Montag, Januar 24, 2022

Ex-Polizist schreibt vom wahren Leben in lyrischer Form

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Werne. In seinem Ver­lag gibt es Romane, Kurzgeschicht­en, Märchen oder Biografien – lediglich mit Gedicht­en hat Mag­nus See seine Prob­leme. „Lyrik verkauft sich wirk­lich nicht gut. Daher wollte ich davon eigentlich die Fin­ger lassen“, geste­ht der Ver­leger, der jet­zt aber eine Aus­nahme gemacht hat und das zweite Buch eines Ex-Polizis­ten her­aus­ge­bracht hat. 

Vor zwei Jahren ermutigte der Kamen­er Schrift­steller Hein­rich Peuck­mann den ehe­ma­li­gen Bezirks­beamten Bern­hard Büsch­er, seine Gedichte ein­mal zu veröf­fentlichen. Das dazuge­hörige Werk erschien vor einem Jahr. Nun gibt es das zweite Buch, in das der Kamen­er Begeg­nun­gen, Erin­nerun­gen und Beobach­tun­gen in lyrisch­er Form gepackt hat. Peuck­mann war es auch, der den Kon­takt zwis­chen dem ehe­ma­li­gen Polizeibeamten und Mag­nus See, dem Geschäfts­führer des Ven­tu­ra Ver­lags, herstellte.

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Der Ver­lag ist bekan­ntlich Ver­lagspart­ner für das regionale Krim­ifes­ti­val „Blutige Lippe“, für das Peuck­mann bere­its Geschicht­en beis­teuerte. „Der hat zu mir gesagt, dass er einen Kumpel hat, der Lyrik schreibt“, erin­nert sich Mag­nus See. Damit hat­te See bish­er mit seinem bel­letris­tis­chen Klein­ver­lag allerd­ings weniger pos­i­tive Erfahrun­gen gesammelt.

Doch als See dann einen Blick auf die Texte warf, änderte er seine Mei­n­ung. „Das ist nichts Hochgestoch­enes, son­dern gute, authen­tis­che All­t­agslyrik. Dazu haben mich auch die The­men um Liebe, Heimat und Fre­und­schaft ange­sprochen, weil das Ganze zum Nach­denken anregt und man sich darin wiederfind­en kann“. Nach der ersten per­sön­lichen Begeg­nung war dem Ver­leger schnell klar, dass Büsch­er, nicht nur authen­tisch schreibt, son­dern ein eben­so  authen­tis­ch­er Typ ist. „Da hat alles zusam­men gepasst“, stellt See fest.

Authen­tisch und direkt aus dem Leben

Für den Autoren selb­st ist der neue Gedicht­band „Mauern im Kopf“ der kon­se­quente Nach­fol­ger für das Erstlingswerk „Kein­er von uns“. „Alles resul­tiert aus Begeg­nun­gen mit Men­schen und hat oft eng mit deren Sozialver­hal­ten zu tun“, sagt der 1948 in Kamen geborene Hob­by-Lyrik­er. Im neuen Werk find­en sich unter anderem Erin­nerun­gen an die Zeit als Polizeibeamter. „Ich habe während mein­er Dien­stzeit viele Men­schen näher ken­nen­gel­ernt, weil ich öfter mit ihnen zu tun hat­te. Darunter auch Men­schen, die von der Gesellschaft aus­geson­dert wor­den sind.“

Genau weiß Büsch­er noch, was er geant­wortet hat, als er zum Ein­tritt in den Ruh­e­s­tand nach seinen spek­takulärsten Erfahrun­gen in sein­er aktiv­en Zeit gefragt wurde. „Die Alltäglichkeit“, sagt er heute noch voller Überzeu­gung. Begeg­nun­gen mit Flüchtli­gen hat Büsch­er eben­falls auf seine Art im neuen Buch beschrieben: „Das sind Men­schen, denen das Leben in ihrer Heimat weggenom­men wor­den ist. Und wir machen hier die Zäune höher, weil wir Angst vor denen haben. Das sind alles Dinge, über die ich nachgedacht habe.“

Autor und Ver­leger sind sich einig, mit „Mauern im Kopf“ den passenden Titel für die Samm­lung an Gedicht­en gefun­den zu haben. „Das bet­rifft auf der einen Seite die Texte, aber auch die Leser, denen dadurch die Mauern im Kopf genom­men wer­den sollen“, bringt es der Ver­leger auf den Punkt. Mit Bern­hard Büsch­er hat Mag­nus See übri­gens nicht den ersten Kamen­er Autoren veröf­fentlicht, denn im Ven­tu­ra-Ver­lag sind bere­its Werke von Gerd Puls und Klaus Goehrke erschienen.

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