Männerwitze und Mädchentraum: Freilichtbühne und die „7 Zwerge“

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Werne. Vorsicht, der kommt flach: „Frauen haben auch ihre gute Seite – die Rückseite.“ Die sieben Zwerge fallen nicht in die Kategorie „Moderner Mann“. Sie frönen ihr Dasein als „Männer allein im Wald“, die sich mit frauenfeindlichen Plattitüden bei Laune halten. Das allerdings so überzogen trottelig, dass sie zu ihrer eigenen Karikatur werden. Das Publikum in der ausverkauften Freilichtbühne amüsierte sich prächtig über die Bühnenversion von Otto Waalkes’ Film. Schließlich waren die mehr als 700 Zuschauenden vorbereitet auf den schrägen Humor des Blödelbarden, der just am Tag der zweiten Premiere in der diesjährigen Freilichtbühnensaison, am 22. Juli, seinen 75. Geburtstag feierte.

Zudem wärmte die Live Band „Red Ivy“ die Stimmung gleich zu Beginn mit fetzigen Rhythmen auf. Das Übrige tat der laue Sommerabend. Die Besucherinnen und Besucher hatten sich mit Nachos, Würstchen und Getränken versorgt. Die Stimmung unter dem Blätterdach der Bäume rings ums Bühnenrund ähnelte der Atmosphäre bei einem gut gelaunten Picknick: snacken, plaudern und zur Musik wippen. Ein paar Regentropfen, die in den anhaltenden Schlussapplaus pladderten, fielen nicht ins Gewicht.

Als Schneewittchen auf der Bühne erschien, stellten sich fast alle Mützenzipfel der Zwerge auf. Die von der bösen Stiefmutter verfolgte Schönheit brachte die Zwerge dazu, eine Hälfte ihrer Hütte rosa zu streichen. Im Gegenzug versuchte sie in einer Art systemischer Gesprächstherapie, die verletzten Seelen zu heilen. Anna Vennemann übertrieb vergnügt ihre Rolle als jugendliche Naive, die sich wimpernklimpernd in jeder Situation behauptet. Die Geschichten, die die Zwerge dem Schneewittchen erzählen, verballhornten Märchen wie Rapunzel oder Hänsel und Gretel. Während die Zwerge unten auf der Bühne sprachen, wurden ihre Erinnerungen auf der Empore des Zwergenhauses nachgespielt.

2. Saisonpremiere vor ausverkauften Reihen – Schneewittchen & Co in Bestform

Als Regisseur hatte Marius Przybilla das Stück temporeich inszeniert. Irgendwo auf der Bühne war immer irgendjemand in Bewegung. Als böse Königinnen-Stiefmutter hatte Przybilla eine Paraderolle übernommen. Er sorgte als barbieblonde, giggelnde und hüftschwenkende Dragqueen für Lacher. Vor allem, als die Königin verschiedene Verkleidungen ausprobierte, um Schneewittchen in die Falle zu locken. Dabei parodierte Przybilla genüsslich allerlei Filmfiguren wie Disneys Schneekönigin Elsa oder einen schnaufenden Darth Vader.

Regisseur Marius Przybilla sorgte in der Paraderolle der bösen Königin als barbieblonde, giggelnde und hüftschwenkende Dragqueen in immer neuen Outfits für Lacher.

Das Team der Requisite beeindruckte mit einem aufwendigen Bühnenbild ebenso wie Marius Przybilla in seiner Rolle als Stiefmutter-Dragqueen. Foto: Schwarze

Technik und Requisite der Freilichtbühne bewiesen einmal mehr, dass sie sich hinter Profis nicht verstecken müssen. Brennende Fackelsäulen und Nebelschwaden garnierten beispielsweise den Auftritt der angeblich „Schönsten im Land“. Der sprechende Spiegel – eine wunderbar lakonische Jutta Neugebauer – kommentierte die Eitelkeit seiner Königin allerdings skeptisch: „Schönheit ist natürlich Geschmacksache.“ Als oberster Handlanger der Königin, Spliss, lavierte Franca Neumann zwischen den Machenschaften der Bösewichtin.

Die Darsteller der Zwerge – Oliver Keuth, Thormen Ehrhardt, Jan Nowak, John Sachsse, Markus Przybilla, Martin Kirchner und Helmut Vennemann – mimten die depperte Truppe überzeugend und beschwingt. Egal, ob sie Haudrauf-Brettspiele spielten oder samt Rammbock ins Hofnarren-Casting der Königin stolperten. Dabei zerschredderten sie auf unterschiedliche Weisen ein und denselben Witz, von der ruinierten Pointe bis hin zum flammenden Plädoyer wider das Zweiklassen-Kassensystem.

Die Werner Band „Red Ivy“ setzte mit fetzigen Live-Rythmen die effektvollen musikalischen Akzente der Aufführung.

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