Samstag, Juli 2, 2022

Inklusion in Werne: Wenig Interesse an Info-Abend im Stadthaus

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Wer­ne. Genügt es für Wer­ne, einen Inklu­si­ons­be­auf­trag­ten als Halb­tags­kraft ein­zu­stel­len, und wel­che Auf­ga­ben soll der neue Mit­ar­bei­ter zuge­wie­sen bekom­men? Um die­se bei­den Fra­gen dreh­te es sich am Mitt­woch bei einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung im Stadt­haus der Lippestadt.

Ein­ge­la­den hat­ten die Koor­di­nie­rungs­stel­le für Bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment, Senio­ren- und Behin­der­ten­ar­beit (BEN) und der Behin­der­ten­bei­rat. Unter dem Strich signa­li­sier­ten die rund 15 Teil­neh­men­den der Ver­an­stal­tung, dass gera­de in Wer­ne die inter­nen und orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­ar­bei­ten bereits groß­teils erle­digt sind, um dem neu­en Mit­ar­bei­ter ein erfolg­rei­ches Arbei­ten mög­lich zu machen.

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Die bei­den sach­kun­di­gen Red­ner des Abends waren die ehren­amt­li­che Inklu­si­ons­be­auf­trag­te der Stadt Enniger­loh, Sil­ke Krab­be, und der haupt­amt­li­che Lei­ter der Inklu­si­ons­stab­stel­le bei der Stadt Berg­ka­men, Tho­mas Lackmann.

Krab­be mach­te gleich zu Beginn deut­lich, wo sie die Gren­zen der Ehren­amt­lich­keit auf die­sem Auf­ga­ben­feld sieht: „Ich arbei­te in mei­nem Haupt­be­ruf 39 Wochen­stun­den.“ Was dann noch an Zeit übrig bleibt, inves­tiert Sil­ke Krab­be in den Ehren­amts­be­reich: „Ich kann das nur, weil mein Mann inzwi­schen Rent­ner ist, und sich kom­plett um den Haus­halt und den Ein­kauf kümmert.“ 

Zu die­sem pri­va­ten Hin­ter­grund kommt dann noch die Unter­stüt­zung durch die Stadt­ver­wal­tung. Die ein­zel­nen Ämter, so berich­tet sie, hät­ten vom Bür­ger­meis­ter die Anwei­sung, eng mit der Inklu­si­ons­be­auf­trag­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten und sie nach Kräf­ten zu unter­stüt­zen. Aus ihrer Sicht klappt die­se Zusam­men­ar­beit sehr gut. Krab­be sagt zu ihrer Moti­va­ti­on, die Auf­ga­be in Enniger­loh zu über­neh­men: „Die Inklu­si­on ist ein Stück weit mein Hobby.“

In Berg­ka­men hat Tho­mas Lack­mann als Voll­zeit­mit­ar­bei­ter zwar auch die Unter­stüt­zung des Ver­wal­tungs­ap­pa­rats. Aber er bekennt: „Es war zu Beginn mei­ner Tätig­keit aller­dings not­wen­dig, eini­ge Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter von Sinn und Wert mei­ner Arbeit zu überzeugen.“

Wie sei­ne ehren­amt­li­che Kol­le­gin hat auch der Berg­ka­mener eine Fül­le von Auf­ga­ben­fel­dern zu bewäl­ti­gen. Denn „Inklu­si­on betrifft mehr als nur den schu­li­schen Bereich.“ Bei­de haben über­ein­stim­mend die Erfah­rung gemacht, dass man beim Durch­set­zen für bestimm­te Zie­le immer wie­der „in die Wun­de sto­ßen müs­se“. Lack­mann mel­de­te Zwei­fel dar­über an, ob eine Halb­tags­stel­le in Wer­ne wirk­lich aus­rei­chend sei.

Nur eine Hand­voll Wer­ner, aller­dings alle aus dem poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chem Umfeld der Behin­der­ten­ar­beit, nutz­ten die Mög­lich­keit, sich über den All­tag der ehren­amt­li­chen Inklu­si­ons­be­auf­trag­ten Sil­ke Krab­be zu infor­mie­ren. Foto: Steinmüller

Jochen Höing­haus von der Koor­di­nie­rungs­stel­le BEN und der für die Behin­der­ten­ar­beit bei der Stadt­ver­wal­tung zustän­di­ge Dezer­nent Frank Gründ­ken teil­ten die­se Sor­ge des Berg­ka­meners nicht. Im Gespräch mit WERN­Eplus erklär­te Höing­haus: „Wir haben in Wer­ne durch den seit zehn Jah­ren bestehen­den Behin­der­ten­bei­rat eine gut funk­tio­nie­ren­de Stüt­ze für den neu­en Inklussionsbeauftragten“.

Gründ­ken ver­wies außer­dem auf die Finan­zen der Stadt Wer­ne, die gegen­wär­tig nur eine Halb­tags­stel­le ermög­lich­ten. Gründ­ken: „Wir sind aller­dings bestrebt, die­se Stel­le zeit­nah bis spä­tes­tens zum Jah­res­en­de zu beset­zen“. Die Aus­schrei­bung wer­de gegen­wär­tig vor­be­rei­tet. Als Erfol­ge in jüngs­ter Zeit lis­te­te Höing­haus die öffent­li­che Behin­der­ten­toi­let­te am Bus­bahn­hof und die Auf­zugs­mög­lich­keit im Alten Rat­haus auf.

Beson­ders Sil­ke Krab­be warn­te die Wer­ner davor, sich bei der Aus­wer­tung der Bewer­bungs­un­ter­la­gen auf klin­gen­de Titel und Uni­ver­si­täts­ab­schlüs­se zu ver­las­sen. Wich­tig sei­en in die­sem Amt der Bezug zu den Men­schen, sowohl in der Ver­eins- und Wirt­schafts­welt, als auch zu ein­zel­nen Men­schen mit Behin­de­rung, sowie das per­sön­li­che Enga­ge­ment für die Sache.

Übri­gens sind Behin­der­te in Wer­ne über­haupt kei­ne Min­der­heit. Dar­auf wies Kurt Wör­mann vom Sozi­al­ver­band VDK hin. Allei­ne unter den rund 30.000 Bür­ge­rin­nen und Bür­gern der Stadt haben 6.000 einen Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis mit unter­schied­li­chen Gra­den der Schwerbehinderung.

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