plaus (von links): Maxi­mi­li­an Kra­mer (Bass), Bohye­on Mun (Tenor), Dag­mar Borow­ski-Wen­sing (Sopran), Dr. Hans-Joa­chim Wen­sing (Musi­ka­li­scher Lei­ter) und Ursu­la Kirch­hoff, die beim Schluss­chor das erfor­der­li­che Alt-Solo über­nahm. Foto: Schwarze

Die laut­ma­le­ri­sche Anmu­tung der Musik arbei­te­te das Orches­ter prä­gnant her­aus, wenn es Regen­trop­fen pras­seln und plät­schern ließ oder – mit einem macht­voll auf­blü­hen­dem Cre­scen­do – das ers­te Auf­ge­hen der Son­ne insze­nier­te. Eben­so far­ben­reich erklan­gen die Chor­sät­ze. In mys­ti­scher Wei­se schweb­ten die Stim­men wie der besun­ge­ne „Geist Got­tes auf der Flä­che der Was­ser“, als das ers­te Licht mit strah­len­dem For­te her­ein­brach. Dann erzähl­ten Chor und Erz­engel wut­schnau­bend von der Rebel­li­on des gefal­le­nen Engels Luzi­fer und sei­ner Geis­ter­schar. Schwin­gun­gen, die sich irri­tie­rend anein­an­der rie­ben, ver­an­schau­lich­ten das urzeit­li­che Chaos.

Es folg­ten Stü­cke, deren fröh­li­cher Lob­ge­sang vor Leben­dig­keit sprüh­te. Ver­schach­tel­te Fugen wech­sel­ten mit Ari­en von schön­läu­fi­ger Schlicht­heit, gip­felnd im zärt­lich-poe­ti­schen Duett zwi­schen Adam und Eva: „Hol­de Gat­tin“. Das alles wur­de berei­chert durch die kon­tras­tie­ren­de Beset­zung der Solis­ten: auf der einen Sei­te der leicht und agil geführ­te Sopran von Dag­mar Borow­ski-Wen­sing und die fei­ne, geschmei­di­ge Tenor­stim­me von Bohye­on Mun und auf der ande­ren Sei­te die pro­phe­ti­sche Fül­le von Maxi­mi­li­an Kramers Bass.

Das Publi­kum klatsch­te am Ende eine Zuga­be her­aus – und hör­te noch ein­mal alle Betei­lig­ten im opti­mis­tisch klin­gen­den Stück „Die Him­mel erzählen“.

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