Freitag, Juli 1, 2022

Wiedereröffnung von Schloss Cappenberg mit zwei Ausstellungen

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Cap­pen­berg. Sei­te an Sei­te mit dem Frei­herrn vom Stein zu arbei­ten: Das ermög­licht die neu kon­zi­pier­te Dau­er­aus­stel­lung des Land­schafts­ver­bands West­fa­len-Lip­pe (LWL) auf Schloss Cappenberg. 

Mit Wie­der­eröff­nung der Muse­ums­räu­me nach sechs­jäh­ri­ger Reno­vie­rung kann das moder­ni­sier­te Kon­zept ab Frei­tag (8. April 2022) besich­tigt wer­den. Gleich­zei­tig prä­sen­tiert der Kreis Unna sei­ne ers­te Wech­sel­aus­stel­lung nach der Umbau­pha­se – Gemäl­de des mit Cap­pen­berg eng ver­bun­de­nen Malers und Gra­fi­kers Hein­rich Graf Luckner.

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In den unte­ren Räu­men des Muse­ums­be­reichs zeigt der Kreis Unna sei­ne Aus­stel­lung, die obe­ren Räu­me blei­ben der Dau­er­aus­stel­lung vor­be­hal­ten. Bereits auf der Trep­pe wer­den die Besu­cher vom Kam­mer­die­ner des Frei­her­ren abge­holt – per Audio­gui­de. „Wir woll­ten Geschich­te inter­es­sant erzäh­len und zwar aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven“, erklär­te Dr. Bar­ba­ra Rüsch­off-Par­zin­ger, Kul­tur­de­zer­nen­tin des LWL. So kommt neben dem Die­ner auch ein Dienst­mäd­chen zu Wort und plau­dert aus dem Umfeld ihres Arbeit­ge­bers. Auf lan­ge Objekt­be­schrif­tun­gen wur­de zuguns­ten des gespro­che­nen Wor­tes verzichtet.

Dr. Gerd Deth­lefs und Dr. Her­mann Arn­hold betrach­ten Steins Schreib­tisch. Foto: Dr. Anke Schwarze

Mobi­li­ar aus dem Barock und dem Bie­der­mei­er ver­set­zen die Besu­cher zurück in die Zeit Hein­richs vom und zum Stein (1757–1831). Direkt neben dem neo­go­ti­schen Sekre­tär des Frei­herrn steht die moder­ne Ver­si­on eines Schreib­ti­sches. Besu­cher kön­nen dort Platz neh­men, die unter Glas lie­gen­den his­to­ri­schen Doku­men­te betrach­ten und sich vom Audio­gui­de über die Arbeits­wei­se des preu­ßi­schen Reform­po­li­ti­kers infor­mie­ren lassen.

„Stein woll­te Unter­ta­nen zu Bür­gern mit mehr Eigen­ver­ant­wor­tung machen“, sag­te der Aus­stel­lungs­ku­ra­tor Dr. Gerd Deth­lefs vom LWL-Muse­um in Müns­ter. Auf Steins Kon­to ging unter ande­rem die Befrei­ung der Bau­ern aus grund­herr­schaft­li­cher Abhän­gig­keit. Der Frei­herr stamm­te nicht aus West­fa­len, son­dern aus Nas­sau. Cap­pen­berg wähl­te er zu sei­nem Alters­ru­he­sitz, nach­dem das dor­ti­ge Prä­mons­tra­ten­ser­klos­ter im Zuge der Säku­la­ri­sa­ti­on 1803 auf­ge­löst wor­den war. Sei­ne Lebens­ge­schich­te wird damit an einem authen­ti­schen Ort erfahrbar.

Graf Kanitz würdigte den Maler Hein­rich Graf Luck­ner als Freund der Fami­lie. Foto: Dr. Anke Schwarze

Ein direk­ter Nach­fah­ren des Frei­herrn ist der heu­ti­ge Besit­zer des Schlos­ses, Sebas­ti­an Graf Kanitz. Er wür­dig­te jenen Mann als engen Freund sei­ner Fami­lie, der im Mit­tel­punkt der zwei­ten Aus­stel­lung steht: Hein­rich Graf Luck­ner (1891–1970). Herz­stück die­ser Schau des Krei­ses Unna ist ein Raum mit Fres­ken des Malers: einem Jah­res­zei­ten­zy­klus, gemalt in einem kan­ti­gen Stil, inspi­riert von der geo­me­tri­schen Kunst des Art déco. Luck­ner war nach dem Krieg bekannt für sei­ne Por­träts von Künst­lern und Poli­ti­kern wie Theo­dor Heuss. „Das sind Bild­nis­se, die heu­te noch im Abge­ord­ne­ten­haus in Ber­lin hän­gen“, sagt Arne Rei­mann. Er kon­zi­pier­te die Aus­stel­lung zusam­men mit Wil­ko Austermann.

Arne Reimann_Kurator der Luck­ner-Aus­stel­lung. Foto: Dr. Anke Schwarze

Die bei­den Kura­to­ren haben erst­mals seit Jahr­zehn­ten wie­der einen umfas­sen­de Über­blick über Luck­ners Gesamt­werk zusam­men­ge­tra­gen. In sechs Räu­men kön­nen die Besu­cher des­sen künst­le­ri­sche Ent­wick­lung nach­voll­zie­hen. Da gibt es düs­te­re Bil­der aus der Zeit des Zwei­ten Welt­kriegs wie das Dop­pel­bild­nis „Die letz­te Kar­tof­fel“. Es zeigt Luck­ner und sei­ne Frau in müder Zwei­sam­keit vor einer ein­zi­gen Knol­le. Diver­se Grau­schat­tie­run­gen über­zie­hen den schlich­ten Hin­ter­grund, die Klei­dung und sogar die Gesichter.

Die­se hat Luck­ner so weit ver­wischt, dass kaum indi­vi­du­el­le Züge aus­zu­ma­chen sind. Ein­ge­sun­ke­nen Schul­tern, Bli­cke ins Lee­re und ein resi­gniert auf­ge­stütz­ter Kopf heben die bei­den Men­schen in eine über­zeit­li­che Kri­tik am Krieg. Far­ben­fro­her wird es in jenen Räu­men, die den Nach­kriegs­por­träts vor­be­hal­ten sind. So leben die Bild­nis­se von Luck­ners Paten­toch­ter Vera von Kanitz oder der Tän­ze­rin Mary Wig­man vom Kon­trast gut erkenn­ba­rer Gesichts­zü­ge und abs­trak­ten Struk­tu­ren im Hintergrund.

Land­rat Mario Löhr und Ste­fa­nie Kett­ler vom Kreis Unna. Foto: Dr. Anke Schwarze

Die Wech­sel­aus­stel­lung des Krei­ses Unna ist bis zum 7. August 2022 auf Schloss Cap­pen­berg zu sehen. Ab Sep­tem­ber wird in Cap­pen­berg eine LWL-Aus­stel­lung zum 900. Geburts­tag Kai­ser Bar­ba­ros­sas gezeigt.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es hier:

Muse­um Schloss Cap­pen­berg
Schloss­berg 1b
59379 Selm
Öff­nungs­zei­ten: Diens­tag bis Sonn­tag 10 bis 17 Uhr

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