Sonntag, März 26, 2023

Ikone des „Vaters der Armen“ in der Klosterkirche in Werne gesegnet

Anzeige

Wer­ne. Die Ves­per am Mitt­woch­abend in der Klos­ter­kir­che in Wer­ne stand unter einem beson­de­ren Vor­zei­chen: Guar­di­an Pater Romu­ald Hüls­ken begrüß­te die Anwe­sen­den zur Seg­nung der Iko­ne des seli­gen Ani­cet Koplin. Der Kapu­zi­ner­pa­ter wird in der katho­li­schen Kir­che als einer der Mär­ty­rer des Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­ehrt. In Wer­ne leb­te und arbei­te­te er von 1903 bis 1911.

Das Abbild des seli­gen Ani­cet Koplin war eigens für die Kir­che des Kapu­zi­ner­klos­ters Wer­ne vom Iko­nen­ma­ler Pater Franz Beer gefer­tigt wor­den. Zur Seg­nung der Iko­ne durch Chris­to­pho­rus Goe­de­r­eis, den Pro­vin­zi­al der Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz, war der Künst­ler nach Wer­ne gereist. „Ani­cet Koplin ist ein echt fran­zis­ka­ni­scher Seli­ger“, erklär­te Goe­de­r­eis in sei­ner Anspra­che zur Ves­per. In ste­ter Sor­ge für die Armen habe er trotz der Gewalt Zeug­nis von der Gegen­wart Got­tes gege­ben. Als die Natio­nal­so­zia­lis­ten an die Macht kamen, wirk­te Pater Ani­cet in War­schau. Hit­lers Regime habe er zutiefst ver­ach­tet. Er schä­me sich, Deut­scher zu sein, habe er bei einem Ver­hör durch die Gesta­po gerufen.

- Advertisement -

Seel­sor­ge für Bergleute

Ani­cet Koplin wur­de am 30. Juli 1875 in Preu­ßisch-Fried­land (heu­te Debrz­no in Polen) gebo­ren und auf den Namen Adal­bert getauft. Wäh­rend einer schwe­ren Krank­heit gelob­te der Jun­ge, Kapu­zi­ner zu wer­den, sol­le er wie­der gesund wer­den. 1893 trat er ins Kapu­zi­ner­klos­ter Sigols­heim im Elsass ein. Er nahm den Ordens­na­men „Ani­cet“ – der Unbe­sieg­ba­re – an. Die Pries­ter­wei­he erfolg­te am 15. August 1900. Drei Jah­re spä­ter kam Ani­cet Koplin nach Wer­ne, wo er sich vor allem um pol­ni­sche Berg­ar­bei­ter­fa­mi­li­en küm­mer­te. Da er aus einer Arbei­ter­fa­mi­lie stamm­te und mit pol­ni­schen Mit­bür­gern auf­ge­wach­sen war, fand er schnell Zugang zu den Menschen.

Chris­to­pho­rus Goe­de­r­eis, Pro­vin­zi­al der Deut­schen Kapu­zi­ner­pro­vinz, seg­net die eigens für das Wer­ner Klos­ter gefer­tig­te Iko­ne des seli­gen Paters Ani­cet Koplin. Foto: Anke Bar­ba­ra Schwarze

Wir­ken in Warschau

1918 wur­de Pater Ani­cet nach War­schau gesandt. Dort wid­me­te er sich Armen, Arbeits­lo­sen und Obdach­lo­sen. In einem Elends­quar­tier orga­ni­sier­te er eine Küche, in der 8.000 Mahl­zei­ten pro Tag ver­teilt wer­den konn­ten. Die Lebens­mit­tel bet­tel­te Ani­cet Koplin zusam­men. Bela­den mit Pake­ten vol­ler Spen­den, die Taschen sei­nes Man­tels aus­ge­beult von Obst, Brot und Süßig­kei­ten – so kann­ten die War­schau­er ihren „Vater der Armen“.

Als die Natio­nal­so­zia­lis­ten am 1. Sep­tem­ber 1939 Polen über­fie­len und War­schau bom­bar­dier­ten, blieb Pater Ani­cet in der Stadt und half, wo es Not tat. Juden im War­schau­er Ghet­to reich­te er Lebens­mit­tel durch den Drahtzaun.

Am 27. Juni 1941 wur­den fast alle Brü­der des War­schau­er Kapu­zi­ner­kon­vents ver­haf­tet und ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz depor­tiert. Dort starb Ani­cet im Herbst 1941.

Der aus Polen stam­men­de Papst Johan­nes Paul II. sprach ihn und wei­te­re Ordens­leu­te als pol­ni­sche Mär­ty­rer des deut­schen Besat­zungs­re­gimes am 13. Juni 1999 in War­schau selig. Ihr Gedenk­tag ist der 16. Juni.

Ein­deu­tig zu erkennen

Die Iko­ne spie­gelt wider, was das Leben von Ani­cet Koplin präg­te: In sei­ner rech­ten Hand trägt der Seli­ge ein blut­ro­tes Kreuz mit Sta­chel­draht, Sym­bol sei­ner bru­ta­len Ermor­dung durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten. Das Attri­but in sei­ner lin­ken Hand, ein Laib Brot, ver­weist auf sein lebens­lan­ges Enga­ge­ment für die Armen. Als Vor­la­ge für Gesichts­zü­ge und Hal­tung dien­ten dem Künst­ler Pater Franz Beer meh­re­re Fotos. Durch sei­ne Ordens­tracht – mit dem zu sei­ner Zeit übli­chen Schei­tel­käpp­chen und dem lan­gen Bart – ist der Dar­ge­stell­te als Kapu­zi­ner zu erken­nen. Unver­zicht­bar für eine Iko­ne ist die beid­sei­ti­ge Umschrift mit dem Namens­zug. Sie stellt sicher, dass es sich um die Abbil­dung einer Per­son han­delt. Nur ihr hat die Ver­eh­rung zu gel­ten und kei­nes­falls der Iko­ne (aus dem Alt­grie­chi­schen für „Bild“) als solcher.

Anzeige

Weitere Artikel von Werne Plus

Schülerin aus Werne erlebt den Bundestag aus nächster Nähe

Werne/Berlin. Die 16-jährige Victoria aus Werne kann wohl einiges von sich behaupten, was nicht viele in ihrem Alter können: Sie kennt sich im Regierungsviertel...

LippeBaskets ärgern Spitzenreiter, verpassen aber ganz großen Wurf

Werne. Die LippeBaskets feierten, der Tabellenführer verließ mit hängenden Köpfen die Ballspielhalle. Im Moment war Werne nach einem beeindruckenden Sieg obenauf, aber in Sachen...

Hockey United Werne blickt zuversichtlich auf erste Feldsaison

Werne. Eigentlich nur als zeitlich begrenztes Integrationsprojekt geplant, hat sich Hockey United Werne fast fünf Jahre nach seiner Gründung in der heimischen Sportlandschaft etabliert....

Vespermusik in Stiftskirche: Vergessene Klänge in Cappenberg

Kreis Unna. Europäische Kirchenmusik aus der Zeit des Barocks – so lautet das Programm bei der nächsten Vespermusik in der Stiftskirche Cappenberg. Die Gruppe...