Donnerstag, Mai 26, 2022

Druckfrischer Forschungsstand zum Stift Cappenberg

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Cap­pen­berg. Wie man ihn auch dreht und wen­det: Der Cap­pen­ber­ger Kopf, eines der bedeu­tends­ten Klein­kunst­wer­ke aus dem Mit­tel­al­ter – war wohl nie ein Geschenk Kai­ser Fried­richs I. Bar­ba­ros­sas. Was sich im Rah­men einer wis­sen­schaft­li­chen Tagung im Herbst 2019 bereits abzeich­ne­te, hat eine mate­ri­al­kri­ti­sche Unter­su­chung erhär­tet: Bei dem soge­nann­ten Bar­ba­ros­sa-Kopf hat es sich mit höchs­ter Wahr­schein­lich­keit immer um ein Johan­nes-Reli­qui­ar gehandelt.

Die Ergeb­nis­se die­ser Ana­ly­se sowie die Tagungs­re­fe­ra­te von His­to­ri­kern, Kunst­his­to­ri­kern und Archäo­lo­gen kön­nen jetzt im druck­frisch erschie­ne­nen Band „Cap­pen­berg – der Kopf, das Klos­ter und sei­ne Stif­ter“ nach­ge­le­sen wer­den. „Die Geschich­te der Büs­te muss nun vor dem Hin­ter­grund der klös­ter­li­chen Erneue­rungs­be­we­gung im 12. Jahr­hun­dert gele­sen wer­den“, sag­te der His­to­ri­ker Knut Görich, Pro­fes­sor für mit­tel­al­ter­li­che Geschich­te an der Uni­ver­si­tät Mün­chen und Her­aus­ge­ber des Tagungs­ban­des. So habe die Büs­te die Jahr­hun­der­te über­dau­ert, weil sie den Cap­pen­ber­ger Prä­mons­tra­ten­sern als Behält­nis für Reli­qui­en wich­tig gewe­sen sei.

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Mit dem Tagungs­band liegt recht­zei­tig zum Jubi­lä­ums­jahr 2022 der neu­es­te For­schungs­stand zum Cap­pen­ber­ger Kopf, zum Prä­mons­tra­ten­ser­stift Cap­pen­berg und sei­ner Grün­der, der Gra­fen Gott­fried und Otto, vor. Gefei­ert wird die­ses Jahr zum einen der 900. Jah­res­tag der Grün­dung des Prä­mons­tra­ten­ser­stifts sowie der Geburts­tag Kai­ser Fried­richs I. Im Sep­tem­ber wür­digt der LWL die­se Ereig­nis­se mit einer gro­ßen Aus­stel­lung auf Schloss Cappenberg.

Im Anschluss an die Buch­vor­stel­lung dis­ku­tier­ten Wis­sen­schaft­ler und Lokal­po­li­ti­ker über „Bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment im Span­nungs­feld zwi­schen Wis­sen­schaft, Hei­mat, Kul­tur“. Es mode­rier­te der ehe­ma­li­ge Land­rat des Krei­ses Unna, Micha­el Makiol­la (3. v. links). Foto: Schwarze

„Wäre der Rota­ry Club Selm Kai­ser Bar­ba­ros­sa nicht so hart­nä­ckig gewe­sen, hät­te das alles wohl in Müns­ter statt­ge­fun­den“, sag­te Mar­co Mor­ten Puf­ke, Mit­glied der Land­schafts­ver­samm­lung des LWL. Die Rota­ri­er in Selm hat­ten sich auf die Fah­nen geschrie­ben, die Bedeu­tung des Orts­teils Cap­pen­bergs für die Stadt und für die gesam­te Regi­on stär­ker im öffent­li­chen Bewusst­sein zu ver­an­kern. Aus­ge­hend von einer Vor­trags­rei­he zu The­men der Stau­fer­zeit knüpf­ten sie deutsch­land­weit Kon­tak­te zu Fach­leu­ten und initi­ier­ten besag­te Tagung. „Und haben mit ihrem Enga­ge­ment dazu bei­getra­gen, dass die Geschich­te des Kop­fes neu erzählt wird“, sag­te Görich.

Dabei nah­men die Sel­mer Rota­ri­er einen schmerz­li­chen Ein­schnitt in Kauf – füh­ren sie doch den Namen des Stauf­erkai­sers im Bewusst­sein, bei der Büs­te habe es sich um ein Geschenk des­sel­ben gehan­delt. „Trotz­dem haben wir mit dem Kopf hier in Cap­pen­berg ein Kunst­werk, das sei­nes­glei­chen sucht“, beton­te Han­ne­lie­se Palm, die der­zei­ti­ge Prä­si­den­tin des Rota­ry Clubs Selm.

Cap­pen­berg – der Kopf, das Klos­ter und sei­ne Stif­ter, hg. von Knut Görich, gebun­den, 448 Sei­ten mit zahl­rei­chen Abbil­dun­gen, erschie­nen bei Schnell & Stei­ner 2022, 50 Euro, ISBN: 978–3‑7954–3612‑4

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