Innig intonierte Dagmar Wensing eine Bach-Arie auf dem Kirchplatz. Foto: Anke Schwarze
Innig intonierte Dagmar Wensing eine Bach-Arie auf dem Kirchplatz. Foto: Anke Schwarze
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Werne. Strahlend und hell wie der sommerliche Vormittag schallte am Samstag eine Trompete über den Kirchplatz von St. Christophorus. Der Blechbläser Jörg Segrop unterstützte das Ehepaar Dagmar (Sopran) und Dr. Hans-Joachim Wensing (E-Piano) bei ihrer Aktion „Künstler für Künstler“. Dem Aufruf zur Solidaritätsbekundung für Solo-Selbstständige in der Coronakrise waren mehr als 60 Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Auf Stühlen, aufgestellt im vorgeschriebenen Abstand, lauschten sie dem knapp einstündigen Programm.

Es tat gut, wieder live Musik zu hören, dass war der gespannten Aufmerksamkeit anzumerken, mit der die Menschen die Klänge aufsaugten. Dagmar Wensing fasste das, was viele bewegte, in einer Arie aus dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy zusammen: „Sei stille dem Herrn und warte“ – „darauf, dass die Situation wieder besser wird“, interpretierte die Kirchenmusikerin den Titel des Stücks in ihrer Ankündigung.

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Gerade für freiberufliche Solo-Künstler seien der Lockdown und die immer noch herrschenden Einschränkungen schwer gewesen. „Außer ihrem Instrument und ihren Noten haben diese Musiker kaum Betriebskosten, sodass sie keinen Anspruch auf bestimmte Hilfsgelder von Bund oder Land haben“, erklärte Wensing. Bürokratische Hürden würden die Anträge zusätzlich erschweren. „Mein Mann und ich haben Freunde, die weinend aufgegeben haben“, erzählte sie. „Darum stehen wir hier, um auf diese Situation aufmerksam zu machen.“ Als Chorleiterin sprach sie auch die Problematik des gemeinschaftlichen Singens an. „Viele Laienchöre dümpeln derzeit vor sich hin, da es noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt, wie problematisch das Chorsingen nun ist.“

Trompeter Jörg Segtrop (links) trat zusammen mit dem Ehepaar Wensing auf und initiierte am Ende eine kleine Sammlung. Foto: Anke Schwarze
Trompeter Jörg Segtrop (links) trat zusammen mit dem Ehepaar Wensing auf und initiierte am Ende eine kleine Sammlung. Foto: Anke Schwarze

Die ernsten Worte fanden beim Publikum ebenso Gehör wie die Musik. Die Stücke stammten alle aus der Barockzeit und passten in ihrer Stimmung zum Anlass: mal nachdenklich und melancholisch, dann wieder hoffnungsvoll und sogar fröhlich. Ein beschwingter Corelli folgte den glänzenden Klängen einer Sonate für Trompete von Purcell, filigran von Hans-Joachim Wensing am Klavier untermalt; innig intonierte Dagmar Wensing eine Bach-Arie.

Obwohl die Aktion „Künstler für Künstler“ in erster Linie ideell gemeint war, initierte Jörg Segtrop am Ende eine kleine Sammlung. „Für einen befreundeten Musiker aus Amsterdam, der seit Monaten keinen Cent verdient und nicht mehr weiter weiß“, erklärte er – und freute sich am Schluss über ein großzügig gefülltes Körbchen.

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