Samstag, November 26, 2022

Facettenreiches Harfenkonzert: Auch Schraubenzieher kommt zum Einsatz

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Wer­ne. Ihr Instru­ment wiegt fast 50 Kilo und ist grö­ßer als sie. Trotz­dem beherrsch­te Caro­li­ne Nobst die Har­fe mit schlan­ken Fin­gern und Leich­tig­keit, ent­lock­te ihr per­len­de Melo­die­bö­gen und hauch­zar­te Ton­lei­tern. Und bot damit zu Beginn des Kam­mer­kon­zerts der Musik­freun­de Wer­ne am Don­ners­tag­abend (17. Novem­ber) ein alt­ver­trau­tes Klang-Bild. 

Doch das Sai­ten­in­stru­ment kann auch Ecken und Kan­ten zei­gen, wie Nobst im erneut voll besetz­ten Foy­er der Mar­ga-Spie­gel-Sekun­dar­stu­fe zur Begeis­te­rung des Publi­kums bewies.

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„Ich habe es mir heu­te Abend zur Auf­ga­be gemacht, das Kli­schee von der Har­fe zu bre­chen, die mehr zu bie­ten hat als die schö­ne Roman­tik, mit der ich gestar­tet bin“, sag­te die Künst­le­rin. Inter­es­siert lausch­ten die Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rer ihrem Spiel eben­so wie ihrer Mode­ra­ti­on. Bei­des ziel­te erfolg­reich dar­auf ab, die Har­fe als facet­ten­rei­ches Instru­ment bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Zu die­sem Zweck hat­te Caro­li­ne Nobst ihr Pro­gramm kon­se­quent als chro­no­lo­gi­sche Rei­se durch die Musik­ge­schich­te aufgebaut.

Ihr Arran­ge­ment von Bachs Prä­lu­di­um es-moll aus dem „Wohl­tem­pe­rier­ten Kla­vier“ mute­te mit sei­nen fein abge­setz­ten Tönen wie die scharf­kan­ti­ge Into­na­ti­on eines Cem­ba­los an. Mit wei­chen Über­gän­gen in Dyna­mik und Tem­pi arbei­te­te sie das ele­gan­te Schreit­mo­tiv von Hän­dels Har­fen­stück „Tema con Varia­zio­ni“ aus. Wie impres­sio­nis­ti­sche Gemäl­de wirk­ten die Ton­ma­le­rei­en der „Images Suite No. 1“ von Mar­cel Tour­nier. Schön­läu­fi­ge Lini­en, geschwun­gen wie wel­len­för­mi­ge Pin­sel­stri­che, wech­sel­ten mit flir­ren­den Tup­fern – als brä­che sich das Licht eines Mond­strahls in beweg­tem Was­ser. So lau­te­te auch der Titel die­ses Sat­zes: „Mond­licht auf dem Teich im Park“. „An der Schwel­le des Tem­pels“ mal­te Nobst die fes­ten Grund­mau­ern in dump­fen Akkor­den, von denen aus sie leich­te Töne empor­stei­gen ließ.

Fin­ger­akro­ba­tik voll­führ­te sie bei einer Etü­de von Eric Schmidt – mit Sprün­gen vom einem Ende der Har­fe zum ande­ren und Grif­fen, die die gesam­te Spann­brei­te ihrer Hand erfor­der­ten. Bei der „Sona­te für Har­fe“ von Paul Hin­de­mith nahm Nobst sich wie­der­um Zeit, die oft sehr lang­sa­men Pas­sa­gen voll aus­zu­kos­ten. Das kon­tras­tier­te sie mit leb­haf­ten Ton­hüp­fern und lyri­schen Moment­auf­nah­men. Völ­lig neue Effek­te brach­ten die „Sequen­zen über Johan­nes“ von Heinz Hol­li­ger ins Spiel. Dabei kam unter ande­rem ein vom Haus­meis­ter aus­ge­lie­he­ner Schrau­ben­zie­her zum Ein­satz. Den zog Nobst über die Sai­ten und über­rasch­te mit dem kla­gen­den Ton einer Sin­gen­den Säge.

Das begeis­ter­te Publi­kum erklatsch­te sich eine Zuga­be. Foto: Anke Bar­ba­ra Schwarze

Nach der rhyth­mi­schen Prä­gnanz eines der „Rumä­ni­schen Volks­tän­ze“ von Béla Bar­tók beweg­te sich Nobst zum Schluss in Rich­tung Jazz. Der zeit­ge­nös­si­sche Kom­po­nist Ber­nard Andrès schrieb sei­nen „Duke“ der Har­fe wahr­haft auf den Leib. Denn dabei wer­den die sie­ben Peda­le des Instru­ments, die die Halb­ton­schrit­te erzeu­gen, so ein­ge­setzt, dass eine Art rut­schi­ger chro­ma­ti­scher Ton­lei­ter erklingt. Die­ses Glis­san­do wird gern von Jazz­mu­si­kern ein­ge­setzt. Den Reso­nanz­bo­den der Har­fe nutz­te Nobst außer­dem als Per­kus­si­ons­in­stru­ment, wäh­rend sie die Sai­ten läs­si­gen Hand­be­we­gun­gen wie eine Gitar­re schlug. Die stür­misch her­aus­ge­klatsch­te Zuga­be setz­te dem Facet­ten­reich­tum der Har­fe das i‑Tüpfelchen auf: Caro­li­ne Nobst nutz­te sie als Begleit­in­stru­ment zu ihrer Solo-Inter­pre­ta­ti­on des Songs „Sep­tem­ber“ der Soul-Band „Earth, Wind & Fire“.

INFO

Das nächs­te Kon­zert der Gesell­schaft der Musik­freun­de fin­det am 19. Janu­ar 2023 ab 20 Uhr im Foy­er der Mar­ga-Spie­gel-Schu­le statt. Die Süd­ko­rea­ne­rin A Jin Sohn spielt Wer­ke von Schu­mann, Beet­ho­ven und Cho­pin am Kla­vier. Ein­tritts­preis: 20 Euro, Vor­ver­kauf bei Bücher Beck­mann in Werne.

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