Hinterhof-Konzerte statt Spektakel beim „Straßen-Festival“

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Werne. Straßentheater, Comedy, Musik, Artistik und Zauberei: Seit 2016 haben die Akteure des Straßen-Festivals Werne mit atemberaubenden Feuershows, waghalsiger Artistik, Jonglage, witzigen Showeinlagen und ganz viel Musik für das Sommerereignis schlechthin gesorgt. Jahr für Jahr kamen mehr gutgelaunte Gäste, um die Darbietungen und kulinarischen Angebote zu genießen. Wernes historische Altstadt bietet für das Sommerspektakel ohnehin die perfekte Kulisse, zumal hinter eben diesen die Organisatoren von Stadtmarketing und der österreichischen Eventagentur „Zeitenwanderer“ für reibungslose Abläufe und einen passgenauen Festival-Mix sorgen. Die Neuauflage war geplant und fällt – wie unzählige andere Kulturveranstaltungen – aber der Corona-Pandemie zum Opfer.

Die coronabedingten Absagen ihrer Auftritte und Engagements in Deutschland, Europa und allen Teilen der Welt, trifft die Künstler und Kreativen sehr hart. WERNEplus hat im Gespräch mit Tobias Hundertpfund, Chef von „Zeitenwanderer“, nachgefragt, wie diese mit der Ausnahmesituation zurechtkommen. „Nicht sehr gut, sie sind stark betroffen“, verweist er auf die Einnahmeausfälle, die alle treffen und für viele existenzgefährdende Engpässe bedeuten. „Über den Winter haben alle ja normalerweise schon eine Durststrecke zu überwinden“, schilderte er die Situation. „Dann arbeiten sie an ihren Shows, an Kostümen und Equipment, schreiben Bewerbungen oder planen ihre Touren logistisch möglichst sinnvoll.“ Manche arbeiten auch mit einem fremden Regisseur an ihrem Programm, beschreibt Hundertpfund die intensive Vorbereitungen der Akteure in der Winterpause. „In dieser Zeit wird das Münzgeld auf drei Stapel verteilt, auf einen für die Miete, einen für Lebensmittel und einen für Benzin. Normalerweise geht es dann im März wieder an den Start“, ergänzte er. Zwar hätten einige der Künstler am anderen Ende der Welt in Australien oder Neuseeland ein paar Engagements, aber das sei nicht Regel, meinte er.

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Mit Musik und Artistik haben sich Felice & Cortes Young gleich bei ihrem ersten Auftritt in Werne 2016 beim Publikum eine echte Fanbase geschaffen und waren auch in den Folgejahren mit ihrer Mischung aus Latin, Jazz und Rock dabei. Der Corona-Zwangspause begegnen sie mit der findigen und kreativen Idee, in Berlin Hinterhof-Konzerte zu organisieren. Das sei für die Beiden eine Möglichkeit, trotz Corona aufzutreten. Und die Stadt ist dafür ja groß genug, schilderte Tobias Hundertpfund. Die Hinterhof-Konzerte seien zudem von den Medien aufgegriffen und begleitet worden.

„Die Leute werfen das Hutgeld dann eben vom Balkon oder aus dem Fenster herunter“.

Als weiteres Beispiel für den Umgang mit der Krise nannte Tobias Hundertpfund ein Künstler-Duo in Israel. Das erhielt für seine Auftritte Unterstützung von der Polizei, die dafür sorgte, dass die Veranstaltungen geordnet und sicher abliefen und Abstandsregeln eingehalten wurden. Manch andere der Künstler hätten aber auch keine Einkünfte und die Wenigsten profitierten von staatlicher Unterstützung wie etwa in Kanada, erklärte der Agentur-Chef. Ein Straßenkünstler, der in Italien nahe Neapel lebt, mache sich in der Corona-Zeit Sorgen um seine schwangere Frau und muss seine kranke Eltern unterstützen. Das finanzielle Polster habe im März und April noch genügt, war dann aber aufgebraucht. Im Mai hat er sich im Wohnmobil aufgemacht, um als Erntehelfer zu arbeiten.

„Zeitenwanderer ist eine Agentur für Events und Erlebnis-Inszenierungen mit Sitz in Oberösterreich. Wir arbeiten im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus – von der Adria bis zur Nordsee. Unser sehr kleines, kreatives Kernteam ist gut verlinkt in einem großartigen Netzwerk von Expert*innen, Partner*innen, Künstler*innen. Das macht uns wieder ziemlich groß. Und leistbar“, heißt es auf der Homepage der Österreicher. Nach Werne möchte man auf jeden Fall wiederkommen, betonte Hundertpfund. „Wir sind wild entschlossen, weiterzumachen.“

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