Freitag, Januar 27, 2023

Gedenken zum Pogrom 1938: Zivilcourage gegen Antisemitismus

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Wer­ne. Die Stadt Wer­ne wird auch in Zukunft alles kom­mu­nal Mög­li­che tun, um Kon­tra­punk­te gegen jede Art von Anti­se­mi­tis­mus zu set­zen. Die­ses Bekennt­nis leg­te Bür­ger­meis­ter Lothar Christ vor rund 40 Zuhö­rern der Gedenk­ver­an­stal­tung an die Opfer des 9. Novem­ber 1938 ab.

Im Anschluss bot das Duo Nurit in einem Kon­zert im voll­be­setz­ten klei­nen Saal des Kol­ping­hau­ses einen Über­blick über das musi­ka­li­sche Schaf­fen jüdi­scher Kom­po­nis­ten und Musi­ker bis in die Gegenwart.

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Hun­der­te jüdi­sche Men­schen wur­den reichs­weit in der Pogrom­nacht ermor­det, 30.000 wei­te­re Mit­glie­der jüdi­scher Gemein­den wur­den am 10. Novem­ber in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger depor­tiert. An die­sem Tag setz­te sich der staat­lich orga­ni­sier­te Pogrom im „ange­schlos­se­nen“ Öster­reich und in Dan­zig fort.

Die­ser his­to­ri­sche Sach­ver­halt ist der Hin­ter­grund für die jähr­lich von der Stadt­ver­wal­tung oft in Zusam­men­ar­beit mit Schu­len und wie in die­sem Jahr mit den bei­den Kir­chen orga­ni­sier­ten Gedenk­ver­an­stal­tung vor dem Platz der 1940 abge­bro­che­nen Syn­ago­ge in der Innen­stadt. Jedoch galt der Blick des Rat­haus­chefs weni­ger der Ver­gan­gen­heit, son­dern viel­mehr der Gegen­wart und Zukunft. Immer wie­der zitier­te der Red­ner den Grü­nen-Poli­ti­ker Cem Özd­emir, der in die­sem Jahr als ers­ter Mus­lim mit dem Leo-Baeck-Preis des Zen­tral­rats der Juden in Deutsch­land aus­ge­zeich­net wurde.

Besorgt zeig­te sich Christ über die Zunah­me anti­se­mi­ti­scher Het­ze beson­ders in den sozia­len Medi­en des Inter­nets. Als Bei­spiel führ­te Lothar Christ die über das Netz ver­brei­te­ten Ver­schwö­rungs­theo­rien an. Deut­lich nega­tiv bewer­te­te der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker den Selbst­ver­gleich heu­ti­ger Impf­geg­ner mit den vor 80 ver­folg­ten Juden. Der Red­ner rief dazu auf, Erschei­nungs­for­men des Anti­se­mi­tis­mus nicht ein­fach hin­zu­neh­men. Gleich­zei­tig bekann­te er sich, ana­log zu Özd­emir, zu einer akti­ven Rol­le der Kom­mu­ne und der Schu­len im Kampf gegen den Anti­se­mi­tis­mus. In sei­ner Rede wies Lothar Christ deut­lich dar­auf­hin, dass die Juden­feind­schaft nicht nur von Neo-Nazis oder Reichs­bür­gern aus­gin­ge. Der Bür­ger­meis­ter mach­te Anti­se­mi­tis­mus auch in lin­ken und isla­mis­ti­schen Krei­sen aus.

Christ warn­te aber davor, das Juden­tum nur in sei­ner Opfer­rol­le zu sehen. Er erin­ner­te an die star­ken jüdi­schen Ein­flüs­se in den ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten auf wis­sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Gebiet auf die deut­sche Kul­tur. Der Bür­ger­meis­ter plä­dier­te unter ande­rem  für die sach­li­che Auf­klä­rung von Kin­dern und Jugend­li­chen über das Juden­tum aus und mein­te: „Kein Kind kommt als Anti­se­mit auf die Welt.“

Die akti­ve Gestal­tung einer Erin­ne­rungs­kul­tur müs­se auf den gesell­schaft­li­chen Wan­del reagie­ren, um die Erin­ne­rung an die Kata­stro­phe des Holo­caust wach­zu­hal­ten und dar­aus Kon­se­quen­zen für das aktu­el­le poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Han­deln zu ziehen.

Im Anschluss an sei­ne Rede leg­te das Stadt­ober­haupt einen Kranz vor der Gedenk­ta­fel auf dem Platz vor der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge nieder.

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